Fußball-WM 2018 Brasilien warnt Fans vor homosexuellen Zärtlichkeiten in Russland

Brasiliens Regierung warnt Fans explizit vor Homophobie im öffentlichen Raum bei der WM in Russland. Öffentliche Liebeleien könnten als "Propaganda für nichttraditionelle Beziehungen interpretiert" werden.

Brasiliens Außenminister Aloysio Nunes
DPA

Brasiliens Außenminister Aloysio Nunes


Brasiliens Regierung hat schwulen, lesbischen, bi- und transsexuellen Fußballfans empfohlen, bei der WM in Russland auf "Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit zu verzichten". Diesen Rat gab Außenminister Aloysio Nunes den brasilianischen Anhängern bei der Vorstellung eines Guides für WM-Besucher mit auf die Reise nach Russland. Etwa 60.000 Brasilianer haben Eintrittskarten für ein WM-Spiel gekauft.

"In Russland ist das Zeigen von Zuneigung im öffentlichen Raum nicht üblich", heißt es in einem Reiseleitfaden, der am Donnerstag vorgestellt wurde. Dies könnte als "Propaganda für nichttraditionelle Beziehungen interpretiert und mit Geldstrafe und Ausweisung geahndet werden."

Video: Homosexuelle in Russland - Leben in Angst

dbate.de

Homosexualität ist in der russischen Gesellschaft nach wie vor ein tabuisiertes Thema. Sich in Anwesenheit Minderjähriger positiv über Homosexualität zu äußern, steht in dem WM-Gastgeberland unter Strafe. Ein Gesetz, das der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte im vergangenen Jahr als unvereinbar mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung bezeichnet hatte.

In Brasiliens Nachbarland Argentinien hatte sich der Sportsender TyS des Themas ebenfalls angenommen und eine Videobotschaft an den russischen Präsidenten Wladimir Putin gesendet. "Herr Putin, wenn die Liebe zwischen Männern für Sie eine Krankheit ist, dann sind wir schwer krank. Und wissen Sie was? Es ist ansteckend", lautete die abschließende Botschaft des Spots, der nach Kritik von verschiedenen Seiten wegen des Umgangs mit dem Thema zurückgezogen worden war.

Der argentinische Fußballverband hatte im Vorfeld der Weltmeisterschaft in Russland ebenfalls einen Leitfaden herausgegeben, adressiert an Trainer, Funktionäre an Journalisten. Weil er Kapitel wie "Wie du Chancen bei russischen Mädchen hast" enthielt, wurde diese WM-Vorbereitungsmaßnahme zum Skandalthema im Land.

tip/dpa



insgesamt 30 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
DerBlicker 08.06.2018
1. das ist in der Tat ein großes Problem
Das ist ein Beispiel, warum Russland derzeit nicht zu Europa passt. Man hält sich nicht an alle Urteile des Europäischen Menschengerichtshofs in Straßburg, obwohl Russland Mitglied des Europarats ist und daher verpflichtet ist, diese Urteile umzusetzen. Wie soll man zu so einem Staat Vertrauen haben? Wir brauchen über Menschenrechte in China oder Saudi-Arabien nicht zu sprechen, so lange selbst Mitglieder des Europarats sich nicht an die Menschenrechte halten.
Frida_Gold 08.06.2018
2.
Ich bin auf die Warnungen vor der WM in Katar gespannt. Wird da auch so Stimmung gegen das Gastland gemacht werden? ;) Die Lage in Russland ist sicherlich extrem problematisch. Aber dann muss man sich halt schon fragen, warum ausgerechnet solche Länder die WM austragen dürfen...
studibaas 08.06.2018
3. Subunterschrift falsch...
Oder nicht hinreichend erklärt. Homophobie ist die Angst vor gleichgeschlechtlicher Liebe. Warum Brasilien vor homophobie warnen sollte obwohl gerade dies in Russland kein Problem darstellt erschliesst sich mir aus dem Artikel nicht.
pauli96 08.06.2018
4. Homophobie in Russland ist staatlich gefördert,
aber Gefahr droht vor allem von Fangruppen, einheimischen und ausländischen. Leider ist es auch nicht empfehlenswert, als sichtlich Schwuler oder Crossdresser, den Fanblock einer deutschen Fußballmannschaft aufzusuchen (St.Pauli mgl. ausgenommen).
smilesuomi 08.06.2018
5. Ich stelle mir das so vor..
....sobald eine Mannschaft ein Tor schiesst und sich die Spieler jubelnd in den Armen liegen, gibts ne Geldstrafe und sofortige Ausweisung der beteiligten Spieler....direkt vom Spielfeld....und Russland wird Weltmeister
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.