Fuentes-Verurteilung: Prozess der verpassten Gelegenheiten

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Mediziner Fuentes: Vier Jahre Berufsverbot

Das Gericht hat Eufemiano Fuentes schuldig gesprochen. Ein Urteil, das die unsaubere medizinische Arbeit des Dopingdoktors belegt. Viel mehr aber nicht. Durch das Desinteresse der spanischen Justiz an Fuentes' Netzwerk brachten die 23 Prozesstage nur wenig neue Erkenntnisse in der Dopingbekämpfung.

"Ich habe Sportler aus vielen Bereichen betreut: Fußballer, Boxer, Leichtathleten", hatte der Angeklagte Eufeminao Fuentes am zweiten Prozesstag zu Protokoll gegeben. Die Richterin Julia Patricia Santamaría schwieg.

"Wenn sie wollen, kann ich alle Codes auf den Blutbeuteln meiner Kunden identifizieren", bot Fuentes einen Tag später im Madrider Gerichtssaal an. Die Antwort der Richterin: "Nein. Darum werde ich Sie nicht bitten."

Es waren zwei Schlüsselmomente, die das Kernproblem der 23 Prozesstage in Madrid zusammenfassen: Es war ein Prozess der verpassten Gelegenheiten. Fuentes war angeklagt wegen eines "Verbrechens gegen die öffentliche Gesundheit", wie es in der Anklageschrift hieß. Ein Leitfaden, der strikt eingehalten wurde. Mit diesem Tunnelblick hangelte sich Richterin Julia Patricia Santamaría von Zeuge zu Zeuge und verkündigte heute das 384-seitige Urteil.

Eufemiano Fuentes und Helfer Ignacio Labarta wurden verurteilt. Bei beiden sah das Madrider Gericht es als erwiesen an, dass die Gesundheit der behandelten Athleten gefährdet wurde. Für Fuentes verkündigte das Gericht ein Jahr Haftstrafe und vier Jahre Berufsverbot als Sportmediziner. Fuentes Schwester Yolanda sowie die ehemaligen Teamchefs Vicente Belda und Manolo Saiz sind freigesprochen.

Bewährung, Berufsverbot, Geldstrafe

Hinter Gittern wird Fuentes trotzdem nicht sitzen müssen. Die spanische Gesetzgebung sieht für Verurteilungen unter zwei Jahren keine tatsächliche Haft, sondern eine Strafe auf Bewährung vor. Somit wird neben einem Berufsverbot lediglich eine Geldstrafe im vierstelligen Bereich für den Dopingdoktor fällig.

Unabhängig vom Geschehen rund um den Madrider Gerichtssaal waren es in den vergangenen Monaten vereinzelte Medien, die mehr Licht in den Kundenkreis von Fuentes brachten. Die spanische Zeitung "El País" belegte mit Dokumenten eine Zusammenarbeit des verurteilten Doktors mit dem Fußballverein Real Sociedad San Sebastian. Für diesen Club soll der damalige Präsident José Luis Astiazarán über viele Jahre Dopingmittel bei Fuentes gekauft haben. Astiazarán ist mittlerweile zum Vizepräsident des spanischen Fußballverbandes aufgestiegen.

Der medizinische Leiter der Fifa, Jiri Dvorak, verkündete noch im Januar im Schweizer Fernsehen, dass die Juristen des Weltverbandes keine Hinweise im Bericht der "Operacion Puerto" gefunden hätten, die auf eine Zusammenarbeit zwischen Fußballern und Fuentes hindeuten würden. Die Fifa teilte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE mit, dass sie keine neuen Ermittlungen plane. Die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada wollte nicht bestätigen, dass Ermittlungen mit Fußballbezug aufgenommen wurden.

Neues Anti-Doping-Gesetz wird wohl wenig ändern

Welche Athleten aus welchen Sportarten tatsächlich von Fuentes behandelt worden sind, wird wohl nie aufgeklärt werden können. Das liegt auch an mysteriösen Abläufen bei der Archivierung der Beweisstücke. Im Laufe der vergangen Jahre sind 51 der 223 Blutbeutel verschwunden, die von der Guardia Civil im Jahr 2006 konfisziert wurden. Dies bestätigte der Leiter des Anti-Doping-Labors von Barcelona, in dem die Blutbeutel seit Jahren gelagert werden.

Die übrigen Blutbeutel werden nach aktuellem Stand ebenfalls nicht zur Aufklärung beitragen: Richterin Santamaría verweigerte mit dem heutigen Urteil der Wada einen Zugriff auf die Blutbeutel. So könnte es passieren, dass die härtesten Beweisstücke nach einem endgültigen Prozessende zerstört werden. Dies möchte die spanische Anti-Doping-Behörde AEA verhindern, möglicherweise wird das Fuentes-Urteil deshalb angefochten.

Eine vollständige Aufklärung scheitert aber auch am mangelnden Interesse des spanischen Sports. Auch wenn dieser seine vermeintlich härtere Linie im Anti-Doping-Kampf zu betonten versucht. Schließlich möchte sich Spanien die Olympischen Sommerspiele 2020 ins eigene Land holen.

Dem abgeschlossenen Fuentes-Prozess soll im Sommer ein neues Anti-Doping-Gesetz folgen. Bleibt es beim jetzigen Entwurf, wird sich nicht viel ändern. Darin werden Sportler und Dopinghelfer weiterhin nicht strafrechtlich verfolgt werden können, wie es in Frankreich und Italien der Fall ist.

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insgesamt 22 Beiträge
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1. Nur ein Bauernopfer, das Doping geht weiter.
abi68 30.04.2013
Jetzt hat die rekordgeile Öffentlichkeit mitsamt den reißerischen Medien endlich ihr erstes Bauernopfer. Lance Armstrong wird folgen. Jeder der empörten Moralapostel hat es gewußt und trotzdem von den Athleten diese unmenschlichen Leistungen erwartet. Sportler, die nicht mithalten können (egal ob mit Doping oder ohne) werden verhöhnt und bekommen keinen Sponsorvertrag. Daher wird auch in Zukunft weiter gedopt werden, nur halt noch raffinierter. Und das ist auch gut so!
2. klar haben die kein
Nonvaio01 30.04.2013
Interesse, es kostet nur Geld so ein langer process. Das sind alles radfahrer, die Ihr sponsoren Geld fuer Doping ausgeben, ein schaden an der allgemeinheit findet nicht wirklich statt. Mir ist das relativ egal ob die doping betreiben, und ich denke 99% der bevoelkerung denkt genauso. Das man keine 300km am Tag fuer 4 Wochen ohne hilfe mit durchschnitt 30kmh faehrt ist doch klar, wer anders denkt sollte am besten drogen fuer das Hirn nehmen damit man mal etwas schlauer wird. Jeder der vorne mitfaehrt nimmt drogen. in einem Jahr noch 148 im Ziel, im naechsten Jahr nummer 5, klar doch das geht alles mit Training und viel fleiss.....
3. Doping für Alle
deklemens 30.04.2013
Jeder Mensch (z.B. Schüler, Manager) bekommt jedes Medikament zur Leistungssteigerung verschrieben. Nur Profisportler dürfen diese Mittel nicht verwenden. Da stimmt doch was nicht zusammen. Jeder ist für sich selbst verantwortlich und sollte demnach auch selbst bestimmen dürfen was man einnimmt. Einen echten Vergleich im Wettkampf wird es sowieso nie geben können, da jeder Mensch andere Grundvoraussetzungen hat, siehe auch hierzu den Fall Claudia Pechstein.
4. Verdunklung im Amt
diddldaddl 30.04.2013
Dass die Richterin die restlichen Blutbeutel nicht herausgibt, sogar deren Vernichtung anordnet, ist der größte Skandal. Ist da Geld geflossen?
5. nationale gesinnung
Discordius 30.04.2013
Zitat von diddldaddlDass die Richterin die restlichen Blutbeutel nicht herausgibt, sogar deren Vernichtung anordnet, ist der größte Skandal. Ist da Geld geflossen?
Es gab wohl zu viele Blutbeutel bei Fuentes, in denen spanisches Blut vorhanden war. Deren Analyse hätte eine nationale Katastrophe verursachen können, welche die mutigen Richter verhindert haben. Bezeichnenderweise wurden ja zuallererst die ausländischen Kunden von Fuentes publik gemacht, wie Ullrich oder Basso. Das spanische Sportwunder der letzten Jahre in zahlreichen Sportarten, besonders im Fussball, dürfte im wesentlichen auf konsequentem professionellen Doping beruhen. Er selber sagte vor kurzem, dass er ab 2006 Fussballer betreut habe und ihm Real Madrid noch Geld schuldet. Nur Namen nennen will er keine ... Der französische Journalist Stéphane Mandard erfuhr 2008 welche Vereine von Fuentes "behandelt" wurden: Betis Sevilla, FC Valencia, Real Madrid und FC Barcelona.
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