Favoriten, Spielorte, Aussichten Alles Wichtige zur Handball-EM

Am Freitag beginnt die Handball-Europameisterschaft 2016 in Polen. Wie stehen die Chancen der deutschen Mannschaft? Wer gilt als Favorit, wer könnte überraschen? Der Überblick.

Von und Lisa Maria Neumeyer

Getty Images

16 Teilnehmer, 48 Spiele - Handball-Fans dürfen sich auf eine spannende Zeit freuen. Von diesem Freitag an bis zum 31. Januar läuft die Handball-Europameisterschaft in Polen. Wer um den Titel mitspielt, welche Aussichten die deutsche Mannschaft hat und wo Sie die Spiele sehen können, erfahren Sie hier:

Hier wird gespielt
Krakau, Katowice, Breslau und Danzig - in diesen vier Städten werden die Partien ausgetragen. Die größte Arena steht in Krakau, sie bietet 15.000 Zuschauern Platz. Hier steigt am 31. Januar auch das Endspiel. Die deutsche Mannschaft wird zunächst ausschließlich in Breslau spielen, wo sämtliche Partien der Gruppe C ausgetragen werden.

Das ist der Modus
Das Turnier teilt sich in drei Phasen: die Gruppenvorrunde, die Hauptrunde und die Finalphase. Zunächst treffen je vier Mannschaften in den Gruppen A bis D aufeinander, der Gruppenletzte muss nach Hause fahren, die ersten drei Teams ziehen in die Hauptrunde ein.

Dort werden zwei Gruppen à sechs Mannschaften gebildet, wobei die Vorrundengruppen vermischt werden: Die drei besten aus Gruppe A müssen sich gegen die drei besten der Gruppe B beweisen; genauso läuft es bei den Gruppen C und D. Allerdings spielt nicht jeder gegen jeden, sondern die Ergebnisse aus den Vorrundenspielen werden in die Hauptrunde mitgenommen und verrechnet.

Die beiden jeweiligen Gruppenbesten qualifizieren sich für das Halbfinale, die beiden Drittplatzierten spielen um Platz 5, die Viertplatzierten um Platz 7. Wer sich im Finale am 31. Januar durchsetzt, hat doppelten Grund zur Freude: Der Titel berechtigt automatisch zur Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016 in Rio.

Das sind die Favoriten
Die Nation, die es zu schlagen gilt, ist einmal mehr Frankreich. Das Team um Superstar Nikola Karabatic gewann seit 2012 alles, was es zu gewinnen gibt, ist amtierender Welt- und Europameister sowie Olympiasieger. Hoch gehandelt wird auch Gastgeber Polen, das bei der WM 2015 in Katar den dritten Platz erreichte. Zuletzt musste das Team des deutschen Trainers Michael Biegler allerdings eine herbe 12:26-Niederlage gegen Spanien hinnehmen. Zu achten ist auch auf Dänemark, das seit der deutlichen Finalpleite bei der Heim-EM vor zwei Jahren noch eine Rechnung mit den Franzosen offen hat. Auch Kroatien und Spanien zählen zu den Topteams.

Das sind die Außenseiter
Ganz große Überraschungen sind in der Qualifikation für das Turnier ausgeblieben. Die einzigen Teams, die nicht auch schon bei der EM 2014 dabei waren, sind Slowenien und Deutschland. Zu den krasseren Außenseitern zählt Montenegro, das sich als bester Gruppendritter für das Turnier qualifizierte. Realistische Finalhoffnungen dürften sich aber nur die bereits genannten Favoriten machen.

Das bereitet dem deutschen Team Sorgen
Nach dem vorletzten EM-Test, dem 26:25-Sieg gegen Island, wähnte Bundestrainer Dagur Sigurdsson sein Team auf einem guten Weg. Es folgte die verpatzte Generalprobe im zweiten Duell mit den Isländern (24:27). So richtig weiß die DHB-Mannschaft daher nicht, wo sie steht. Klar ist nur: Von der Weltspitze ist sie noch ein ganzes Stück entfernt.

Und dann ist da noch die Verletzungsmisere, die zuletzt drastische Ausmaße annahm. Insbesondere das EM-Aus für Kapitän Uwe Gensheimer wiegt schwer. Der deutschen Mannschaft fehlen nicht nur sportliche Qualität, sondern auch Erfahrung: Gensheimer sowie die ebenfalls verletzten Patrick Groetzki, Patrick Wiencek und Michael Allendorf kommen gemeinsam auf annähernd 300 Länderspiele. Unerfahrenere Profis wie Christian Dissinger (sieben Länderspiele) müssen nun Verantwortung übernehmen.

Das macht dem deutschen Team Hoffnung
Coach Sigurdsson war bemüht, möglicher Panik aufgrund der Ausfälle schnell einen Riegel vorzuschieben. Sein Kader sei zwar unerfahren, sagte er dem WDR, aber auch hungriger als die Konkurrenz: "Es gibt nicht viele Mannschaften in Europa, die spannender sind als unsere", sagte Sigurdsson. Das mag man als Motivationsgerede abtun, doch bislang drang der Isländer stets zu seinem Team durch. "Dagur vertraut uns, und deswegen glauben wir an uns", sagte etwa Rückraumspieler Steffen Fäth. Bereits während der EM-Qualifikation übertrug Sigurdsson seine stoische Ruhe auf die Mannschaft. Jene Gelassenheit kann dem Team auch in Polen dringend benötigte Souveränität verleihen.

Und dann ist da noch der positive Trend unter Sigurdsson. Der Isländer hat den DHB, nachdem dieser vor dessen Amtszeit zweimal nacheinander die sportliche Qualifikation für Großturniere verpasst hatte, wieder in die Nähe der Weltspitze gehievt. Von den 28 Spielen seit seiner Berufung zum Bundestrainer im August 2014 gewann Deutschland 21, nur fünf Partien gingen verloren. Sigurdsson gilt als kluger Taktiker, der in der Lage ist, auf Probleme reagieren zu können.

Hier gibt's die Spiele zu sehen
ARD und ZDF übertragen sämtliche Partien der DHB-Auswahl live, den Anfang macht das ZDF am Samstag um 18.30 Uhr, wenn das Auftaktspiel gegen Spanien beginnt. Die Partie gegen Rekord-Europameister Schweden läuft in der ARD (18. Januar; 20.30 Uhr), die gegen Slowenien (20. Januar; 17.15 Uhr) im ZDF. Alle anderen Partien werden online vom Internetsender Sportdeutschland.tv übertragen. SPIEGEL ONLINE berichtet von allen deutschen Begegnungen im Liveticker.

Deutschlands EM-Kader
Tor: Carsten Lichtlein (VfL Gummersbach), Andreas Wolff (HSG Wetzlar)
Feld: Rune Dahmke (THW Kiel), Steffen Fäth (HSG Wetzlar), Christian Dissinger (THW Kiel)*, Finn Lemke (SC Magdeburg), Martin Strobel (HBW Balingen-Weilstetten), Niclas Pieczkowski (TuS N-Lübbecke), Simon Ernst (VfL Gummersbach), Steffen Weinhold (THW Kiel)*, Fabian Wiede (Füchse Berlin), Johannes Sellin (MT Melsungen), Tobias Reichmann (KS Vive Kielce/Polen), Hendrik Pekeler (Rhein-Neckar Löwen), Jannik Kohlbacher (HSG Wetzlar), Erik Schmidt (TSV Hannover-Burgdorf)
Nachnominiert: Kai Häfner (TSV Hannover-Burgdorf), Julius Kühn (VfL Gummersbach)
* verletzungsbedingt während der EM ausgefallen

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