Handball-Bundestrainer Prokop fühlt sich unmenschlich behandelt

Wie geht es mit Christian Prokop weiter? Das diskutiert aktuell der Deutsche Handball-Bund. Der Bundestrainer räumte nun eigene Fehler ein, eine Entlassung halte er dennoch für engstirnig und kurzsichtig.

Christian Prokop
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Christian Prokop


Handball-Bundestrainer Christian Prokop hat sich über den Umgang mit seiner Person nach dem glanzlosen Aus bei der Europameisterschaft beschwert. "Das Abschneiden lässt die Kritik zu. Aber was die letzten zehn Tage passiert ist, war nicht immer menschlich", sagte Prokop am Freitag im Rahmen des Allstar Games der Handball Bundesliga (HBL) bei Sky Sport News HD.

Nachdem die Nationalmannschaft bei der EM in Kroatien den Einzug ins Halbfinale verpasst hatte, war Prokops Zukunft als Bundestrainer öffentlich infrage gestellt worden. Es gab zahlreiche Berichte von internen Unstimmigkeiten zwischen Team und Trainer und zudem Kritik an taktischen Entscheidungen. Die vergangenen Tage seien nicht leicht gewesen, weil es "viele Halb- und Unwahrheiten" gegeben habe, sagte Prokop: "Mit Sicherheit sind die Gräben nicht so, wie es dargestellt wird."

Besonders aus der Liga war scharfe Kritik zu vernehmen. Vizepräsident Bob Hanning vom Deutschen Handballbund (DHB) hatte in der Folge eine ergebnisoffene Analyse über die nächsten vier bis sechs Wochen angekündigt. In einer Präsidiumssitzung des DHB rund um das Allstar Game wurde die Zukunft Prokops nun bereits diskutiert - ohne dass ein Trend bekannt wurde. "Ich hoffe nicht, dass aufgrund des medialen Drucks eine vorgefertigte Meinung in den Köpfen herrscht", sagte Prokop.

Für Prokop wäre seine Entlassung engstirnig und kurzsichtig

Der Trainer räumte unterdessen erstmals eigene Fehler ein. Dazu gehöre vor allem die Nichtnominierung von Abwehrchef Finn Lemke, die auch intern für große Aufregung gesorgt hatte. "Mit Sicherheit habe ich gerade die Charaktereigenschaften und die Stellung eines Finn Lemke in der Nationalmannschaft unterschätzt und im Vorfeld nicht bedacht", sagte Prokop.

Er selbst wünscht sich, die DHB-Auswahl auch zur Heim-WM 2019 zu führen. Das liege aber nicht mehr in seiner Hand. Prokop hat nach eigenen Angaben auf der Präsidiumssitzung noch einmal klargemacht, welche Schritte nötig seien, um die Mannschaft in der Weltspitze zu etablieren. Der Coach, der einen Vertrag bis 2022 besitzt, sagte: "Ich kann nur hoffen, dass es keine Engstirnigkeit und keine Kurzsichtigkeit gibt, sondern dass man mit Nachhaltigkeit eine Entscheidung treffen will."

Auch einige Spieler äußerten sich zu der Diskussion: "Es wurde auch viel fehlgedeutet", sagte Lemke: "Das ist alles noch so frisch. Da muss noch etwas Zeit ins Land gehen, bevor man da was sagen kann." Etwas deutlicher wurde Rückraumspieler Julius Kühn. "Es ist natürlich so, dass das Verhältnis ein bisschen angespannt ist, aber das wird sich schon wieder beruhigen", sagte der 24-Jährige: "Alles ist möglich über eine persönliche Aussprache. Jeder Mensch darf Fehler machen. Wir sind alle keine Maschinen oder Roboter."

aev/sid



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Seite 1
kraftmeier2000 03.02.2018
1. Wer sich so dermaßen
verrannt hat was die Auswahl an Spielern (z. B. Lemke) angeht, ist für meine Begriffe nicht tauglich für diesen Job. Dieser Trainer verfolgt ein Ziel, was eventuell mit diesen Spielern und Seinen Vorstellungen zum Handballspiel nicht überein passt, deshalb sollte Er freiwillig gehen. Und das ist nicht Engstirnig, sondern nötig, denn Seine Art spielen zu lassen, hat sich als unbrauchbar erwiesen, und das lag mit Sicherheit nicht an den Spielern.
Siebengestirn 03.02.2018
2. Bitte um eine sachliche Analyse
Die für mich entscheidende Frage ist die, warum so viele Leistungsträger der Mannschaft, bis hin zu Uwe Gensheimer, bei der EM so deutlich unter ihren normalen Möglichkeiten geblieben sind. Wenn der Trainer dafür die Hauptverantwortung übernehmen muss, ist er nicht für das Amt des Bundestrainers geeignet, obwohl er ganz sicher etwas vom modernen Handball versteht.
wetzer123 03.02.2018
3. Das sagt doch alles
"Mit Sicherheit habe ich gerade die Charaktereigenschaften und die Stellung eines Finn Lemke in der Nationalmannschaft unterschätzt und im Vorfeld nicht bedacht" Damit gesteht er doch selbst ein ungeeignet zu sein. Als Bundestrainer muss er den Spielern nicht Handball beibringen, das können die schön, sondern eine funktionierende Mannschaft zusammenstellen, dabei ist kaum etwas wichtiger als das Gefüge einer Mannschaft zu verstehen.
HelmutEck 03.02.2018
4. .......unmenschlich behandelt?
Jeder, der im Profi-Sport sein gutes Geld verdient, weiß um die prekären Arbeitsbedingungen in dieser Sparte. Nun wird die Arbeit eines Prokop wahrlich nicht so vergoldet, wie die eines Löw. Ungeachtet dessen musste er sich darüber bewusst sein, welches Erbe er antritt. Und er macht taktische Anfängerfehler: Er versucht, sein taktisches Konzept mit Spielern durchzudrücken, die noch nicht soweit sind, in der Hölle einer EM zu bestehen. Erfahrene und für die Mannschaft wichtige Spieler, schickt er nach Hause, um sie dann doch wider zu nominieren - allerdings zu spät. Dieses Verhalten mag entschuldbar sein, macht es aber deutlich, dass er auch in Zukunft wenig auf bewährte Muster zurückgreifen, sondern versuchen wird, sein Konzept durchzudrücken, das vielleicht an der einen oder anderen Stelle verbesserungswürdig erscheint. Somit für mich nicht der richtige Mann für die kommende WM.
sven2016 03.02.2018
5.
Trainerwechsel bei Misserfolgen haben selten die Ursachen unzulänglichen Mannschaftsspiels beseitigt. Einen "Neuanfang" gibt es im Teamsport kaum, es sei denn, man tauscht das halbe Team mit aus. Manchmal könnte es helfen, Konzepte zu ändern ohne das Personal abzustrafen.
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