Von Lukas Rilke
Hamburg - Als José María Olazábal an diesem Wochenende als Kapitän der europäischen Ryder-Cup-Auswahl Geschichte schrieb, war Severiano "Seve" Ballesteros an seiner Seite. Die Spieler und Olazábal selbst trugen zum Gedenken an die im vergangenen Jahr verstorbene Golf-Legende dessen typisches Outfit: dunkelblaue Hose, weißes Shirt, dunkelblauer Pullover. Eingestickt auf den Ärmeln und den Golftaschen der Europäer: Ballesteros in seiner berühmten Pose, wie er nach seinem Majorsieg 1984 im schottischen St. Andrews die Faust ballte.
Ballesteros spielte selbst in acht Ryder Cups und gewann in 37 Partien 22,5 Punkte. Fast schon unschlagbar war er im Doppel mit Olazábal, gemeinsam holten sie aus 15 Matches elf Siege und zwei geteilte Partien. Aus Kollegen wurden gute Freunde. "Ich weiß, wie viel José María dieser Sieg bedeutet, er war ein toller Kapitän und es ist genau so gekommen, wie sein Freund es sich gewünscht hätte", sagte der Deutsche Martin Kaymer am Tag nach dem Ryder-Cup-Sieg.
"Tut es für Seve - auf geht's Europa!", hatte ein Kunstflieger schon am Samstag in den Himmel über dem Turnierplatz geschrieben. Die Aufholjagd glückte dann einen Tag später. "Ich bin mir sicher, dass Seve heute mit mir da draußen war", sagte Sergio Garcia nach dem Triumph. Der 32-Jährige, ebenfalls Spanier, gewann im Schlussspurt sein Duell gegen Jim Furyk. "Ohne ihn hätte ich dieses Spiel niemals gewonnen", sagte Garcia.
In Spanien verhalf Ballesteros dem Golf-Sport besonders in den 1980ern zu einem großen Aufschwung, das Bild vom bis dahin als elitär verschrienen Sport änderte sich zunehmend. Er selbst stammte aus einfachen Verhältnissen und lernte das Spiel am Strand, mit nur einem Schläger. Nicht nur in Spanien war Ballesteros ein Superstar.
"So hätte Seve das auch gemacht"
So sagte auch der Engländer Justin Rose, nachdem er US-Spieler Phil Mickelson bezwungen hatte: "Sobald ich vom 18. Grün runter war, musste ich an Seve denken. Ich habe auf die Stickerei auf meinem Ärmel geblickt und gedacht: 'So hätte er das heute auch gemacht.'"
Mit vier Punkten und einer überragenden Leistung am Samstag war Rose' Landsmann Ian Poulter der wohl wichtigste Spieler für Europa bei diesem Turnier. Normalerweise ist der 36-Jährige für seine extravagante Kleidung, sorgfältig gegelten Haare und emotionalen Ausbrüche wie am Samstag bekannt.
Doch nach dem Sieg wurde auch er andächtig. "Das Team hat eine unglaubliche Leistung gezeigt und immer an sich geglaubt. Mein Kapitän hat an mich geglaubt", so Poulter, der von Olazábal mit einer Wildcard ins Team geholt worden war: "Meine Punkte war ich José und Seve einfach schuldig."
Als die Auswahl Europas das "Wunder von Medinah" perfekt gemacht hatte, weinte Olazábal hemmungslos. Er widmete den Coup Ballesteros: "Dieser Titel ist für ihn", sagte Olazábal mit zitternder Stimme: "Egal, wo Seve gerade ist - ich glaube, heute wäre er richtig glücklich."
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