Gletscherbahn-Katastrophe Freestyle-Star Sandra Schmitt unter den Opfern

Bestürzung beim Deutschen Ski-Verband (DSV): Freestyle-Weltmeisterin Sandra Schmitt und mindestens acht weitere Mitglieder des DSV sind beim Bergbahn-Unglück am Kitzsteinhorn ums Leben gekommen.


Sandra Schmitt mit der Goldmedaille bei dem Freestyle-WM 1999
DPA

Sandra Schmitt mit der Goldmedaille bei dem Freestyle-WM 1999

München - Bei dem Inferno im Gletscherbahn-Tunnel am Kitzsteinhorn ist offenbar auch die deutsche Freestyle-Weltmeisterin von 1999, Sandra Schmitt aus Mörfelden, zusammen mit ihren Eltern ums Leben gekommen. Der Deutsche Ski-Verband (DSV) konnte und wollte die traurige Nachricht am Sonntag zunächst "nicht offiziell bestätigen". Doch ein erschütterter DSV-Generalsekretär Helmut Weinbuch erklärte angesichts der ihm vorliegenden Informationen: "Es gibt keinen Funken Hoffnung mehr."

In der Unglücksbahn hätten sich am Samstag darüber hinaus drei Trainer und vier Kinder eines bayerischen DSV-Stützpunktes befunden. Bei den drei Jungen und einem Mädchen aus dem Chiemgau handle es sich um "unsere vier hoffnungsvollsten alpinen Ski-Talente", sagte Weinbuch. Eine Hälfte der Trainingsgruppe sei mit dem Zug vor der Unglücksbahn auf den Berg gefahren und habe oben vergeblich auf die anderen gewartet, schilderte Weinbuch. "Wir haben die Eltern der betroffenen Kinder verständigt", sagte der DSV-Funktionär. Bis Sonntagmorgen war man beim DSV noch davon ausgegangen, dass sich keine Kader-Athleten unter den Toten befänden.

Die 19-jährige Sandra Schmitt war nicht die einzige deutsche Ski-Akrobatin, die am Samstag zum Skifahren auf das Kitzsteinhorn wollte. Auch die mehrfache Olympia-Teilnehmerin Tatjana Mittermayer befand sich anlässlich eines Buckelpisten-Camps für Kinder auf dem Berg. Zusammen mit Enno Thomas, dem DSV-Disziplintrainer für die deutschen Buckelpisten-Asse, und den Camp-Teilnehmern hatte die 36-Jährige vom SC Rosenheim jedoch die Gondel zum Aufstieg benutzt. Auch Thomas und Mittermayer hielten nach dem Unglück vergeblich nach Sandra Schmitt und ihren Eltern Ausschau. "Zu 99 Prozent ist Sandra unter den Opfern", sagte Tatjana Mittermayer.

"Sandra war das Aushängeschild unserer Mannschaft. Sie wäre bei der kommenden Weltmeisterschaft eine absolute Medaillen-Kandidatin gewesen", bemerkte Mittermayer. Im März des vergangenen Jahres war Sandra Schmitt als 17-Jährige die erste deutsche Ski-Akrobatin, die bei einer offiziellen Weltmeisterschaft des Internationalen Skiverbandes (FIS) einen Titel holte. Mit ihrem Sieg in der damals neuen Disziplin Parallel-Buckelpiste sorgte sie bei den Titelkämpfen im schweizerischen Meiringen-Hasliberg für einen Paukenschlag.

Sandra Schmitt auf der Buckelpiste: "Keinen Funken Hoffnung"
DPA

Sandra Schmitt auf der Buckelpiste: "Keinen Funken Hoffnung"

Die Studentin aus Mörfelden bei Frankfurt am Main belegte bereits bei den Olympischen Spielen 1998 in Nagano den neunten Rang auf der Buckelpiste. In der letzten Saison wurde sie Gesamt-Weltcupzweite. In zwei Wochen beginnt die neue Weltcup-Saison im schwedischen Tandalen. Die Athleten des A-Kaders sollten sich am Sonntagabend noch einmal zu einem abschließenden Lehrgang in Kaprun treffen.



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