Golf Kein Leid, keine US Open

Die US Open beansprucht stets für sich, der härteste Golf-Test der Welt zu sein. Weil Brooks Koepka in Erin Hills mit historisch wenigen Schlägen gewann, wird nun heftig diskutiert: War dieses Turnier einer US Open würdig?

Brooks Koepka posiert mit dem Siegerpokal der US Open.
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Brooks Koepka posiert mit dem Siegerpokal der US Open.

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Als Brooks Koepka die Konkurrenz bei dieser 117. US Open endgültig hinter sich gelassen hatte, war es dann doch wie sonst auch. Der US-Golfer bekam die Medaille am blau-weiß-roten Band um den Hals gelegt und durfte den berühmten Pokal in Empfang nehmen, die Bilder des 218. Major-Gewinners der Golf-Geschichte gingen wie gewohnt um die Welt. Für Koepka, 27, war es der vorläufige Höhepunkt einer sehr weiten Reise. Er sagte: "Was ich diese Woche geleistet habe, ist unglaublich."

Es ist davon auszugehen, dass ihm in diesem Moment egal war, welche Debatten diese Woche vor allem bestimmt hatten.

Koepka ist offiziell der 86. Gewinner der US Open. Doch zwischen den hohen Gräsern in Erin, Wisconsin, wurde auch immer wieder heftig über die Frage diskutiert: Ist das überhaupt die US Open?

Bernhard Langer fand das zweitälteste Major als Spieler manchmal "unfair". Severiano Ballesteros, die spanische Legende, nannte die US Open einmal ein "trauriges Turnier. Da ist keine Begeisterung, kein Spaß am Zuschauen". Doch genau das war die Marke, das Alleinstellungsmerkmal.

"Du gewinnst die US Open nicht - sie gewinnt dich"

Die offenen US-Meisterschaften waren der härteste Golf-Test der Welt. Es war die Freude der vielen an der Verzweiflung der Besten. Fairways so eng wie europäische Altstadtgässchen, daneben Gras so hoch und dicht, dass man sein Golfgepäck darin hätte verstecken können. Und die Grüns waren so wellig und glatt, dass der Ball nur selten dort zum liegen blieb, wo er sollte. "Du gewinnst die US Open nicht. Die US Open gewinnt dich." So sagte es einst Cory Middlecoff, der zweimal gewonnen hat, 1949 und 1956.

Und nun das. Als dieses Turnier auf den Finalsonntag zusteuerte, purzelten die Rekorde. Nie waren so viele Spieler so weit unter Par, dem Platzstandard. Justin Thomas, ein 24-Jähriger aus Kentucky, spielte eine 63. Besser war nie jemand bei einem Major. Seine neun unter Par in dieser Runde waren alleiniger Rekord. Es war klar: Die Spieler hatten gewonnen, die US Open verloren. Erin Hills, der Kurs dieser US Open, war der längste Major-Kurs der Geschichte. Doch auf ESPN war zu lesen, dass die Demontage dieses eigentlich so harten Tests wirkte, als wären in der Schule die Antworten schon im Vorfeld an die Schüler verteilt worden.

"Normalerweise bringt uns die US Open dazu, uns und Golf zu hassen", sagte Thomas, der am Ende Neunter wurde. Natürlich waren nicht alle so glücklich. Der frühere Golfprofi Johnny Miller, der die für viele bislang beste 63 der Major-Geschichte spielte, im Finale der US Open 1973, sah sich im Golf Channel bemüßigt, angesichts dieser jungen Herausforderer einiges in Relation zu setzen: "Solche US-Open-Kurse kenne ich nicht. Das ging total gegen die Tradition der US Open", echauffierte sich der Fernsehexperte der NBC.

Dabei hatte es im Vorfeld tatsächlich Diskussionen über das hohe Gras abseits der Fairways gegeben. Es war sogar kurzfristig noch gestutzt worden, was wiederum Rory McIlroy, US-Open-Sieger von 2011, ärgerte, der meinte, wer ein 60 Yards breites Fairway nicht treffe, habe hier nichts verloren. Drei Tage später war er ausgeschieden. Ebenso wie der Weltranglisten-Erste Dustin Johnson und die Nummer drei, Jason Day. Erstmals in der Major-Geschichte war damit die Top drei der Welt am Wochenende nicht mehr vertreten, was natürlich zu Teilen auch daran lag, dass ein Kurs, der die Spieler nicht quält, auch nicht aussortiert.

Sieger Koepka trainiert viel im Kraftraum

So kommen viele Spieler gut aufs Grün - und es entscheidet der Putter. Martin Kaymer, der als 35. Wisconsin verlässt, hatte schon im vergangenen Jahr bemängelt, dass auf zu einfachen Kursen Golf zu einem Putt-Wettbewerb verkomme. So weit ging es bei der US Open in Erin Hills nicht. Doch die Tatsache, dass vor der Finalrunde 16 Spieler vorne lagen, die noch nie ein Major gewonnen hatten, ist auffällig.

Es passt aber ins Bild. Koepka ist der siebte Majorsieger in Folge, der sein erstes Major gewinnt. Und Koepka selbst passt wiederum zu dieser US Open, die anders war, aber trotz niedrigerem Leidensniveau der Weltbesten eben auch sehr unterhaltsam.

Koepka, aufgewachsen in Pennsylvania, verließ im Gegensatz zu seinen Kollegen die sauber gemähten Golfwiesen und das perfekte Klima in den USA, um in Europa und Asien sein Spiel fortzuentwickeln. Er gewann Turniere in der Türkei und Schottland, spielte auch in Kenia. Im vergangenen Jahr vertrat der bullige Golfer, dessen Training zu großen Teilen aus Gewichtheben besteht, die USA beim Ryder Cup.

In Erin Hills nutzte der höfliche Haudrauf nun die guten Bedingungen für das beste US-Open-Ergebnis der Geschichte - 16 unter Par. Und während Koepka vom "besten Gefühl der Welt" sprach, forderte der erste Experte im Fernsehstudio einen US-Open-Platz, der statt knapp 8000 Metern doch bitte knapp 9000 Meter lang sein solle. Die US Open wird sich nicht geschlagen geben.

1974, ein Jahr nachdem Johnny Miller seine berühmte 63 gespielt hatte, lud die veranstaltende US Golf Association zur US Open in den Winged Foot Golf Club, New York. Die Spieler hatten zu leiden. Das damalige Sieger-Ergebnis von sieben über Par ist das zweitschlechteste der Nachkriegsgeschichte. Die US Open 1974 ist heute berühmt als: "The Massacre at Winged Foot."



insgesamt 2 Beiträge
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El pato clavado 19.06.2017
1. Na was denn
der Mann war eben Klasse.Und war nach ein paar guten Schlägen fertig. Was will das Volk denn? Lange quälende Stunden auf dem Green? Na klar ,das bringt auch gute Umsätze für die Getränke- und Wurstbuden.. Brooks Koepka hat Golf gespielt und nicht eine Unterhaltungs-Show gegeben
mark e. ting 19.06.2017
2. stimmt
die Aufregung in den USA ist groß. zu einfach war der Kurs. aber von den vielen zu guten Scores der Hinterbänkler mal abgesehen, warum scheiterten dann viele der Top-Golfer schon am Cut? deren Scores wsren ja eher bescheiden. hätten die dann nicht zumindest auch tolle Ergebnisse erzielen müssen? Wer scheiße spielt fliegt halt raus. aber ich würde mir auch einen schwierigeren Platz für so ein Major wünschen. sonst ist es halt nur recht langweilig.
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