Streit zwischen EHF und Handball-Bundesliga Wer ist hier der Boss?

Nur einer statt drei: Der europäische Handballverband droht der Bundesliga mit der Reduzierung ihrer Champions-League-Startplätze. Es ist eine Machtdemonstration - und die Antwort auf den neuen Spielplan der deutschen Liga.

Momir Rnic von den Rhein-Neckar Löwen beim Wurf
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Momir Rnic von den Rhein-Neckar Löwen beim Wurf


28 Mannschaften spielen in der Gruppenphase der Handball-Champions-League. Und die stärksten europäischen Ligen aus Frankreich, Spanien, Mazedonien oder Ungarn dürfen zwei oder drei Teams stellen. Das gilt bislang auch für die deutsche Liga mit ihren Top-Klubs aus Mannheim, Flensburg oder Kiel.

Doch nun droht der europäische Handballverband EHF der Bundesliga mit einer Änderung: Er will bereits ab der kommenden Saison nur noch ein deutsches Team im Wettbewerb zulassen. Das geht aus einem Schreiben hervor, das dem "Mannheimer Morgen" vorliegt.

Den Vorgang bestätigte THW-Geschäftsführer Thorsten Storm: "Wenn es wirklich dazu käme, wäre das für die Sportart mit all ihren Top-Handballern, die in der Champions League spielen wollen, und die vielen Handball-Fans in Deutschland sehr, sehr traurig." Mit diesem Schritt will der europäische Verband offenbar seine Macht demonstrieren, die er von der Bundesliga angegriffen sieht.

Zwischen der EHF und der Bundesliga gibt es schon länger Streit. Konkret geht es um den neuen Spielplan in der Bundesliga, der seit dieser Saison fixe Spieltermine an Donnerstagen und Sonntagen (in Ausnahmen am Samstag) vorsieht. Diese hatte die Liga eingeführt, um höhere Erlöse aus der TV-Vermarktung zu erzielen.

Bisher galt aber: Wenn der europäische Verband die Partien der Königsklasse terminiert, haben die nationalen Ligen flexibel zu reagieren. Das führte dazu, dass Spieltage der vergangenen Bundesligasaison über mehrere Wochentage ausgetragen wurden. Seit dieser Spielzeit kommt es zu Terminkonflikten, da der Donnerstag und vor allem das Wochenende als Termin für die Königklasse vorgesehen sind. Ein Beispiel: Am Samstag werden die Rhein-Neckar Löwen gegen Leipzig in der Bundesliga und nur 23 Stunden später beim FC Barcelona in der Champions League antreten - der Ärger über die Ansetzung der EHF war groß.

Und nun lässt die EHF den Streit offenbar eskalieren. Sie wirft der Liga vor, bewusst eine Konkurrenzsituation herbeigeführt zu haben. In dem Schreiben an die Bundesliga heißt es laut dem "Mannheimer Morgen", dieser Schritt sei angesichts der Qualität der deutschen Klubs zu bedauern, aber man ließe der EHF "keine andere Möglichkeit". Ein Sprecher der Bundesliga teilte dem SPIEGEL mit, man wolle mit dem Verband schnell eine Lösung finden.

Einige Top-Klubs stärken EHF den Rücken

Über die Reduzierung der deutschen Starterzahl möchte der Verband bereits auf seiner nächsten Sitzung abstimmen. Doch ist eine so kurzfristige Änderung überhaupt möglich? Laut EHF sollen Medienverträge das Vorgehen absichern. Zudem habe man Rückendeckung von Vertretern anderer europäischer Top-Klubs, deren Interessen ohnehin nur selten mit dem der deutschen Liga übereinstimmen. Der Grund: Anders als in Deutschland und Frankreich spielt der Ligaalltag für Spitzenteams wie Skopje oder Veszprem eine klar untergeordnete Rolle. Die Ligen sind kleiner, genauso der Konkurrenzdruck - alle Konzentration gilt der Champions League.

Sollte der Verband tatsächlich die Änderung auf eine deutsche Mannschaft beschließen, würde ab der kommenden Saison nur noch der Deutsche Meister in der Champions League vertreten sein. Diese Situation würde nach einer Reform ab 2020 ohnehin eintreten, dann sind nur noch zwölf Teilnehmer vertreten, darunter befinden sich die Meister der acht besten Nationen sowie vier Teams mit einer Wildcard (mehr zur neuen Königsklasse lesen Sie hier).

Aktuell sind die Füchse Berlin Tabellenführer vor den Rhein-Neckar Löwen, das Team hat allerdings zwei Partien weniger absolviert. Mannheim oder Flensburg bliebe bei diesem Tabellenstand nur der EHF-Cup.

jan

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insgesamt 4 Beiträge
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frummler 08.11.2017
1. wenn interessiert das?
wenn es ab 2020 eh nur noch eine mannschaft gibt würde ich denen die kalte schulter zeigen! wieso sollten die mannschaften auf tv einnahmen verzichten nur weil die ehf funktionäre einen an der waffel haben?
dauernörgla 08.11.2017
2.
Hab eh nie verstanden warum es Champions League heisst ,wenn doch 80% der CL keine Champions sind
andromeda793624 08.11.2017
3. Rückzug!
Dann soll sich doch die HBL zurückziehen aus den europäischen Wettbewerben. Interessiert ja eh net so viele. Die HBL soll ihr eigenes Ding machen.
hugolamotte 08.11.2017
4. Champions League und EHF-Pokal sind uninteressant
Ich kann meinen Vorrednern nur zustimmen. Mir ist völlig egal, ob der THW in Vezprem oder Kielce gewinnt oder verliert; Hauptsache ist, er verliert in der Bundesliga ;-) Im Ernst, mich als Handballzuschauer interessieren nur Bundesliga, DHB-Pokal, Handball-EM, -WM und Olympia. Für die Vereine ist der Europapokal natürlich eine zusätzliche Finanzierungsquelle und daher schon wichtiger.
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