Grenke Chess Classics Generalprobe für die Schach-WM

Nur wenige Tage nach dem Berliner Schach-Kandidatenturnier trifft Sieger und WM-Herausforderer Fabiano Caruana bei den Grenke Chess Classics auf Weltmeister Magnus Carlsen. Das Turnier könnte als Test für die WM gelten.

Magnus Carlsen und Fabiano Caruana bei den Grenke Chess Classics 2017
Georgios Souleidis

Magnus Carlsen und Fabiano Caruana bei den Grenke Chess Classics 2017

Von André Schulz


Keine Pause gibt es derzeit für alle Schachinteressierten. Und auch nicht für Fabiano Caruana. Gerade in Berlin zum Herausforderer von Schach-Weltmeister Magnus Carlsen gekürt, reist der 25-jährige US-Amerikaner weiter zum Schachturnier "Grenke Chess Classics", das am Samstag in Karlsruhe beginnt.

Dort wird er auf den Star des Turniers, Magnus Carlsen, treffen. Neben dem Weltmeister und Caruana gehen drei weitere Spieler der Top Ten an den Start: Lewon Aronjan, Maxime Vachier-Lagrave und Viswanathan Anand. Mit Arkadij Naiditsch, Georg Meier und Matthias Blübaum kommen drei deutsche Spieler hinzu. Arkadij Naiditsch war die deutsche Nummer eins, wechselte dann aber im Streit mit dem Deutschen Schachbund in den Verband von Aserbaidschan. Georg Meier und Matthias Blübaum gehören dem aktuellen Nationalkader des Deutschen Schachbundes an. Als neunte Spielerin wurde Hou Yifan eingeladen, derzeit mit großem Abstand, die beste Frau der Welt im Schach. Das Feld wird durch Nikita Witjugow komplettiert.

Kombination von Classics und offenem Turnier

Die diesjährigen Grenke Chess Classics werden zum zweiten Mal zusammen mit einem offenen Turnier, der "Grenke Chess Open", ausgetragen. Mit über 1500 Teilnehmern ist es das größte Open Europas und zieht zudem zahlreiche Profis an: Über 60 Großmeister sind diesmal mit dabei. Gespielt wird in drei Klassen, aufgeteilt nach Spielstärke. Der Sieger des Opens erhält die Möglichkeit, am kommenden Großmeisterturnier teilzunehmen.

Der russische Großmeister, Nummer 23 der aktuellen Weltrangliste, qualifizierte sich mit seinem Sieg beim letztjährigen Grenke Chess Open so für den Start bei den diesjährigen Grenke Chess Classics. Insgesamt sind aktuell erstmals zehn Großmeister bei dem Turnier dabei.

Bisher trugen sich Anand, Naiditsch, Carlsen und Aronjan in die Siegerliste ein. Spannend wird, ob Carlsen bei seiner dritten Teilnahme das Turnier erstmals so dominieren wird, wie man es vom Weltmeister erwarten würde. In den letzten beiden Auflagen gelang dem Norweger dies nicht: 2016 musste er sich den Turniersieg mit Arkadij Naiditsch teilen, der ihn zudem besiegen konnte. Im letzten Jahr glänzte Levon Aronjan und distanzierte Carlsen um 1,5 Punkte.

Wird Carlsen seiner Favoritenrolle gerecht?

Die Chancen für den Norweger stehen in diesen Jahr allerdings gut: Aronjan und Caruana reisen beide direkt vom Berliner Kandidatenturnier an und werden etwas überspielt sein. Georg Meier kommt von der Europameisterschaft in Batumi, Georgien, zurück. Anand, Witjugow und Naiditsch sind allerdings frisch und ernsthafte Konkurrenten für den Weltmeister. Matthias Blübaum, der sich zur Zeit auf seine Studium konzentriert, werden nur Außenseiterchancen eingeräumt. Für Georg Meier und Hou Yifan gilt das gleiche. Im letzten Jahr führte die mehrfache Weltmeisterin das Turnier allerdings eine Zeit lang überraschend an, nachdem sie unter anderem Fabiano Caruana besiegt hatte.

Carlsen und Caruana proben das WM-Duell

Von besonderem Interesse ist das Aufeinandertreffen von Magnus Carlsen und Fabiano Caruana, eine Art Generalprobe für den kommenden WM-Kampf im November. Als Sergey Karjakin 2016 Herausforderer wurde, zog er seine zuvor schon gegebene Zusage zum kurz darauf stattfindenden Norway Chess Turnier wieder zurück und wich damit einem vorzeitigen Duell mit Carlsen aus. Von Fabiano Caruana ist eine solche Reaktion kaum zu erwarten. Sein Sekundant und Trainer Rustam Kasimdjanow hat sich jedenfalls für das Grenke Chess Open angemeldet.

Die ersten drei Runden des Großmeisterturniers (1. Runde am Ostersamstag ab 15 Uhr) werden zusammen mit den Teilnehmern des Grenke Chess Opens in Karlsruhe stattfinden. Die übrigen Runden werden am angestammten Platz, im Kulturhaus LA8 in Baden-Baden ausgetragen. Das Turnier findet vom 31. März bis zum 9. April statt. Die Spielpaarungen stehen noch nicht fest.



insgesamt 2 Beiträge
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Berlin142 29.03.2018
1. Ein Test für die WM ist das wohl eher nicht
Caruana kommt von dem kräftezehrenden Turnier aus Berlin, Carlson ist ausgeruht. Zudem beginnt die Vorbereitung Caruanas für die WM sicher erst in einigen Wochen. Und der Mann ist extrem fleißig, hat mit Rustam Kasimdshanov sicher auch den besten Sekundanten der Welt. Das Turnier in Baden sollte man deshalb nicht überbewerten, zumal z.B. auch ein MVL sicher ein Wort bei der Frage nach dem Turniersieger mitreden wird. Mag sein, dass Caruana nicht einmal unter die ersten 3 kommt (was ich nicht recht glaube), entschuldbar wäre das allemal. JT
lesheinen 31.03.2018
2.
Ich habe alle Partien des Qualifikationsturniers mehrmals nachgespielt.Laienhaft natürlich, aber mit 37 Jahren Schachcluberfahrung im Rücken. Im Moment kann ich Schach nicht mehr sehen. Das ist wie jeden Tag Erbsensuppe essen. Wenn nun Caruana die Leistungsschraube zurückdreht, kann ich das gut verstehen. Nicht nur, dass nach einer solchen Anspannung alle Last von ihm abfällt und die Konzentration nachkässt, sondern auch, dass er sicherlich bis November jedes Turnier als Nebensache ansehen wird. Was nutzt ihm, in den nächsten Monaten alle an die Wand zu spielen und bei der WM einzubrechen? Dann lieber wie Bent Larsen vor 60 Jahren: bei einem Turnier sechs Partien verlieren und das nächste gewinnen!
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