Golf-Star Kaymer "Ich erwarte nicht, hier zu gewinnen"

Der Titelverteidiger gibt sich bescheiden: Martin Kaymer hatte 2010 die PGA Championship gewonnen - doch der diesjährige Kurs liegt dem Deutschen nicht besonders. Im Interview mit "Golf.de" spricht der 26-Jährige über Golf mit Gefühl, die Zukunft des Sports und Gänsebraten beim Champions Dinner.

Golfer Kaymer: Gänsebraten trotz über 30 Grad in Atlanta
AFP

Golfer Kaymer: Gänsebraten trotz über 30 Grad in Atlanta


Martin Kaymer spielt die ersten beiden Runden mit Y.E. Yang und Shaun Micheel. Am Donnerstag um 13.15 Uhr (19.15 Uhr deutsche Zeit, Liveticker SPIEGEL ONLINE) startet der 26-Jährige in die 93. Auflage der PGA Championship.

Frage: Sie durften am Dienstagabend das Champions Dinner ausrichten. Was gab es zu essen?

Kaymer: Es gab Gans mit Rotkohl und Knödel als Hauptspeise. Davor Tomaten mit Mozzarella und als Dessert Chocolate Mousse. Als Gastgeschenk habe ich übrigens Schweizer Messer verteilt. Das wollte ich als Kind immer haben, war aber noch zu klein dafür. Das war meine Chance, endlich eines zu bekommen.

Frage: Wie war die Resonanz der ehemaligen Champions?

Kaymer: Ich habe durchweg nur Positives gehört. Den Knödel kennen sie hier zwar nicht, das war etwas Neues. Ich habe dann noch zwei ehemalige Gewinner, David Toms und Phil Mickelson, auf die Bühne geholt, die eine Geschichte erzählt haben. Für mich war es wirklich ein superschöner Abend. Es war toll, der Ausrichter sein zu dürfen.

Frage: Die Erwartung der deutschen Fans ist, dass Sie jedes Turnier gewinnen könnten. Wie ist Ihr Anspruch an sich selbst?

Kaymer: Können schon, machen ist immer noch etwas anderes. Ich denke vom Spielerischen habe ich das Potential dazu. Aber würde mich jetzt nicht so sehr unter Druck setzen wollen. Gerade hier bei der PGA Championship. Das ist ein komplett anderer Golfplatz als der, den wir letztes Jahr gespielt haben. Dieser Platz gefällt mir zwar auch sehr gut, aber der spielt sich für mich nicht so einfach wie letztes Jahr in Whistling Straits. Von daher erwarte ich nicht unbedingt hier zu gewinnen. Aber ich werde so gut spielen, wie es geht. Die Erwartungshaltung ist generell sehr hoch, aber man kann dieser nicht immer gerecht werden.

Frage: Gibt es Turniere, in die einige Spieler mit einer geringeren Erwartungshaltung hineingehen? Darren Clarke ist bei der Irish Open, nachdem er in der Vorwoche die Open Championship gewonnen hatte, zum Beispiel mit einem ziemlichen Kater angereist ist.

Kaymer: Ich versuche, die Turniere zu spielen die ich möchte und dann auch 100 Prozent zu geben. Daher spiele ich auch nicht jedes Turnier. Ich finde es schlimm, wenn man zum Turnier reist und nur 70 bis 80 Prozent geben kann. Dann sollte man lieber zuhause bleiben.

Frage: Hatten Sie in letzter Zeit irgendwann einmal Zweifel an Ihrem Spiel? Zum Beispiel beim Masters, als Sie erneut am Cut scheiterten?

Kaymer: Das Gute am Masters ist, dass es nicht mehr schlimmer werden kann. Ich habe jetzt vier Mal den Cut verpasst. Es ist einfach nicht der Golfplatz, der mir am meisten liegt. Aber es ist dennoch schön, da immer im April hinzufahren.

Frage: Haben Sie in dieser Phase das Vertrauen in Ihren Schwung verloren?

Kaymer: Nein, aber die letzten paar Jahre und auch in diesem war es schon etwas frustrierend. Ich stehe da am Abschlag und es gibt so viele Löcher, die mir vom Tee einfach nicht gefallen. Vom Gefühl her würde ich das Loch gerne anders spielen. Dann ist der Fehlschlag noch schlimmer. Ich muss dann sehr oft gegen mein Gefühl spielen - und das ist nicht optimal, wenn man ein Gefühlsspieler ist.

Frage: Wie läuft es mit Ihrem relativ neuen Caddie Christian Donald?

Kaymer: Sehr gut. Er hat mir gesagt: "Du musst nur geduldig bleiben. Du wirst bald wieder gewinnen, du musst nur weitermachen." Die Art und Weise, wie er auf dem Golfplatz ist, das macht einfach Spaß: sehr zurückhaltend, sehr engagiert, sehr motiviert - menschlich passt das einfach. Wir reden viel über private Sachen und alle möglichen Dinge. Er ist ein sehr intelligenter Mann.

Frage: Wer könnte Golf in den nächsten Jahren prägen?

Kaymer: Rory McIlroy. Er ist ein sensationeller Spieler, als Typ extrem sympathisch, sehr ehrlich und daher für die Fans auch besonders greifbar. Darüber hinaus machte er sehr viel für den Golfsport, nicht nur in Irland. Auch hier in Amerika und für uns auf der European Tour. Aus amerikanischer Sicht würde ich sagen Rickie Fowler. Er ist sehr modern, gerade auch mit seinen Outfits, und spricht dadurch auch Jüngere an. Ich denke, das sind zwei, die Golf in der Welt noch deutlich populärer machen werden.

Lesen Sie die ungekürzte Fassung des Interviews auf Golf.de

Das Interview führte Golf.de-Redakteur Timo Schlitz



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