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13. Januar 2013, 14:42 Uhr

Handball

Brand empört über DHB-Machtkampf

Aus Granollers berichtet

Bob Hanning will Vizepräsident des Deutschen Handballbundes werden, Alfred Gislason bringt sich als Bundestrainer ins Gespräch und sogar Uwe Schwenker werden Ambitionen beim DHB nachgesagt. Reichlich verärgert über die Personaldebatte ist Heiner Brand, dem andere Lösungen vorschweben.

Unmöglich, grummelte Heiner Brand. Grund für Brands schlechte Laune sind die Schlagzeilen, dass Bob Hanning, Manager der Füchse Berlin, im September als Vizepräsident Leistungssport im Deutschen Handballbund (DHB) kandidieren will. Diesen Wunsch hat der ehemalige Trainer des HSV Handball in diesen WM-Tagen geschickt multimedial platziert. Die ARD widmete ihrem eigenen Experten gar einen fragwürdigen Imagefilm in der Halbzeitpause des Auftaktspiels der DHB-Auswahl gegen Brasilien (33:23).

Hannings Kampagne passt dem DHB-Sportdirektor Brand sichtlich nicht in den Kram. "Für solche Personaldiskussionen besteht derzeit gar kein Bedarf", sagt Brand: "Das zeugt von mangelndem Respekt vor der Nationalmannschaft." Um dieses Team, das am Sonntag gegen Afrikameister Tunesien die erste echte Bewährungsprobe zu bestehen hat (17.20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), solle es doch eigentlich gehen bei der WM in Spanien.

Am allermeisten ärgert Brand, dass schon vor dem ersten Spiel die Personalie des aktuellen Bundestrainers Martin Heuberger in Mitleidenschaft geraten ist. "Es ist völlig unnötig, wenn der Name Alfred Gislason vor so einem Turnier auftaucht", sagt Brand. So etwas sei nicht der angemessene Umgang mit Heuberger. Der Trainer des Rekordmeisters THW Kiel hatte den "Kieler Nachrichten" gesagt, für ihn sei die DHB-Auswahl die "interessanteste Nationalmannschaft" von allen.

Brand glaubt nicht an eine Schwenker-Kandidatur

Brand verurteilt die Personaldebatte auch deshalb, weil die künftige Struktur des personell stärksten Handball-Verbandes der Welt (rund 850.000 Mitglieder) noch gar nicht fixiert ist. "Darüber beraten die Landesverbände ja erst am 25. Januar auf einer Sitzung", sagt Brand. Erst dann ist klar, ob es womöglich gar einen hauptamtlich tätigen Präsidenten gibt oder die Geschäftsstelle durch eine Art Generaldirektor aufgewertet wird. Ein Knackpunkt ist die Finanzierung. Die Liga und einige Landesverbände haben indes signalisiert, dem klammen DHB sechsstellige Beträge als Darlehen für einen Neustart zu gewähren.

Was wird dann aus Brand, dessen gut dotierter Vertrag bis 2015 läuft? Er selbst hatte nach einer Sitzung des Erweiterten Präsidiums des DHB erklärt, nicht als Nachfolger für Präsident Ulrich Strombach zur Verfügung zu stehen. "Ich sehe da andere Lösungen vor Augen", sagt er nun im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Für den Delegationschef des DHB-Teams in Spanien, Horst Bredemeier, ist Brand dennoch weiterhin "die Ideallösung". Der Kandidat der Landesverbände, Andreas Michelmann, Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen-Anhalt, verfügt laut Bredemeier nicht über das nötige Format für dieses Amt. "Ich sehe für die Nachfolge Strombachs aus dem Erweiterten Präsidium eigentlich keinen geeigneten Kandidaten, der international Einfluss nehmen könnte. Da wird noch einiges diskutiert werden müssen."

Und dass Uwe Schwenker, der Ex-Manager des THW Kiel, dessen Prozess im Rahmen des Manipulationsskandals vor dem Ende steht, als DHB-Präsidentschaftskandidat antreten könnte? Daran glaubt Brand auch nicht: "Das hat Uwe doch gegenüber DHB-Mitarbeitern bereits dementiert." Überhaupt hatte ihn diese Personalie ziemlich gewundert: "Das ist doch erstaunlich, dass da Personen ins Spiel kommen, die lange gegen den DHB gearbeitet haben." Und dennoch steht die Überlegung, dass Hanning als neuer starker Mann im DHB die nationalen Belange regelt, während der bestens vernetzte Schwenker auf internationaler Ebene die Interessen des deutschen Handballs vertritt, weiterhin im Raum. Zumal Hanning als begnadeter Netzwerker dafür bekannt ist, sich alle Optionen offen zu halten.

Medienfuchs Hanning genoss sichtlich das Interesse, das ihm in Granollers seitens der Medien entgegengebracht wurde. Wenn er auch nun als Heilsbringer gefeiert wird, so dürften die Kernprobleme des Handballs doch mit diesem Mann nicht plötzlich gelöst werden. Auf Fragen des internationalen Terminkalenders, der die Profis schlaucht und viele "Konzentrationsverletzungen" (DHB-Mannschaftsarzt Berthold Hallmaier) provoziert, nimmt der DHB etwa bislang keinerlei Einfluss. Darüber befinden der Weltverband IHF und der Europaverband EHF, und für diese Funktionäre in diese Organisationen ist der Name Hanning bislang keine Größe.

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