Drohbrief und Anschläge DHB-Schiedsrichterwart wird seit Monaten terrorisiert

Zerstochene Reifen, Drohbrief, Brandanschlag: Unbekannte bedrohen Peter Rauchfuß, den Schiedsrichterwart des Deutschen Handballbundes. Sie fordern den Rücktritt des 69-Jährigen, Rauchfuß will aber standhaft bleiben.

DHB-Schiedsrichterwart Rauchfuß (Archivbild): "Fühle mich verängstigt"
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DHB-Schiedsrichterwart Rauchfuß (Archivbild): "Fühle mich verängstigt"


Hamburg - Der Schiedsrichterwart des Deutschen Handballbundes (DHB), Peter Rauchfuß, ist in den vergangenen Monaten mehrfach bedroht und terrorisiert worden. Unbekannte hatten in Halberstadt während Schiedsrichterlehrgängen Anschläge auf sein Auto verübt und einen Drohbrief hinterlassen. Damit sollte Rauchfuß zum Rücktritt gedrängt werden. Polizei und Staatsanwaltschaft haben die Ermittlungen aufgenommen.

"Ich fahre nicht mit Freude durch die Gegend. Ich fühle mich ein bisschen verängstigt und verunsichert, kann mich aber jetzt nicht in einem Loch vergraben", sagte Rauchfuß: "Ich habe mich für die Offensive entschieden, damit der oder die Täter dingfest gemacht werden."

Laut "Magdeburger Volksstimme" hatten im Januar Unbekannte die Reifen seines Autos zerstochen und einen Drohbrief an die Windschutzscheibe geklebt, der mit "Deine Schiedsrichter" unterzeichnet war. Am 13. Juli dann der vorläufige Höhepunkt: Vor einem Halberstädter Tagungshotel wurde Rauchfuß' Wagen angezündet, das Feuer hätte beinahe aufs Hotel übergriffen und Menschen bedroht. Rauchfuß wurde bereits von den Ermittlern angehört, Zeugen müssen noch vernommen werden.

Rauchfuß plädiert für mehr Rücksicht auf Schiedsrichter

"Man kann über alles sachlich diskutieren. Aber wenn andere wie bei dem Brandanschlag in Mitleidenschaft gezogen werden, ist das schäbig. Das kann ich nicht verzeihen", sagte Rauchfuß.

Angeblicher Hintergrund der Anschläge sind Vorwürfe, laut denen Rauchfuß als Ausbilder nicht objektiv gehandelt und Schiedsrichtertalente vergrätzt habe. "In meiner Funktion kann man nicht bloß Freunde haben. Es gibt immer einige, die mit Entscheidungen nicht einverstanden sind", sagte der 69-Jährige, der selbst 326 Länderspiele als Schiedsrichter geleitet hat. Eine Vermutung, wer hinter den Drohungen steckt, hat Rauchfuß allerdings nicht. "Ich kann das Warum nicht nachvollziehen. Aber der Zuspruch vom DHB und den vielen Schiedsrichtern bestärkt mich, weiter standhaft zu bleiben und weiterzuarbeiten."

Rauchfuß wird auch vorgeworfen, indirekt am Tod der Schiedsrichter-Zwillinge Bernd und Reiner Methe Schuld zu sein. Die Brüder waren am 11. November 2011 bei einem Autounfall auf dem Weg zum Bundesligaspiel der HBW Balingen-Weilstetten gegen den SC Magdeburg tödlich verunglückt. Angeblich soll zu enge Terminsetzung zu dem tödlichen Unfall geführt haben.

Schuldig fühlt sich Rauchfuß nicht. "Das weise ich klar von mir", sagte der viermalige Olympiateilnehmer und plädierte seinerseits für mehr Rücksicht auf die Referees: "Es heißt immer nur, die Spieler, die Spieler, die Spieler. Aber es sind nicht nur die Spieler, auch die Schiedsrichter leisten enorm viel. Das verkennt eine Reihe von Leuten."

max/sid



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Erich91 28.07.2014
1. Ist nicht die feine Art
Zitat von sysopimagoZerstochene Reifen, Drohbrief, Brandanschlag: Unbekannte bedrohen Peter Rauchfuß, den Schiedsrichterwart des Deutschen Handballbundes. Sie fordern den Rücktritt des 69-Jährigen, Rauchfuß will aber standhaft bleiben. http://www.spiegel.de/sport/sonst/handball-dhb-schiedsrichterwart-wird-seit-monaten-terrorisiert-a-983261.html
jemanden zu drängen, sich zur Ruhe zu setzen, aber die alte Riege des DFB, oder sollte man besser sagen, die überaltete, erkennt selten den richtigen Zeitpunkt, sich zu verabschieden. Beispiele gabs und gibts massenhaft, besonders in den Landesverbänden.
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