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Deutsche Klubs in der Handball-Champions-League

Nur Außenseiter

Die deutsche Handball-Liga galt einst als beste der Welt. Galt! Vor dem Start der Königsklasse erklärt der Trainer der Rhein-Neckar Löwen die Bundesligisten für nicht konkurrenzfähig.

imago/Claus Bergmann

Löwen-Coach Nikolaj Jacobsen

Mittwoch, 12.09.2018   08:47 Uhr

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Die Champions League der Handballer startet in ihre neue Spielzeit. 28 Teams hoffen auf den Titel - und auf viel Geld. Insgesamt werden rund 3,5 Millionen Euro an Prämien ausgeschüttet, 635.000 Euro erhält der Sieger - der wahrscheinlich erneut nicht aus Deutschland kommen wird. Gegen die absolute Weltspitze sind die deutschen Erstligisten nicht mehr konkurrenzfähig, das sagt sogar Nikolaj Jacobsen, Trainer der Rhein-Neckar Löwen.

"Es ist kein Zufall, dass zuletzt zweimal in Folge keine deutsche Mannschaft beim Final Four war", sagte Jacobsen vor dem Heimspiel am Mittwoch (19.00 Uhr/TV: Sky) gegen den FC Barcelona dem "Mannheimer Morgen": "In dieser Saison sind Flensburg und wir auch nicht unbedingt die heißesten Anwärter darauf - und dann würde zum dritten Mal ein Bundesligist fehlen." Im vergangenen Jahr scheiterten die deutschen Klubs bereits im Achtel- (Löwen) bzw. im Viertelfinale (Flensburg und Kiel).

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Der bisher letzte Champions-League-Erfolg eines deutschen Klubs liegt vier Jahre zurück, 2014 siegte die SG Flensburg-Handewitt. In dieser Saison dürfen erstmals seit 15 Jahren nur noch zwei deutsche Vertreter teilnehmen, Meister Flensburg und Vizemeister Mannheim. Paris St. Germain gehört zum engsten Favoritenkreis. Titelverteidiger ist Montpellier, das im Finale im Juni den französischen Ligakonkurrenten Nantes besiegt hatte.

Frankreich dominiert den Vereinshandball. Woran das liegt? Deutschlands Nationaltrainer Christian Prokop sagt am "sehr guten Ausbildungskonzept" im Land des Weltmeisters. Für Uwe Gensheimer von PSG ist der entscheidende Vorteil gegenüber Deutschland die kleinere Liga mit 14 statt 18 Teams.

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"Wir haben in Frankreich im Sommer bis zu vier Wochen mehr Pause, spielen nicht mehr nach Weihnachten und haben dadurch mehr Möglichkeiten zu regenerieren", sagte der deutsche Nationalspieler der "Handballwoche" und ergänzte: "Das Ganze bei gleichem oder teilweise sogar höherem Gehalt." Gemeint ist: für mehr Geld, als Gensheimer in Deutschland verdienen könnte.

DPA

Uwe Gensheimer

Auch Löwen-Coach Jacobsen stellt fest, dass es Spitzenspieler in andere, kleinere Ligen zieht: zu Klubs wie Veszprém, Kielce, Barcelona oder eben Paris: "Dort bekommt man mehr Geld für weniger Strapazen." Zuletzt verließen Henrik Toft Hansen (Paris) sowie Kentin Mahé (Veszprém) die Flensburger Meistermannschaft in Richtung Ausland.

In Deutschland klagen die Profis schon länger über zu hohe Belastung. Zuletzt kollidierten die Termine der Bundesliga zudem mit der Champions League - so sehr, dass die Rhein-Neckar Löwen an zwei Wochenenden in Königsklasse und Liga antreten mussten.

Der Tiefpunkt ereignete sich am 24. März, als die Löwen mit einer Amateurauswahl im Achtelfinale beim polnischen Topklub Kielce angetreten waren, um am Abend mit den Profis das Bundesliga-Topspiel beim THW Kiel zu gewinnen. Der Plan ging nicht auf, die Ergebnisse: 17:41-Debakel in Kielce, 22:27-Pleite gegen den THW. Eine Wiederholung dürfte auch nicht im Interesse der deutschen Liga sein. Eine Verkleinerung der Liga ist aktuell aber nicht geplant.

jan/sid

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