Golferin Gal zum Solheim Cup "Stimmung wie im Fußballstadion"

Der Solheim Cup ist das wichtigste Frauenturnier im Golfsport. Deutschlands beste Golferin, Sandra Gal, erklärt, was den Kontinentalwettkampf zwischen Europa und den USA so besonders macht.

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Ein Plastik-Golfset zum fünften Geburtstag, damit fing alles an. Inzwischen ist Sandra Gal 30 Jahre alt und längst Deutschlands beste Spielerin. Sie und Caroline Masson haben es für Deutschland in die europäische Auswahl zum Solheim Cup geschafft. Das ist das Pendant zum Ryder Cup der Männer, dem Kontinentalwettkampf der besten Spieler Europas gegen die besten der USA.

Den Ryder Cup gibt es seit 1927, er ist eine der größten Sportveranstaltungen der Welt. Der Solheim Cup ist deutlich jünger, er wird seit 1990 und ebenfalls alle zwei Jahre ausgetragen. In diesem Jahr vom 18. bis 20. September auf der Anlage des Golfclubs von St. Leon-Rot in der Nähe von Heidelberg. Es ist "das größte Turnier, das es gibt", sagt Gal, der man die Begeisterung sogar durchs Telefon anhört. Hat so ein Vollprofi eigentlich noch Lampenfieber, zittern vielleicht sogar die Hände vor dem ersten Abschlag?

Sandra Gal: Das nicht. Aber ich bin auf jeden Fall schon ein bisschen aufgeregt und spüre den Druck. Ich mag das.

SPIEGEL ONLINE: Manche Athleten leiden unter so viel Druck.

Gal: Ich nicht, im Gegenteil. Ich genieße das. Die vielen Fans beim Solheim Cup, der Lärm, die Anspannung. Das sind die größten Momente, die unser Sport zu bieten hat. Und für mich ist es nochmal eine Nummer größer, weil wir in Deutschland spielen.

SPIEGEL ONLINE: Deutschland gilt nicht eben als Golfnation, anders als die bisherigen Gastgeber Irland, Schottland oder auch Schweden. Trauen Sie Ihrer Heimat zu, ein ähnlich guter Gastgeber zu sein?

Gal: Ich war in der Vergangenheit schon positiv überrascht, wie viele Zuschauer in Deutschland auch zu kleineren Turnieren kommen. Ich habe das Gefühl, dass die Leute hier richtig Lust auf den Sport haben. Zum Solheim Cup kommen immer Fans aus aller Welt, die laufen mit Perücken auf dem Kopf und Schminke im Gesicht über die Anlage, am Abschlag herrscht eine Stimmung wie im Fußballstadion. In Deutschland wird man überrascht sein, wie lustig es beim Golf zugehen kann.

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Golf: Team Europe beim Solheim Cup 2015
Spaß ist Sandra Gal wichtig, das betont sie immer wieder - und das zeigt das Gelegenheitsmodel auch umfassend bei Instagram. Ein bisschen Trainingsdrill ist da zu sehen, vor allem aber Fotos von sich im Urlaub, beim Tennisspielen, Shoppen, Essen, Kuscheln mit dem Hund und mit Kolleginnen, mehr als 900 Bilder, knapp 17.000 Follower. Ihre Fans hat sie vor allem in den USA, wohin sie 2004 direkt nach dem Abitur zog, um zu studieren, vor allem aber, um Golf zu spielen. Und wo Gal seitdem lebt. Seit 2008 spielt sie ausschließlich auf der LPGA-Tour mit, 2011 gewann sie ihr erstes und bisher einziges Turnier der Elite-Serie. Im gleichen Jahr war sie erstmals für den Solheim Cup nominiert, zwei Jahre später reichte es nicht, nun aber ist die Deutsche wieder beim Duell mit den USA dabei. Aber fühlt Gal sich überhaupt noch als Deutsche?

Gal: Meine Heimat ist Europa, das merke ich jedes Mal, wenn ich hierher zurückkomme. Die Kultur, der Blick auf die Welt, natürlich das Essen. Ich mag die USA sehr und kann mir gut vorstellen, dort auch nach meiner Karriere zumindest zeitweise zu leben. Aber dieses Heimatgefühl, das habe ich so nur in Europa.

SPIEGEL ONLINE: Beim Ryder Cup konnte man in früheren Auflagen erbitterte Kämpfe erleben. Da war das andere Team ein regelrechter Feind, die sonst so edle Golf-Etiquette wurde für diese Tage außer Kraft gesetzt. Ist das in Ihrem Sport heute noch vorstellbar?

Gal: Wir kennen uns inzwischen alle sehr gut, ich bin mit vielen US-Spielerinnen befreundet. Klar, im Wettkampf werde ich alles für unser Team geben. Aber Freundinnen bleiben Freundinnen.

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Golf: Team USA beim Solheim Cup 2015
Tatsächlich ist Gals Karriereentwurf nicht so außergewöhnlich: Nur drei der zwölf Spielerinnen aus dem Team Europa sind nicht auf der US-Tour aktiv, die Mannschaft kennt sich sehr gut, trifft sich am Rande der Turniere, gerne auch mal nach Feierabend. Das kann der große Schlüssel für den Erfolg und die große Aufgabe an die Kapitäninnen sein: Die Spielerinnen im Team auf die Runde schicken, die besonders gut zusammenpassen.

Die Harmonie ist das eine, das andere ist die besondere Spielform. Beim Solheim Cup wird anders als bei den großen Turnieren im Matchplayformat gespielt. Müssen sich Weltklassespielerinnen darauf speziell vorbereiten?

So funktioniert die Matchplay-Zählweise
Beim Lochspiel wird nicht um die Gesamtanzahl der benötigten Schläge pro Runde gespielt wie beim weiter verbreiteten Zählspiel. Stattdessen spielt man gegen einen Gegner immer um das jeweilige Loch. Wer für das erste Loch weniger Schläge benötigt, hat dieses gewonnen und liegt damit "eins auf". Wer am Schluss die meisten Löcher gewonnen hat, ist der Sieger des Matchplays.
Gal: Ich habe ein bisschen mit Freunden Matchplay gespielt. Das Format macht mir sehr viel Spaß, es ist freier, Fehler werden schneller verziehen. Ein falscher Schlag hängt einem dann nicht die ganze Runde über nach wie beim klassischen Zählspiel. Ich kann viel aggressiver sein.

SPIEGEL ONLINE: Wie sieht das dann aus?

Gal: Vor allem an meinem Abschlag habe ich in Hinblick auf den Solheim Cup gearbeitet. Normalerweise spiele ich den als leichten Fade. Dabei startet der Ball gerade und macht dann eine leichte Rechtskurve. Den beherrsche ich sehr gut, das ist sozusagen mein Nummer-Sicher-Schlag. Aber beim Solheim Cup werde ich auch mal angreifen. Dafür habe ich an einem ganz geraden und dadurch längeren Abschlag gearbeitet. Damit kann ich bei einem Par5 mit dem zweiten Schlag aufs Grün kommen, ab einem kurzen Par4 sogar mit dem ersten Schlag - wenn er denn gut kommt.

SPIEGEL ONLINE: Und wenn nicht?

Gal: Dann ist das Loch vielleicht schon verloren, aber dann gewinne ich eben das nächste.

SPIEGEL ONLINE: Bei den vergangenen beiden Auflagen waren die USA jeweils favorisiert, am Ende gewann das Team aus Europa. Wie ist es diesmal?

Gal: Die Ausgangslage ist ähnlich, das Endergebnis dann hoffentlich auch.



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Seite 1
countrushmore 18.09.2015
1.
"Stimmung wie im Fußballstadion" Das würde mich eher abschrecken.
darthmax 18.09.2015
2. Damengolf
ist noch schlimmer als Damenfussball, man stelle sich vor, dass die Fussballerinnen auf kleinerem Feld spielen. Das tun aber Golferinnen. Begeisterung ? es fand in diesem Jahr nicht einmal eine Ladies Open in Deutschland statt. Vom Golfspielen leben... ohne Sponsor unmöglich
olewahr 18.09.2015
3. wichtigste Frauenturnier im Golfsport.
Also nicht der Reden wert. Was kommt als nächstes? "Das wichtigste Kindergarten-Tunier"?
metalslug 18.09.2015
4. Von wegen
Wie im Fußballstadium? Im Traum vielleicht, oder im Suff. Im Vergleich zu anderen Frauensportarten ist Golf schon cool: Frau schwingt langsamer und Mann kann den Schwung - falls korrekt ausgeführt - besser wahrnehmen und evtl. was lernen.
SabineHäberle 18.09.2015
5.
Zitat von metalslugWie im Fußballstadium? Im Traum vielleicht, oder im Suff. Im Vergleich zu anderen Frauensportarten ist Golf schon cool: Frau schwingt langsamer und Mann kann den Schwung - falls korrekt ausgeführt - besser wahrnehmen und evtl. was lernen.
Immerhin ist hier so viel los, dass man als Anwohner am Liebsten flüchten würde: Verkehrsregeln, Parkverbote, etc. scheinen für die Besuchers des Turniers anscheinend nicht zu gelten.
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