Handball: Brand empört über DHB-Machtkampf

Aus Granollers berichtet Erik Eggers

Bob Hanning will Vizepräsident des Deutschen Handballbundes werden, Alfred Gislason bringt sich als Bundestrainer ins Gespräch und sogar Uwe Schwenker werden Ambitionen beim DHB nachgesagt. Reichlich verärgert über die Personaldebatte ist Heiner Brand, dem andere Lösungen vorschweben.

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DHB-Sportdirektor Brand (Archiv): "Da wird noch einiges diskutiert werden müssen"

Unmöglich, grummelte Heiner Brand. Grund für Brands schlechte Laune sind die Schlagzeilen, dass Bob Hanning, Manager der Füchse Berlin, im September als Vizepräsident Leistungssport im Deutschen Handballbund (DHB) kandidieren will. Diesen Wunsch hat der ehemalige Trainer des HSV Handball in diesen WM-Tagen geschickt multimedial platziert. Die ARD widmete ihrem eigenen Experten gar einen fragwürdigen Imagefilm in der Halbzeitpause des Auftaktspiels der DHB-Auswahl gegen Brasilien (33:23).

Hannings Kampagne passt dem DHB-Sportdirektor Brand sichtlich nicht in den Kram. "Für solche Personaldiskussionen besteht derzeit gar kein Bedarf", sagt Brand: "Das zeugt von mangelndem Respekt vor der Nationalmannschaft." Um dieses Team, das am Sonntag gegen Afrikameister Tunesien die erste echte Bewährungsprobe zu bestehen hat (17.20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), solle es doch eigentlich gehen bei der WM in Spanien.

Am allermeisten ärgert Brand, dass schon vor dem ersten Spiel die Personalie des aktuellen Bundestrainers Martin Heuberger in Mitleidenschaft geraten ist. "Es ist völlig unnötig, wenn der Name Alfred Gislason vor so einem Turnier auftaucht", sagt Brand. So etwas sei nicht der angemessene Umgang mit Heuberger. Der Trainer des Rekordmeisters THW Kiel hatte den "Kieler Nachrichten" gesagt, für ihn sei die DHB-Auswahl die "interessanteste Nationalmannschaft" von allen.

Brand glaubt nicht an eine Schwenker-Kandidatur

Brand verurteilt die Personaldebatte auch deshalb, weil die künftige Struktur des personell stärksten Handball-Verbandes der Welt (rund 850.000 Mitglieder) noch gar nicht fixiert ist. "Darüber beraten die Landesverbände ja erst am 25. Januar auf einer Sitzung", sagt Brand. Erst dann ist klar, ob es womöglich gar einen hauptamtlich tätigen Präsidenten gibt oder die Geschäftsstelle durch eine Art Generaldirektor aufgewertet wird. Ein Knackpunkt ist die Finanzierung. Die Liga und einige Landesverbände haben indes signalisiert, dem klammen DHB sechsstellige Beträge als Darlehen für einen Neustart zu gewähren.

Was wird dann aus Brand, dessen gut dotierter Vertrag bis 2015 läuft? Er selbst hatte nach einer Sitzung des Erweiterten Präsidiums des DHB erklärt, nicht als Nachfolger für Präsident Ulrich Strombach zur Verfügung zu stehen. "Ich sehe da andere Lösungen vor Augen", sagt er nun im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Für den Delegationschef des DHB-Teams in Spanien, Horst Bredemeier, ist Brand dennoch weiterhin "die Ideallösung". Der Kandidat der Landesverbände, Andreas Michelmann, Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen-Anhalt, verfügt laut Bredemeier nicht über das nötige Format für dieses Amt. "Ich sehe für die Nachfolge Strombachs aus dem Erweiterten Präsidium eigentlich keinen geeigneten Kandidaten, der international Einfluss nehmen könnte. Da wird noch einiges diskutiert werden müssen."

Und dass Uwe Schwenker, der Ex-Manager des THW Kiel, dessen Prozess im Rahmen des Manipulationsskandals vor dem Ende steht, als DHB-Präsidentschaftskandidat antreten könnte? Daran glaubt Brand auch nicht: "Das hat Uwe doch gegenüber DHB-Mitarbeitern bereits dementiert." Überhaupt hatte ihn diese Personalie ziemlich gewundert: "Das ist doch erstaunlich, dass da Personen ins Spiel kommen, die lange gegen den DHB gearbeitet haben." Und dennoch steht die Überlegung, dass Hanning als neuer starker Mann im DHB die nationalen Belange regelt, während der bestens vernetzte Schwenker auf internationaler Ebene die Interessen des deutschen Handballs vertritt, weiterhin im Raum. Zumal Hanning als begnadeter Netzwerker dafür bekannt ist, sich alle Optionen offen zu halten.

Medienfuchs Hanning genoss sichtlich das Interesse, das ihm in Granollers seitens der Medien entgegengebracht wurde. Wenn er auch nun als Heilsbringer gefeiert wird, so dürften die Kernprobleme des Handballs doch mit diesem Mann nicht plötzlich gelöst werden. Auf Fragen des internationalen Terminkalenders, der die Profis schlaucht und viele "Konzentrationsverletzungen" (DHB-Mannschaftsarzt Berthold Hallmaier) provoziert, nimmt der DHB etwa bislang keinerlei Einfluss. Darüber befinden der Weltverband IHF und der Europaverband EHF, und für diese Funktionäre in diese Organisationen ist der Name Hanning bislang keine Größe.

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Gutes Turnier spielen
hejasverige 13.01.2013
Die beste Antwort um seine Person gibt Heuberger mit seiner jungen Truppe bei diesen Turnier selbst. Gestern, dass war schon ein zufriedenstellender Auftakt. Die verknöcherten Strukturen eines Verbandes aufzubrechen, da haben sich schon ganz andere die Zähne ausgebissen. Ohne das Wohlwollen Heiner Brandt's läuft sowieso gar nichts. Ob Hannings sich da einen Gefallen getan hat, zur Unzeit vorzupreschen?
2.
zappomat 13.01.2013
Bob Hanning wird genauso überschätzt wie Peer Steinbrück - große Visionen, aber kein Instinkt. Echte Kaliber sehen anders aus.
3. ARD & Handball !!!
Ramses1 13.01.2013
Der erwähnte Einspielfilm, der ja einem Bewerbungsvideo für Bob Hanning gleichkam, war wirklich völlig daneben. So was geht ja gar nicht, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender wie die ARD, bei dem das ganze Jahr über - außer der WM/EM - gar nichts über Handball zu sehen ist, sich dermaßen für einen (vorübergehenden) Angestellten positioniert und sich in verbandsinterne Themen einmischt. Mal unabhängig von der Person Bob Hanning, den ich für einen kompetenten Handballeexperten/-Trainer/-Manager halte. diese Kompetenz kann man beim restlichen ARD-Personal in Frage stellen, der Kommentar während des Spiels hat mich nicht wirklich überzeugt, der lag des öfteren ziemlich daneben...
4. Hannings
hejasverige 13.01.2013
Klar ist Hannings kompetent, aber wie immer geht's da auch um Macht. Den Grüßonkel macht Brandt nicht, dass hat er eben gesagt. Er hat Heuberger ins Amt gebracht, für den diese WM über seinen Posten entscheidet. Es stehen einige in der Warteschleife: Kretsche, Blacky, Baur, auch D. Stefan, H. Fritz alles gute Leute, die Verantwortung übernehmen könnten. Die Niederlage jetzt war vermeidbar.
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Handball-Nationalmannschaft: Der deutsche WM-Kader

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Handball-WM

Was schafft die deutsche Nationalmannschaft bei der Endrunde in Spanien?

DHB-Kader
Tor Silvio Heinevetter (Füchse Berlin), Carsten Lichtlein (TBV Lemgo)

Rückraum Mitte Michael Haaß (Frisch Auf Göppingen), Martin Strobel (TBV Lemgo)

Rückraum links Sven-Sören Christophersen (Füchse Berlin), Stefan Kneer (SC Magdeburg), Steffen Fäth (HSG Wetzlar)

Rückraum rechts Steffen Weinhold (SG Flensburg-Handewitt), Adrian Pfahl (VfL Gummersbach)

Linksaußen Dominik Klein (THW Kiel), Kevin Schmidt (HSG Wetzlar)

Rechtsaußen Patrick Groetzki (Rhein-Neckar Löwen), Tobias Reichmann (HSG Wetzlar)

Kreis Oliver Roggisch (Rhein-Neckar Löwen), Patrick Wiencek (THW Kiel), Christoph Theuerkauf (HBW Balingen-Weilstetten)

Die deutschen Gruppengegner
Brasilien
Die Handball-WM in Spanien ist für die junge brasilianische Mannschaft nur eine Durchgangsstation, das Ziel heißt Rio de Janeiro. Bei den Olympischen Spielen 2016 im eigenen Land wollen die Spieler mit ihrem spanischen Trainer Jordi Ribera für Furore sorgen. "Wir müssen den jungen Spielern die Chance auf internationale Erfahrungen einräumen - auch auf Kosten nicht so guter Ergebnisse", sagte Ribera vor dem Auftaktspiel gegen Deutschland. Bei den Panamerikanischen Spielen verlor die Mannschaft, die in Linksaußen Felipe Borges (Leon) und Rückraumspieler Thiagus Santos (Ciudad de Logrono) lediglich über zwei Legionäre verfügt, erst im Finale gegen Argentinien (21:22). - Bilanz gegen Deutschland: 7 Spiele, 7 Niederlagen. sid
Tunesien
Afrikameister Tunesien hat sich im Welthandball zu einer festen Größe entwickelt und nimmt in Spanien zum zehnten Mal in Folge an einer WM teil. Beste Platzierung war Platz vier bei der WM 2005 im eigenen Land. Nach dem Einzug ins Viertelfinale bei den Olympischen Spielen in London traten einige erfahrene Akteure zurück. Die Mannschaft des französischen Trainers Alain Portes befindet sich im Umbruch. Die Hoffnungen ruhen auf dem künftigen Kieler Rückraumspieler Wael Jallouz. - Bilanz gegen Deutschland: 9 Spiele, kein Sieg, ein Unentschieden, acht Niederlagen. sid
Montenegro
Einst im Handball kaum von Bedeutung, ist das Selbstvertrauen von Montenegro bei der WM groß. Nachdem das Team von Trainer Zoran Kastratovic in der Qualifikation im Sommer den späteren Olympiazweiten Schweden rausgeworfen hatte, landeten sie vor zwei Monaten den nächsten Coup: Der 31:27-Erfolg zum Auftakt der EM-Qualifikation gegen Deutschland markiert eine der schwärzesten Stunden der jüngeren deutschen Handball-Vergangenheit. "Wir haben der Welt gezeigt, dass auch Montenegro Handball spielen kann", sagte Kastratovic. Bei ihrer ersten WM-Teilnahme wollen die montenigrinischen Männer nun aus dem Schatten ihrer Landsfrauen treten, die im Dezember die EM gewannen und bei den Spielen von London Silber holten. - Bilanz gegen Deutschland: 3 Spiele, 1 Sieg, 2 Niederlagen. sid
Argentinien
Panamerikameister Argentinien will bei der Handball-WM an die starken Leistungen der letzten interkontinentalen Titelkämpfe anknüpfen. Vor zwei Jahren besiegten die Gauchos in der Vorrunde zunächst Gastgeber Schweden und zwangen die deutsche Mannschaft im Spiel um Platz elf danach zweimal sensationell in die Verlängerung. "Wir wollen das letzte WM-Ergebnis bestätigen und hoffen, die Gruppenphase zu überstehen", sagte Spielmacher Sebastian Simonet. Bei den Olympischen Spielen in London verpasste Argentinien das Viertelfinale knapp durch ein 23:25 im entscheidenden Spiel gegen Tunesien. Das Turnier beendeten die Südamerikaner auf dem zehnten Platz. - Bilanz gegen Deutschland: 2 Spiele, 2 Niederlagen. sid
Frankreich
Olympiasieger Frankreich kann bei der Handball-WM Geschichte schreiben und als erste Mannschaft überhaupt zum dritten Mal in Folge Weltmeister werden. "Wir sind niemals satt. Wir wissen, was wir schon gewonnen haben und was wir gewinnen können. Das stärkt das Selbstvertrauen", sagte Torhüter Thierry Omeyer vom deutschen Meister THW Kiel. Neben Omeyer zählen der Kieler Welthandballer Daniel Narcisse, Nikola Karabatic und Luc Abalo zu den Stars der Mannschaft von Trainer Claude Onesta. Allerdings sind auch die Franzosen nicht unschlagbar. Bei der EM 2012 in Serbien belegte Frankreich nur Platz elf. - Bilanz gegen Deutschland: 68 Spiele, 26 Siege, 7 Unentschieden, 35 Niederlagen. sid