Rätsel um Siems krummen Putter "Es ist ein Mysterium"

Marcel Siem spielt derzeit beim Golf-Major U.S. Open. Als er auf der ersten Runde nach einer Unterbrechung weitermachen wollte, war sein Putter plötzlich verbogen. Im Interview rätselt Siem über die Ursache.

Golfer Siem: Nach dem ersten Tag drei über Par
AFP

Golfer Siem: Nach dem ersten Tag drei über Par


SPIEGEL ONLINE: Herr Siem, Sie hatten gestern nicht nur mit dem Wetter zu kämpfen, das eine ruhige Runde unmöglich machte. Nach einer Unterbrechung war plötzlich auch einer Ihrer Schläger verbogen. Was war da los?

Siem: Ja, das wüsste ich auch gerne. Mein Putter hatte plötzlich eine komplett neue Einstellung. Der Winkel der Schlagfläche, der sogenannte Loft, war deutlich vergrößert. Damit ist an ein normales Spiel natürlich nicht zu denken.

SPIEGEL ONLINE : Wann haben Sie die Veränderung gemerkt?

Siem: Gleich, als ich beim ersten Putt stand. Zum ersten Mal habe ich die weiße Schlagfläche meines Putters gesehen. Das war noch nie der Fall. Erst dachte ich: 'Okay, vielleicht hast noch etwas Jetlag', die Augen sind müde. Aber irgendwann war klar, dass er wirklich verbogen ist. Und dann denkst du immer wieder daran. Denn jeder Putt ist plötzlich wie ein Chip, bei dem der Ball etwas durch die Luft fliegt. Das darf beim Putten natürlich nicht sein. Ich habe dann extra die Hände angepasst, aber dennoch sind sieben Birdie-Putts von unter drei Metern am Loch vorbeigerollt.

SPIEGEL ONLINE : Wie kann so etwas passieren?

Siem: Darüber habe ich mir mit meinem Caddie gestern auch noch stundenlang den Kopf zerbrochen. Die Golftasche war zweimal unbeaufsichtigt. Einmal, als wir vor der Wetterunterbrechung ins Auto gestiegen sind. Da war die Tasche zusammen mit zwei anderen hinten drin. Und einmal war mein Caddie, weil er sich verletzt hatte, für 25 Minuten in der Caddie Lounge, um sich behandeln zu lassen.

SPIEGEL ONLINE : Kann der Schaden durch einen Stoß, also unbewusst, entstanden sein?

Siem: Eigentlich nicht. Der Mann im ProShop meinte, der Schläger müsse "so richtig einen abbekommen haben". Nicht mal mit einem Schlägerwurf bekommst du so ein Ergebnis. Eigentlich ist er richtiggehend gebogen worden. Weniger unbewusst. Aber darüber will ich mir nicht den Kopf zerbrechen.

SPIEGEL ONLINE : Also doch Fremdeinwirkung?

Siem: Wer sollte denn auf so eine Idee kommen? Das wäre ja idiotisch. Ich habe aber schon mal geschaut, wer vor mir in der Weltrangliste (Siem ist 58., d. Red.) notiert ist (lacht). Nein, im Ernst: Es ist ein Mysterium. Und es soll keine Entschuldigung sein. Mich hat es nur gestern sehr viele Nerven gekostet. Abends habe ich mich dann selbst noch bei den Offiziellen angezeigt, weil ich normalerweise meine Schläger während der Runde nicht verändern darf. Die Entscheidung hat dann 90 Minuten gedauert. Das war die Hölle. Im Endeffekt ist jetzt aber alles gut. Die Sache ist durch und ich schaue nach vorne. Mein Spiel bis zum Grün war super gestern, so darf es heute weitergehen.

SPIEGEL ONLINE : Wie ist der Plan für Runde zwei?

Siem: Gerade habe ich gefrühstückt. Jetzt gehe ich noch mal ins Bett und verfolge im Fernsehen die Kollegen und schaue, wie die Fahnenpositionen so sind heute. Dann geht es ins Gym, danach natürlich zum Putten. Der Schläger wurde hier im Club in einer total schönen, alten Werkstatt hergerichtet. Er ist jetzt besser als vorher. Ich bin begeistert. Üben muss ich aber dennoch heute noch ein wenig.

SPIEGEL ONLINE : Haben Sie aus der ganzen Geschichte gelernt?

Siem: Ja, ich werde es jetzt wie so mancher Kollege machen. Die Schläger kommen jetzt mit auf mein Zimmer. Ich lasse sie nicht mehr aus den Augen.

Die Fragen stellten Frieder Pfeiffer und Lukas Rilke



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