Tour-Sprinter Greipel: Der Gorilla träumt vom Hattrick

Er ist der Gewinner der vergangenen Tour-Tage: André Greipel hat bei der Frankreich-Rundfahrt zwei Etappen in Folge gewonnen. Dabei hängte der Sprinter auch Top-Star Mark Cavendish ab. Nun winkt sogar das Grüne Trikot.

99. Tour de France: Greipel im Sprint nicht zu schlagen Fotos
REUTERS

Hamburg - Nur 24 Stunden reichten André Greipel um seine bisherige Ausbeute von Etappensiegen bei der Tour der France um 100 Prozent zu steigern. Einen Tag nachdem der "Gorilla", wie Greipel auch genannt wird, in Rouen triumphierte, siegte der 29-Jährige auch in Saint-Quentin und feierte in beeindruckender Weise seinen zweiten Erfolg in Serie und seinen dritten Etappensieg insgesamt bei der Tour.

Greipel gewann die fünfte Etappe nach 196,5 Kilometer im Zielsprint vor Matthew Goss aus Australien und dem Argentinier Juan José Haedo. Im Ziel lagen sich später alle Fahrer von Greipels Lotto-Mannschaft in den Armen. "Ein verrücktes Rennen. Ich glaube, dass war einer der härtesten Sprints die ich jemals gefahren bin", sagte Greipel nach der Zieldurchfahrt.

Erneut bewies der Deutsche damit, dass er im Massensprint zurzeit mit den Top-Stars mithalten - und sie sogar besiegen kann. "Wenn ich auf dem Rad bleibe, geht der Sieg nur über mich", sagte Greipel. Auch sein ehemaliger Teamkollege Mark Cavendish, der am Vortag wegen eines Sturzes nicht direkt in die Entscheidung eingreifen konnte, hatte im direkten Duell keine Chance. Der Brite wurde am Ende nur Fünfter.

Cavendish war zwar bis kurz vor dem Ziel an Greipels Hinterrad, konnte es aber nicht halten. Gehandicapt sei der Brite nach dem Sturz am Tag zuvor nicht gewesen, hieß es aus Teamkreisen. Für Greipel war der Sieg gegen seinen Erzrivalen eine Genugtuung: "Ich weiß nicht, warum jeder glaubt, ich kann ihn nicht schlagen. Ich habe ihn im letzten Jahr besiegt und auch danach noch mehrmals." Auf der zweiten Etappe hatte Cavendish noch die Nase vorn.

"Etappensiege haben Priorität"

Dass Greipel auf dem fünften Teilstück überhaupt in die Nähe eines Etappensieges kommen würde, war lange Zeit unsicher. Die Top-Teams hatten sich bei der Jagd nach einer vierköpfigen Außreißergruppe zunächst zurückgehalten. Erst 200 Meter vor der Ziellinie wurde der letzte Fahrer der Gruppe gestellt. Greipels Lotto-Mannschaft hatte Maßarbeit geleistet.

Doch ein erneuter Massensturz 3000 Meter vor dem Ziel hätte Greipel beinahe noch um seinen zweiten Triumph bei der 99. Tour gebracht. "Ich war hinter den gestürzten Fahrern. Greg Hendersen hat auf mich gewartet und mich mit dem Team an die Spitze gebracht", so Greipel.

So erwischte es erneut andere, unter anderem den slowakischen Jungstar Peter Sagan, der bei dieser Tour bereits zwei Etappen gewonnen hatte. Trotz des Sturzes konnte Sagan das Grüne Trikot verteidigen. Der Slowake führt die Sprintwertung mit 155 Punkten vor Matt Goss (137 Punkte) an. Greipel liegt mit 132 Punkten auf dem dritten Rang. Ein Tagessieg bringt 45 Punkte. Damit könnte das Trikot schon am Freitag den Besitzer wechseln. Doch Greipel will davon noch nichts wissen. "Etappensiege haben bei uns Priorität", so der Deutsche.

Die nächste Gelegenheit dürfte sich schon am Freitag (Start 12.15 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf der sechsten Etappe bieten. Diese führt mit nur einer Bergwertung der vierten Kategorie von Épenray über 207,5 km nach Metz. Die 700 Meter lange Zielgerade dürfte Greipel entgegenkommen. Der "Gorilla" hat den Hattrick im Blick.

rei/dpa/sid

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Forum - Die Tour de France - wer macht 2012 das Rennen?
insgesamt 406 Beiträge
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1. Vorfreude
spon-facebook-10000298787 30.06.2012
Ich freue mich schon riesieg auf die Tour. Aber ihr habt leider einige Favoriten außen vorgelassen wie z.B Samuel Sanchez, Robert Gesink oder Ivan Basso
2. Tour der Pharmazie
hahewo 30.06.2012
Diese Tour kann nur der gewinnen, der den besten Vertrag mit der Pharmaindustrie und deren Logistik hat. Das diesem Dopingspektakel immer noch soviel Raum in den Medien gegeben wird, ist schon verwunderlich.
3. Zu einer Rummelveranstaltung verkommen
Pollowitzer 30.06.2012
Dieser Sport ist leider schon lange nicht mehr ernst zu nehmen und er ist unglaubwürdig wie Rummelboxen - Wenn man sich das Alter einiger deutscher Teilnehmer ansieht dann geht automatisch die Dopingwarnlampe an - die pedalierenden Velogreise kommen doch ohne entsprechende Hilfsmittel weder über die Berge noch nach Paris. Die Aufmerksamkeit der Presse haben die nicht verdient - Ich glaube es wird garnichtmehr ernsthaft der Gebrauch von Doping kontrolliert - Brot und Spiele auf unterstem Niveau - leider!!!
4. Zustimmung
Ostwestfale 30.06.2012
Zitat von spon-facebook-10000298787Ich freue mich schon riesieg auf die Tour. Aber ihr habt leider einige Favoriten außen vorgelassen wie z.B Samuel Sanchez, Robert Gesink oder Ivan Basso
Ich freue mich auch, die drei Genannten zähle ich allerdings nicht zu den Favoriten, da diese Tour recht zeitfahrlastig ist und da sind Wiggins und Evans einfach zu stark, als dass ein Basso oder Sanchez das in den Bergen kompensieren könnte.Ich könnte mir deshalb sogar vorstellen, dass Klöden aufs Podium fährt. Wer die letzte Tour verfolgt hat, dem werden auch die tollen Entwicklungen nicht entgangen sein. Die Fahrer fahren endlich wieder wie "Menschen". Jeder Topfahrer hatte bei der letzten Tour einen schwachen Tag, was in einer dreiwöchigen Rundfahrt normal ist. Die Maximalwattzahlen, die die Fahrer in den Anstiegen treten sind stark zurückgegangen.Dass Jean-Christophe Peraud, Tourzehnter des vergangenen Jahres absolut sauber war gilt als ziemlich warscheinlich. Sein Blutbild war während der gesamten Tour öffentlich zugänglich und es gab keinerlei Auffälligkeiten.Aber so was ist natürlich keine Schlagzeile wert, denn Deutschland war noch nie ein Radsport-Land. Auch nicht zu Ullrichs Zeiten.Hier hat man sich noch nie für Details des interessiert. Völlig absurd finde ich, wenn in der Zusammenhang mit der Tour davon gesprochen sind, die Leistungen wören "übermenschlich" oder sonstwas. So nach dem Motto: Alles was ich nicht kann, kann auch kein Anderer. Da hat ein quasi nie im Training kontrollierter Usain Bolt nur 100 Meter läuft. Das kann ja jeder...
5.
LuisCortez 30.06.2012
Zitat von hahewoDiese Tour kann nur der gewinnen, der den besten Vertrag mit der Pharmaindustrie und deren Logistik hat. Das diesem Dopingspektakel immer noch soviel Raum in den Medien gegeben wird, ist schon verwunderlich.
So ist es. Sie haben die Situation erkannt. Ich als ehemaliger Roche Mitarbeiter kann bestätigen dass Roche um die 70 Mitarbeiter beschäftigt die sich um die besten Verträge und Logistik mit den "Sportlern" kümmert. Interessanterweise handelt es sich bei den Kunden nur um Radsportler. Was für ein Blödsinn!
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Jahr Sieger Land
2014 Vincenzo Nibali Italien
2013 Chris Froome Großbritannien
2012 Bradley Wiggins Großbritannien
2011 Cadel Evans Australien
2010 Andy Schleck Luxemburg
2009 Alberto Contador Spanien
2008 Carlos Sastre Spanien
2007 Alberto Contador Spanien
2006 Óscar Pereiro Spanien
2005 Lance Armstrong* USA
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2000 Lance Armstrong * USA
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