Box-WM Golovkin vs. Álvarez Kein Gewinner, trotzdem nur Sieger

Mega-Fights gab es zuletzt einige, doch dieser hielt tatsächlich, was er versprach: Die Mittelgewichts-WM zwischen Saúl Álvarez und Gennady Golovkin war ein Spektakel - und endete unentschieden. Für die Boxer ist das ein Segen.

AFP

Wenn große Boxkämpfe über die volle Distanz von zwölf Runden gehen, ist es durchaus üblich, dass beide Kontrahenten die Arme zum Jubel in die Luft recken. In manchen Fällen ist unklar, worüber sich Boxer freuen, die offensichtlich verloren haben. Nach der Weltmeisterschaft zwischen dem mexikanischen Superstar Saúl "Canelo" Álvarez und Gennady Golovkin feierten beide zu Recht. Es gab keinen Verlierer, das langersehnte Duell endete verdientermaßen unentschieden.

Die Erwartungshaltung vor dem Showdown der besten Mittelgewichtler der Welt war groß gewesen. Nach dem zwar unterhaltsamen, aber sportlich zweifelhaften "Milliarden-Kampf" zwischen Floyd Mayweather jr. und Conor McGregor wollten Fans und Experten endlich wieder großes Boxen sehen. Sie wurden nicht enttäuscht.

Starker Beginn von Álvarez

Der zwar acht Jahre jüngere, als Profi aber erfahrenere Álvarez begann stark und entschied die ersten Runden für sich, indem er den wie immer aggressiv attackierenden Golovkin mehrfach sehenswert auskonterte. Der kasachische Weltmeister übte zwar von Beginn an großen Druck aus, tat sich aber zunächst schwer damit, seinen Herausforderer klar und hart zu treffen.

Álvarez war in der Anfangsphase einfach zu "slick", wie die Amerikaner sagen. Er bewegte sich gut, war schnell auf dem Beinen, pendelte zudem viele Schläge durch schöne Meidbewegungen im Oberkörper aus und setzte seinerseits mit exzellenten Gegenangriffen immer wieder Nadelstiche, die zwar nicht Golovkin, dafür aber die Punktrichter beeindruckten.

Golovkin gewinnt die Mittelrunden

Ab der vierten Runde fand der 35-jährige Golovkin besser in den Kampf, indem er die Distanz geschickt verkürzte, Álvarez an den Seilen stellte und dort mit Schlagserien eindeckte. Der Mexikaner signalisierte zwar durch entschiedenes Kopfschütteln, dass er die Treffer kaum spüre, wurde aber trotzdem langsamer und gab die Mittelrunden ab.

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Boxenkampf Golovkin vs. Álvarez: Zwölf Runden Schlagabtausch

Gerade als es den Anschein hatte, dass Golovkin den Kampf vollends dominieren und seinen 38. Sieg im 38. Profikampf herausboxen könnte, meldete sich Álvarez zurück. Mit einer beeindruckenden Energieleistung in den letzten Runden verdiente sich "Canelo" das Remis.

Das Unentschieden ist in Ordnung, eine Punktwertung nicht

Der Jubel des Publikums in der ausverkauften Arena in Las Vegas wurde nur dadurch getrübt, dass Punktrichterin Adelaide Byrd offensichtlich einen anderen Kampf gesehen hatte als die Zuschauer. Byrd wertete das ausgeglichene Duell 118:110 für Álvarez, was im Klartext bedeutet, dass der Mexikaner zehn von zwölf Runden für sich entschieden haben soll. Ein hanebüchenes Fehlurteil. Zum Glück schätzten Dave Moretti (115:113 für Golovkin) und Don Trella (114:114) das Geschehen im Ring deutlich realistischer ein. So stand am Ende ein sogenanntes Split Draw, ein Remis also, bei dem alle drei Punktrichter unterschiedlicher Meinung waren.

Natürlich sagten beide Kontrahenten in ihren ersten Interviews, dass sie der Meinung waren, den Kampf gewonnen zu haben. Nach kurzem Überlegen wurde ihnen aber vermutlich bewusst, dass sie sich kein besseres Ergebnis hätten wünschen können. Das Unentschieden, durch das Golovkin Weltmeister nach Version der IBF, WBA und WBC bleibt, könnte sich als Glücksfall erweisen. Denn der spannende und unterhaltsame Kampf schreit nach einem Rematch, bei dem die Boxer, ihre jeweiligen Promoter und Manager sowie der übertragende Fernsehsender HBO noch mal deutlich mehr Geld verdienen dürften als beim ersten Duell.

"Wenn es das ist, was die Fans wollen."

Schon für das Aufeinandertreffen an diesem Wochenende waren Golovkin eine Börse von drei Millionen Dollar, Álvarez sogar fünf Millionen Dollar garantiert worden. Durch Beteiligungen an den Eventeinnahmen werden beide am Ende achtstellige Börsen verdienen. Der Kampf dürfte deutlich über eine Million Pay-Per-View-Einheiten zum Preis von 69 Dollar verkauft haben, der Gesamtumsatz wird aller Voraussicht nach weit jenseits der 100 Millionen Dollar liegen. Das Interesse am Rematch - und folgerichtig der daraus zu erzielende Gewinn - dürfte durch die nun geschaffene Vorgeschichte wachsen.

Folgerichtig bestätigten die Kontrahenten das Interesse an einem Rückkampf. "Natürlich will ich noch mal gegen ihn boxen", sagte Golovkin. "Ich will den Fans immer eine 'Big Drama Show' liefern. Und ich werde beweisen, dass ich ihn besiegen kann." Álvarez zeigte bei seinem Statement, dass er der erfahrenere Mann ist und begann sofort mit der Promotion für das Rematch. Auf die Frage, ob er sich ein zweites Aufeinandertreffen vorstellen könne, entgegnete er: "Gerne. Wenn es das ist, was die Fans wollen."



insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
vegefranz 17.09.2017
1.
Schön, dass das mal wieder ein guter Fight gewesen sein soll. Boxen hat ja inzwischen viel an Popularität verloren (Bestechungsvorwürfe, zweifelhafte Entscheidungen, 17 Verbände). denke MMA wird hier Boxen irgendwann einholen
Keksefüralle 17.09.2017
2. Keinen Sieger, aber nur Gewinner
@Michaelis: Der Spruch geht anders rum.
TOKH1 17.09.2017
3. Forumbericht Remis
Im ersten Drittel des Berichtes ging es wie erwartet um das Boxen. Fand ich gut und lesenswert. Ab der Mitte der Berichtserstattung hat es wie immer dann einen Wechsel in der Führung der Thematik gegeben. Leider zum Leidwesen der Lesenden. Im letzten Drittel des Kampfes...ääähhhhh Berichtes ging es dann darum, worum es in den Siebzigern und Achtzigern des Letzten Jahrhunderts nur am Rande auch Berichte gab. Damals stand nämlich ausschließlich das Boxen im Fokus dessen was uns interessierte. Na wer errät es?
Rahvin 17.09.2017
4.
Eine Richterin wertet den Kampf 118-110 für Canelo. Sorry, aber das Ding war eine klare Angelegenheit, und GGG wurde um einen Sieg betrogen, nur damit es ein Rematch geben wird. Das ist schon lächerlich. https://www.youtube.com/watch?v=Z_gtVPPw3Xg
johannesbueckler 17.09.2017
5. War vor Ort
115:113 für Triple-G wäre meine Entscheidung gewesen....
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