Radsport-Star Froome feiert Gesamtsieg beim Giro

Von den großen Rundfahrten fehlte ihm allein der Giro. Nun hat Christopher Froome auch diesen Erfolg errungen. Die Zweifel aber bleiben - wegen eines Dopingbefunds könnte ihm der Titel aberkannt werden.

Chris Froome
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Chris Froome


Radprofi Christopher Froome hat erstmals den Giro d'Italia gewonnen. Der 33-Jährige vom Team Sky verteidigte die Gesamtführung auf der 115 Kilometer langen Schlussetappe mit Start und Ziel in Rom erfolgreich. Dem Niederländer Tom Dumoulin vom Sunweb-Team, 2017 Giro-Gewinner, blieb mit 46 Sekunden Rückstand nur Platz zwei. Den Etappensieg sicherte sich der Ire Sam Bennett vom deutschen Team Bora-hansgrohe.

Der Giro d'Italia war die einzige große Landesrundfahrt, die Froome noch nicht gewonnen hatte. Neben vier Siegen bei der Frankreich-Rundfahrt hatte er einmal bei der Vuelta in Spanien triumphiert.

Zudem gewann er als erst dritter Profi nach Eddy Merckx (1972/1973) und Bernard Hinault (1982/1983) die drei großen Rundfahrten in Serie. Alle drei Grand Tours hatten vor ihm bisher lediglich sechs Fahrer für sich entschieden. Der Giro-Sieg soll für Froome auch der erste Schritt zum seltenen Double aus Giro und Tour sein, das zuletzt Marco Pantani glückte (1998).

Noch ist allerdings völlig offen, ob der Italien-Triumph des Briten Bestand haben wird. Grund ist die noch immer ungeklärte Salbutamol-Affäre Froomes. Aufgrund erhöhter Werte des Asthmamittels bei der Spanien-Rundfahrt 2017 droht ihm weiterhin eine nachträgliche Sperre. Damit würde der Brite aus den Ergebnislisten gestrichen werden. Der festgeschriebene Grenzwert war bei einer während der Vuelta entnommenen Probe um das Doppelte überschritten worden. Solange der Weltverband zu keinem abschließenden Urteil kommt, darf Froome seiner Arbeit nachgehen.

"Reines Gewissen"

"Ich habe ein reines Gewissen", sagte Froome. Wenn die Zeit reif sei, würden alle Informationen geteilt: "Ich bin sicher, dass die Leute meinen Standpunkt übernehmen werden."

Im Angesicht der ungelösten Affäre sorgte die Art und Weise, wie Froome zum Titel fuhr, für Skepsis. Zwei Wochen hatte Froome nicht nur die gewohnte Dominanz vermissen lassen, mehr noch: Er fuhr lange sogar hinterher. Erst in der Schlusswoche drehte er auf, insbesondere bei einem 80-Kilometer-Solo am Freitag.

"Er hat einen Landis gemacht", sagte der neuseeländische Radprofi George Bennett (Team LottoNL-Jumbo) danach. Floyd Landis hatte bei der Skandaltour 2006 nach einem kolossalen Einbruch am Vortag mit einer nicht für möglich gehaltenen Solofahrt - unter Dopingeinfluss - den Grundstein für den Tour-Sieg gelegt. Der Titel wurde dem US-Amerikaner später aberkannt. Vor der Schlussetappe betonte Bennett, mit seiner Aussage keine Doping-Anspielung getätigt zu haben.

mon/dpa/sid



insgesamt 11 Beiträge
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nesmo 27.05.2018
1. Naürlich war es eine Dopinganspielung
und das völlig zu recht. Die wundersamen Energieleistungen, wenn es vorher nicht klappte, sind so typisch für Doping, dass Frome in den Boden versinken müsste. Er wird zu recht hoffen, dass er so schnell nicht überführt wird, aber Armstrong und andere zeigten, irgendwann kommt der Dopingbeweis. Der Ergeiz, unbedingt gewinnen zu wollen , notfalls mit Doping, überdeckt bei diesen Typen aber sogar die Risiken in ein paar Jahren alles zu verlieren.
Zündkerze 28.05.2018
2. was heißt denn das bitte schön, wenn die Zeit reif ist ?
Nein, ich übernehme diesen Standpunkt nicht. Auch wenn man ihm die Titel im Nachhinein aberkennen würde, er hat seiner Konkurrenz das Erlebnis genommen eine Tour zu gewinnen.
Papazaca 28.05.2018
3. Allein, mir fehlt der Glaube
Radfahren ist was schönes. Deshalb fahre ich viel und gerne. Aber Vorbildfunktion hat er nicht für mich. Nicht mehr. Dann könnte ich gleich an den Weihnachtsmann glauben. Und der Fall Froome macht es wieder mal deutlich. Die können von mir machen, was Sie wollen, ich bin raus.
stefan.p1 28.05.2018
4. Ich versteh nicht
warum das Urteil in der Salbutamol Affäre so lange auf sich warten läßt. Auch ohne diesem Hintergrund wirft die 80km Solofahrt von Froome reichlich Fragen auf. Das jemand in diesem Terrain nicht nur den direkten Verfolgern sondern auch dem gesamten Feld so viel Zeit abnimmt ist schon sehr seltsam.
mistermoe 28.05.2018
5. Mehr als nur Zweifel
Wenn man vergleicht wie Froome in den ersten beiden Wochen des Giro gefahren und wie er am Tag seines Angriffs gefahren ist, dann kann das nicht mit einem normalen Formsanstieg erklärt werden. Man fühlt sich vielmehr direkt an die Zeiten eines Armstrong, Ulrich, Landis, Pantani erinnert, wo solche Leistungsexplosionen quasi Alltag waren. Allein schon die Tatsache das die UCI sich so lange Zeit lässt bis über den positiven Befund von Froome ein Urteil gefällt wird, sagt doch schon alles. Leider haben es die Verantwortlichen nicht begriffen, inkl. Froome das sie so den Sport kaputt machen. Eigentlich wäre die richtige Konsequenz jetzt, das man Doping freigibt und jeder kann sich vollstopfen wie er will, muss dann aber mit den gesundheitlichen Folgen selber klarkommen. Idealerweise wird es dann noch Pflicht, das jeder Rennstall einen Pharmahersteller als Sponsor nachweisen muss, dann können die wenigsten gleich richtig testen.
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