Groß-Absage Leipzigs Olympia-Bewerbung in der Krise

Neuer Rückschlag für die deutsche Olympia-Bewerbung: Schwimm-Olympiasieger Michael Groß hat auf die Geschäftsführung der Leipzig 2012 GmbH verzichtet. Der bisherige Geschäftsführer Dirk Thärichen steht wegen Stasi-Vorwürfen vor der Entlassung.


Absage: Michael Groß kommt nicht nach Leipzig
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Absage: Michael Groß kommt nicht nach Leipzig

Leipzig - Vier Tage vor der Aufsichtsratssitzung in Düsseldorf, auf der seine Einstellung besiegelt werden sollte, teilte Groß, 39, schriftlich mit, "nicht für eine leitende Funktion im Bewerbungskomitee zur Verfügung zu stehen". Groß war zuletzt wegen angeblicher Gehaltsforderungen in Höhe von 300.000 Euro in die Kritik geraten. "Für mich ist nicht absehbar, ein der Herausforderung entsprechendes Mandat zu erhalten", erklärte er.

Zum gleichen Zeitpunkt einigten sich die Spitzenvertreter der Olympia-Bewerbung bei einem Treffen mit Bundesinnenminister Otto Schily in Berlin darauf, dem Aufsichtsrat die Entlassung Thärichens zu empfehlen. Die Geschäfte der Gesellschaft soll bis auf weiteres der bisher vor allem für Marketing verantwortliche Mike de Vries führen. Der 33-jährige Thärichen lässt derzeit wegen der von ihm als "Rufmordkampagne" bezeichneten Vorwürfe sein Amt ruhen und will sich mit seinem Rechtsbeistand Lothar de Maizière zur Wehr setzen.

Die Trennung von Thärichen hatte Leipzigs Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee am Vorabend bei einer Diskussionsrunde im MDR-Fernsehen angekündigt und dabei zugegeben, dass die Bewerbung um die Olympischen Spiele 2012 zurzeit in einer Krise steckt. Da die Zeit in Deutschland nicht reif sei für eine unaufgeregte Diskussion über die Vergangenheit Thärichens, werde dies wohl dazu führen, dass er seine Arbeit nicht fortführen könne, hatte Tiefensee angekündigt.

"Ich bin der Frontmann der Bewerbung. Und ein Frontmann hat das große Glück, die guten Nachrichten zu verkaufen, dafür im Scheinwerferlicht zu stehen. Aber er muss auch gerade stehen dafür, wenn es einmal nicht so gut läuft. Und wir haben im Moment, was die Geschäftsführung angeht, eine schwierige Phase", gestand der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende.

Der Rückzug von Michael Groß kam überraschend. Allerdings hatte Sachsens Olympia-Staatssekretär Wolfram Köhler schon Bedenken gegen die Einstellung des früheren Schwimm-Stars als Geschäftsführer angemeldet. "Ich war etwas überrascht von dieser Personalie. Die war mit mir so nicht durchgesprochen. Wichtig ist natürlich, wie weit kann er sich integrieren hier in diese Stadt. Wer diese Stadt nach vorne bringen will, der muss das mit sehr viel Feingefühl machen. Darauf brauche ich Antworten. Und natürlich ist da auch die Frage, kann man ihn bezahlen?", so Köhler.

Der ehemalige Oberbürgermeister von Riesa, zugleich Mitglied des Aufsichtsrates, ist nun ungewollt selbst zum Kandidaten für die Geschäftsführung der Olympia-GmbH geworden. "Grundsätzlich habe ich mich schon einmal dagegen entschieden und ich denke, das wird auch so bleiben", so Köhler. Er bezeichnete die Diskussion als "deplatziert". Tiefensee jedoch wollte eine solche Entscheidung nicht ausschließen: "Wer weiß, was alles noch wird in dieser Olympia-Bewerbung."



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