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Handball-WM 2015: ARD und ZDF verzichten auf Übertragung

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Handballnationalmannschaft: In Katar dabei, aber nicht bei ARD und ZDF

Spiele unter Ausschluss der deutschen Öffentlichkeit: ARD und ZDF haben die Verhandlungen über die TV-Rechte für die Handball-WM 2015 in Katar abgebrochen. Grund sind Differenzen über die Verschlüsselung der Satelliten.

Die deutsche Handballnationalmannschaft hatte sich sportlich nicht für die WM 2015 qualifizieren können, rutschte dann aber durch eine umstrittene Wildcard doch noch ins Teilnehmerfeld. Doch von den Partien des Teams bei der Weltmeisterschaft in Doha (15. Januar bis 1. Februar) bekommen die Fans im TV wenig zu sehen: ARD und ZDF werden die Spiele nicht übertragen. Das bestätigten hochrangige Funktionäre der Handballverbände auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Später erklärten auch die beiden Sendeanstalten die Verhandlungen für gescheitert.

"Das ist natürlich sehr enttäuschend, dass damit die gewünschte Verbreitung in Deutschland nicht erreicht wird", sagte Bernhard Bauer, der Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB). Und Hassan Moustafa, Präsident der Internationalen Handballföderation (IHF), sagte: "Das ist sehr schade, aber wir können es nicht ändern."

Für die deutsche Mannschaft ist es eine Premiere, erstmals werden ihre Partien nicht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt. Die Entscheidung der SportA, der Rechteagentur von ARD und ZDF, die deutschen Spiele nicht zu übertragen, trifft die Handballverbände hart. Sowohl DHB wie auch die IHF hatten zuletzt oft betont, wie wichtig Ihnen das TV-Fenster bei den Öffentlichen-Rechtlichen sei.

Seit Wochen hatte es ein Gezerre um die TV-Rechte gegeben. Streitpunkt zwischen dem Rechteinhaber BeIn Sports, dem Sportableger des federführenden Senders Al Jazeera, und der SportA waren nach Informationen von SPIEGEL ONLINE nicht die Kosten für die Übertragung. Vielmehr scheiterte der Deal an der Frage, ob die Satelliten, die ARD und ZDF nutzen, unverschlüsselt senden dürfen oder nicht. BeIn Sports wollte die Bilder verschlüsseln lassen. Die SportA hatte angeboten, einen der zwei genutzten Satelliten verschlüsseln zu lassen.

"Es ist sehr enttäuschend"

BeIn Sports hatte die TV-Rechte für die Weltmeisterschaften der Jahre 2014 bis 2017 für die Rekordsumme von 100 Millionen Schweizer Franken (rund 81 Mio. Euro) im Frühjahr von der IHF erworben. "Das ist einerseits schön, wenn der Handball damit viel Geld verdient", kritisierte Bauer. "Aber es ist sehr enttäuschend, wenn dadurch wichtige Bereiche im Fernsehen nicht abgedeckt werden."

Der Weltverband IHF hatte in den vergangenen Wochen als Vermittler zu schlichten versucht. "Wir haben wirklich schwer für ARD und ZDF gekämpft", sagte ein hochrangiger IHF-Mitarbeiter. Zuletzt hatte sich IHF-Präsident Hassan Moustafa noch einmal mit Nasser Al-Khelaifi, dem Chef des Sportsenders, zu Verhandlungen getroffen - ohne Erfolg.

Der geplatzte Deal hinterlässt viele Verlierer. Die IHF wird geringere TV-Ratings beklagen, da Deutschland der wichtigste Handballmarkt ist. Der DHB wird beschädigt, weil seine Sponsoren weniger im Fernsehen gezeigt werden. ARD und ZDF verzichten auf gute Quoten in der fußballarmen Zeit - als die deutsche Mannschaft vor zwei Jahren ins WM-Viertelfinale vorstieß, schalteten zu Spitzenzeiten 9,59 Millionen Zuschauer zu.

Und auch BeIn Sports wird, wenn es die Rechte nun an einen der verbleibenden Sender verkauft, deutlich weniger erlösen. Eigentlich kommen dafür noch der Spartensender Sport1 und der Pay-TV-Sender Sky, der seit dem Herbst die Handball-Champions League überträgt, in Frage. Beide Sender können die Rechte nun vermutlich für einen Bruchteil des SportA-Gebots, das bei rund zwei Millionen Euro gelegen haben dürfte, erwerben.

Damit setzen sich die Negativschlagzeilen im Vorfeld der WM 2015 fort. Bereits die Vergabe der Wildcard an den DHB im Juli 2014 war stark kritisiert worden. Und auch die Entscheidung der IHF, Saudi-Arabien und Island als Nachrücker für die boykottierenden Verbände Bahrain und die Vereinigten Arabische Emirate zu bestimmen, stieß auf viel Empörung.

DHB-Präsident Bauer indes hofft noch auf eine Kehrtwendung bei der SportA. "Ich hoffe, dass das noch nicht das Ende der Verhandlungen ist."

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insgesamt 46 Beiträge
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1. Deutsche Sprache, schwere Sprache
Feuerfuchs 02.12.2014
"Sowohl DHB wie auch die IHF hatten zuletzt oft betont, wie wichtig Ihnen das TV-Fenster bei den Öffentlichen-Rechtlichen sei." Das ist falsch. Wie wichtig mir das ist, haben DHB und IHF nicht betont. Es gibt einen Unterschied zwischen "Ihnen" und "ihnen", auch wenn das die Generation Smartphone nicht mehr gelernt hat, ebenso wenig wie den Unterschied zwischen "das" und "dass". Aber Qualität muss man bei SpOn schon lange nicht mehr erwarten.
2. Fantastisch, netter Vorgeschmack auf die Fussball-WM !
Alfred Ahrens 02.12.2014
Blatter ohne Werbeeinnahmen ist wie Hirschjagd mit Akkordeon ! Einfach super !
3. Traurig
J&D 02.12.2014
Ich finde es schade, dass so eine Alternative neben dem Fußball nicht im öffentlichen TV gezeigt wird. Handball ist ja sowieso schon abgeschlagen gegenüber dem medienpräsenten Fußball.
4.
triqua 02.12.2014
Dann wird ja mangels Geld die WM ausfallen ...
5.
teekesselchen 02.12.2014
---Zitat--- Beide Sender können die Rechte nun vermutlich für einen Bruchteil des SportA-Gebots, das bei rund zwei Millionen Euro gelegen haben dürfte, erwerben. ---Zitatende--- Ist das nen Fehler im Artikel, oder ist das tatsächlich so günstig? 2 Millionen für die ganze Handball WM? Oder pro Partie?
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Handball-Deutschland

Hallenhandball-Weltmeister der Männer
Jahr Team
2015 Frankreich (25:22 gegen Katar)
2013 Spanien (31:19 gegen Dänemark)
2011 Frankreich (37:35 n.V. gegen Dänemark)
2009 Frankreich (24:19 gegen Kroatien)
2007 Deutschland (29:24 gegen Polen)
2005 Spanien (40:34 gegen Kroatien)
2003 Kroatien (34:31 gegen Deutschland)
2001 Frankreich (28:25 n.V. gegen Schweden)
1999 Schweden (25:24 gegen Russland)
1997 Russland (23:21 gegen Schweden)
1995 Frankreich (23:19 gegen Kroatien)
1993 Russland (28:19 gegen Frankreich)
1990 Schweden (27:23 gegen die UdSSR)
1986 Jugoslawien (24:22 gegen Ungarn)
1982 UdSSR (30:27 n.V. gegen Jugoslawien)
1978 Deutschland (20:19 gegen die UdSSR)
1974 Rumänien (14:12 gegen die DDR)
1970 Rumänien (13:12 n.V. gegen die DDR)
1967 CSSR (14:11 gegen Dänemark)
1964 Rumänien (25:22 gegen Schweden)
1961 Rumänien (9:8 n.V. gegen die CSSR)
1958 Schweden (22:12 gegen die CSSR)
1954 Schweden (17:14 gegen Ges.-Deutschland)

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