Aus Arlington berichtet Daniel Killy
Zum vierten Mal geht der Super Bowl nach Green Bay. Er geht in eine nur 100.000 Einwohner große Stadt in Wisconsin. Und er geht an das einzige Team der US-Profiliga NFL, das genossenschaftlich organisiert ist und seinen Fans gehört.
In Texas hingegen ist alles etwas größer: der Staat, das Selbstbewusstsein, der Anspruch, die Emotion - und der Reichtum. Deshalb konnte und sollte die 45. Ausgabe des Super Bowls auch nichts Anderes sein als ein Supersize-Superlativ. Doch groß waren dieses Mal in Texas auch die Pannen und Fehler.
Gastgeber Jerry Jones, milliardenschwerer Eigentümer der Dallas Cowboys, und die Liga NFL hatten im Vorfeld ziemlich laut verkündet, dieser Super Bowl würde einen neuen Zuschauer-Rekord setzen. Deshalb wurden eiligst in das brandneue Stadion Extrasitzreihen gequetscht. So sollten 105.000 Footballfans, eingezwängt wie in eine gigantische Sardinenbüchse, für die neue texanische Bestmarke sorgen.
Kurz vor Spielbeginn teilte die NFL zerknirscht mit, es seien nicht alle Zusatzplätze fertig geworden. 850 Fans mussten umgesetzt werden, 400 blieben ohne Platz und durften stehend in Logen das Spiel verfolgen. Als Entschädigung gab es das Dreifache des Ticketpreises von der Liga. Obendrein war auch noch der Rekord futsch, es fehlten bei einer Zuschauerzahl von 103.219 letztlich 766 zum Finale von 1980.
Große Panne Nummer zwei: Beim Singen des "Star Spangled Banner" hatte Weltstar Christina Aguilera einen Aussetzer und verpatzte den Text der Nationalhymne komplett. Doch auf die misslungene Ouvertüre folgte ein großes Finale.
Im Zentrum des Interesses standen dabei die beiden Quarterbacks: Pittsburghs Ben Roethlisberger und Final-Neuling Aaron Rodgers von den Green Bay Packers. Der setzte gleich von Anfang an Akzente. Nach erstem Abtasten der stabilen Abwehrreihen warf Rodgers 3:51 Minuten vor Schluss des ersten Quarters einen präzisen 29-Yard-Pass auf Wide Receiver Jordy Nelson zur 7:0-Führung der Packers.
Ein paar Sekunden später hatte dann "Big Ben" Roethlisberger seinen ersten großen Auftritt - und der ging gründlich daneben. Ein Fehlpass wurde von Green Bays Nick Collins abgefangen und führte zum 14:0 der Packers.
Im zweiten Viertel fing sich Roethlisberger zunächst etwas. Die Steelers schafften ein Fieldgoal, doch ein weiterer Fehlwurf sorgte für den erneuten Ballverlust. In der Folge war es wieder Rodgers, der mit seinem 21-Yard-Wurf auf Greg Jennings einen weiteren Packers-Touchdown einleitete. Immerhin konnte Pittsburgh nach einem gelungenen Pass Roethlisbergers auf 10:21 verkürzen.
Nach der Pause kam Pittsburgh mit Dampf aus der Kabine, setzte Green Bay ordentlich zu und verkürzte zur Mitte des Viertels auf 17:21. Doch immer, wenn die Packers wankten, strauchelte Roethlisberger: Ein weiterer Fehlpass zwang Pittsburgh zu einem Fieldgoal-Versuch aus großer Distanz, der aber scheiterte. Ein erneuter Ballverlust zu Beginn des Schlussviertels führte zur zwischenzeitlichen 28:17-Führung der Packers. Wieder hatte Rodgers den entscheidenden Pass geworfen.
Das Roethlisberger-Roulette ging weiter: Zunächst warf er 25 Yards auf Wide Receiver Mike Wallace, um dann auch noch eine "Two Point Conversion", eine Art Mini-Touchdown, erfolgreich einzuleiten und so sein Team nochmals auf 25:28 heranzubringen. Green Bay spielte nun kontrollierte Offensive, traf noch zu einem Fieldgoal - und konnte erneut auf Roethlisberger setzen, der zur tragischen Figur des Abends wurde. Dessen letzter Fehlwurf besiegelte die 25:31-Niederlage.
Nach Ausflüchten suchte Roethlisberger aber gar nicht erst. "Ich habe heute eine Menge Leute im Stich gelassen", zeigte der Quarterback Größe. Strahlender Star des Abends war Rodgers, der nun endgültig aus dem Schatten des legendären Packers-Quarterbacks Brett Favre herausgetreten ist.
Er wurde zum besten Spieler gewählt - und fand auch gleich die richtigen, nämlich große Worte: "Die Lombardi-Trophäe heißt nicht ohne Grund so - wir wohnen schließlich in Title Town. Wir haben die besten Fans und ich kann es kaum erwarten, ihnen die Lombardi-Trophäe nach Hause zu bringen."
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