Seriensieger Bernhard Langer Der Dauergolfer

Zehn große Turniere gewonnen, allein in diesem Jahr drei: Bernhard Langer spielt das beste Golf seiner Karriere - und bricht bei den Senioren alle Rekorde. Kritiker sagen, dabei ginge es nicht mit rechten Dingen zu.

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Herausragende Karrieren messen sich im historischen Kontext, Rekorde beglaubigen sportliche Großtaten. Und wenn einer Rekorde bricht, die er selbst aufgestellt hat, er also quasi zur eigenen Bezugsgröße wird, ist das Wort Ära nicht weit. Es ist also anzunehmen, dass man sich an die Bezeichnung "Ära Langer" gewöhnen muss.

Bernhard Langer ist seit diesem Sonntag zehnfacher Major-Sieger auf der Champions Tour, der Turnierserie der besten Golfer über 50. Der Mann, der einst aus Anhausen bei Augsburg seine Golfkarriere startete, gewann zum dritten Mal in seiner Karriere die Senior Open Championship. Es ist sein dritter Major-Sieg allein in diesem Jahr. Seit Einführung der Tour 1980 gab es vier Major-Sieger über 58. Drei gewannen in diesem Alter je einmal - einer fünf Mal: Langer. Er ist auf dem Weg, zum achten Mal in neun Jahren auf dieser Tour, die viel mehr ist als ein Sammelbecken alter Golfer, die nicht loslassen können, am Ende der Saison die Geldrangliste zu gewinnen. Im einzigen Jahr ohne Sieg stoppte ihn eine Daumenverletzung.

Das alles ist nur ein Auszug seiner Bestleistungen, für die er meist selbst längst die einzige Bezugsgröße ist.

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Bernhard Langer: Dominant wie nie zuvor

Auch wenn diesbezüglich der Vergleich schwierig ist, ist es wohl nicht falsch zu behaupten: In der Geschichte des Golfsports, mit Blick auf Saisonwertungen und Majors, war sowohl bei Männern als auch bei Frauen nie ein Sportler so dominant wie Langer, der im August seinen 60. Geburtstag feiert. Auch Tiger Woods nicht. Langer selbst sagt: "Es ist schon fein, Dinge zu tun, die noch niemand geschafft hat." Er dürfte sich an das Gefühl gewöhnt haben.

Als Langer Mitte der Siebzigerjahre auf der Tour anfing, war Tiger Woods noch nicht geboren. Der 41-jährige Woods müht sich heute mit seinem geschundenen Körper. Langer kämpfte in der vergangenen Woche mit einer Erkältung. "Ich war nicht bei hundert Prozent." Gleichzeitig tobten sich Wind und Regen auf der Golfanlage Royal Porthcawl in Wales aus, was das Kratzen im Hals noch ein wenig verstärkte. Für einen Sieg mit drei Schlägen Vorsprung reichte es dennoch. "So ist es noch ein wenig bedeutungsvoller", sagt Langer.

Natürlich hat die Champions Tour bei Weitem nicht das Niveau der tonangebenden US PGA Tour. Doch der Blick auf die hoch dekorierten Spieler, die aus Altersgründen alljährlich von der einen auf die andere Tour wechseln und dann von Langer demoralisiert werden, lässt erahnen, dass da einer auch mit 59 Jahren noch so schwingt, dass er bei Ausflügen zu den Besten der Welt trotz fehlender Schlaglängen gut mithalten könnte.

Anhaltspunkte bietet alljährlich das Masters, das erste Major des Jahres, das Langer in den Jahren 1985 und 1993 gewonnen hat. In Augusta war er zuletzt zweimal ganz vorne dabei. 2014 wurde er Achter. Und im vergangenen Jahr distanzierte er im direkten Vergleich Jason Day. Die damalige Nummer eins der Welt war "ziemlich beeindruckt", dass da einer "nach 40 Jahren immer noch dieselbe Motivation hat".

"Ich spiele das beste Golf meiner Karriere"

Der Schlüssel liegt im Wesen Langers. Als er mit seinem Sohn Stefan einmal ein Vater-Sohn-Turnier gewann und der sich von dem Preisgeld ein teures Auto kaufen wollte, gab es ein Veto: "Das wäre viel zu einfach gewesen. Luxusartikel muss man sich erarbeiten", sagte Langer.

Seine Arbeit nimmt Langer auch nach mehr als 40 Jahren sehr ernst. Als Woods, der später den Golfsport mit seinem Fokus auf Fitness revolutionieren sollte, noch zur Grundschule ging, legte sich Langer schon eine Matte ins Hotelzimmer und machte regelmäßig seine Übungen. Er achtete auf seine Ernährung und schaffte es, Körper und Schwung in nachhaltiger Weise zu entwickeln. Gewissermaßen legte er damals das Fundament für den heutigen Erfolg. Noch heute trainiert er täglich. Weil er aber "technisch nie besser" war, gehört der Golfschwung immer weniger dazu. Langer ist ein Fitnessfreak der mit fast 60 sagt: "Ich spiele das beste Golf meiner Karriere." Aber auch: "Ich spüre meinen Körper nun schon häufiger."

Nun könnte alles seinen schönen Gang nehmen - gebe es da nicht Kritiker Langers, die zuletzt wieder mehr Zuspruch erfahren durften, für Langer jedoch "Neider" sind.

Langers Achillesferse war immer das Putten, das kurze Spiel auf den Grüns. Er kämpfte jahrelang mit Yips, einem nervösen Muskelzucken mitten im Schwung. Abhilfe schaffte der Wechsel auf einen langen Putter, dessen Schaft man am Körper fixieren konnte. 2016 wurde das so genannte "Ankern" verboten. Langer war wütend, blieb bei seinem Putter, fixierte den Schaft aber nicht mehr an der Brust. Oder doch?

Es ist eine sehr heikle Frage von Millimetern mit etwas Polohemdstoff dazwischen. Namhafte Golfexperten in den USA zweifeln an der Rechtmäßigkeit von Langers Puttstil, zitieren kritische Zeugen aus dem Spielerfeld, die sich nicht trauen würden, vorzutreten. Die obersten Regelhüter des stolzen Gentleman-Sports tauschten sich zuletzt mehrmals mit Langer aus - und gaben dem Deutschen, der lange schon in Florida lebt, recht.

Langer selbst sagte dem "Telegraph" in dieser Woche: "Neid ist menschlich. Ich bin ein integrer Mann. Das Letzte, was ich will, ist, die Regeln zu brechen und als Betrüger bekannt zu werden." In Zeiten seiner größten Dominanz muss Langer konstatieren: "Es tut sehr weh."



insgesamt 9 Beiträge
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pauerkraut 31.07.2017
1. Elementarer Punkt
Einen wesentlichen Aspekt haben sie nicht erwaehnt. Da Golf vornehmlich "im Kopf" gespielt wird, ist es ebenso wesentlich einen Grund seiner mentalen Staerke zu erwähnen. Langer fand am Anfang seiner Karriere-durch eine Kollege- den Weg zu Gott. Das gibt ihm eine "innere Balance"
laxness 31.07.2017
2. Langer
war mein Held und Vorbild... bis er anfing mit seinen religiösen Ritualen. Danach habe ich bald mein Golf-Hobby aufgegeben...
rainer82 31.07.2017
3. Warum soll ein "spinnerter" Gottesanbeter
nicht als Leidtungssportler erfolgreich sein? Langers religiöser Spleen samt dem ganzen Brimborium drumherum ist eine verzeihbare Marotte. Schließlich erleben wir ja auch Fußballspieler, die auf dem Platz zur Belustigung ihrer Fans mit irren Gesten zum Himmel beten.
stepanus34 31.07.2017
4. Ich erinnere mich,...
...dass Langer, und dies ist schon einige Jahre her, in einem Spiegel-Artikel lächerlich gemacht wurde, wegen seines Glaubens. Da habe ich das ersteht Mal gesehen und verstanden, dass einen die Medien, und mit ihnen auch die Öffentlichkeit, fallen lassen, wenn du nicht das glaubst, was die Mehrheit glaubt. Das geht von heute auf morgen, egal, wie berühmt du bist und was du geleistet hast und noch leistest. Für mich war das spannend, da ist ein Groschen gefallen. Enttäuscht war ich vom SPIEGEL, dessen Toleranz ich immer hoch eingeschätzt hatte. Glaubst du aber an Jesus Christus, hört ist es ganz schnell vorbei mit der angeblichen Toleranz. Auch in diesem Artikel wird versucht, den Splitter zu finden, um Langer in ein schlechtes Licht zu rücken. Der Balken der Intoleranz anderer gegenüber wird dabei glatt übersehen.
muellerthomas 31.07.2017
5.
Zitat von stepanus34...dass Langer, und dies ist schon einige Jahre her, in einem Spiegel-Artikel lächerlich gemacht wurde, wegen seines Glaubens. Da habe ich das ersteht Mal gesehen und verstanden, dass einen die Medien, und mit ihnen auch die Öffentlichkeit, fallen lassen, wenn du nicht das glaubst, was die Mehrheit glaubt. Das geht von heute auf morgen, egal, wie berühmt du bist und was du geleistet hast und noch leistest. Für mich war das spannend, da ist ein Groschen gefallen. Enttäuscht war ich vom SPIEGEL, dessen Toleranz ich immer hoch eingeschätzt hatte. Glaubst du aber an Jesus Christus, hört ist es ganz schnell vorbei mit der angeblichen Toleranz. Auch in diesem Artikel wird versucht, den Splitter zu finden, um Langer in ein schlechtes Licht zu rücken. Der Balken der Intoleranz anderer gegenüber wird dabei glatt übersehen.
Fallen lassen? Haben Sie den Artikel hier gelesen? Langer wird mit Lob überhäuft und gilt auch in der öffentlichkeit als einer der ganz großen deutschen Sportler. Was Sie "fallen lassen" nennen ist offenbar eine kritische Distanz.
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