Handball-Halbfinalgegner Norwegen "Vergesst Fußball"

Es ist das Treffen zweier Überraschungsteams: Wie die deutschen Handballer wurde auch Norwegen vor der Europameisterschaft unterschätzt. Der Halbfinalgegner im Kurzporträt.

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Der Einzug der Nationalmannschaft ins EM-Halbfinale hat in Norwegen Euphorie ausgelöst. "Vergesst Fußball und Hockey", schrieb die Tageszeitung "Dagbladet": "Nur die Handballjungs haben's drauf."

Schon jetzt hat das Team von Trainer Christian Berge den größten Erfolg bei einer Europameisterschaft erreicht. Das bislang beste Ergebnis war Platz sechs beim Turnier im eigenen Land 2008.

Neben Halbfinalgegner Deutschland ist Norwegen die große Überraschung in Polen. Bei der Weltmeisterschaft in Katar waren die Skandinavier nicht mal dabei, vor zwei Jahren reichte es bei der EM nur für Platz 14.

Doch spätestens der deutliche Sieg gegen Weltmeister und Olympiasieger Frankreich hat gezeigt, wie stark die Norweger sind. "Wir haben den Weltmeister mit fünf Toren geschlagen. Das zeigt, was in diesem Team schlummert", sagt Kent Robin Tønnesen, der beim Bundesligisten Füchse Berlin spielt.

Wer sind die gefährlichsten Spieler des deutschen Halbfinalgegners? Und wie hat Norwegen bislang gespielt? Die wichtigsten Infos im Überblick.

Die besten Spieler

Wie in der deutschen Mannschaft gibt es keine großen Stars. Die Stärke der Norweger sind wie bei der DHB-Auswahl der Teamgeist, der Siegeswille und die Kampfbereitschaft. "Norwegen hat einen unglaublich dynamischen Rückraum", sagt der deutsche Bundestrainer Dagur Sigurdsson: "Sie sind jung, haben sehr viel Wurfkraft aus der zweiten Reihe, zwei starke Kreisläufer und eine bewegliche Abwehr."

Aufpassen muss die deutsche Mannschaft besonders auf Rückraumspieler Tønnesen und Kreisläufer Bjarte Myrhol vom dänischen Klub Skjern Handbold. Insgesamt spielen fünf der 16 Norweger in der Bundesliga. Mit Kristian Björnsen (Wetzlar) und Christian O'Sullivan (Magdeburg) kommen demnächst zwei weitere dazu. Myrhol spielte bis zur vergangenen Saison bei den Rhein-Neckar Löwen.

Der Trainer

Auch Christian Berge hat lange in der Bundesliga gespielt, von 1999 bis 2006 lief er für die SG Flensburg-Handewitt auf. Derzeit trainiert der 42-Jährige in Doppelfunktion auch den norwegischen Erstligisten Elverum HB.

Geschickt hat Berge sein Team zum Außenseiter erklärt. "Die EM kommt noch zu früh", sagte er vor dem Turnier: "Wir wollen in die Hauptrunde, um möglichst viel Erfahrung zu sammeln." Nach den beeindruckenden Leistungen dort muss er im Halbfinale gegen Deutschland mit der Favoritenrolle leben.

Der Weg ins Halbfinale

Nur in der Vorrunde gab es eine Niederlage: Gleich im ersten Spiel unterlagen die Norweger 25:26 gegen den späteren Gruppenletzten Island. Eine weitere Parallele zu den Deutschen: Auch das DHB-Team verlor die Auftaktpartie gegen Spanien und startete dann seine Siegesserie.

In der Hauptrunde setzte Norwegen sich dann beeindruckend durch. Vier Siege und ein Unentschieden bedeuteten Platz eins - und das in einer starken Gruppe: Weltmeister Frankreich (29:24) wurde ebenso entzaubert wie Gastgeber Polen (30:28) und Kroatien (34:31).

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Turnierüberraschung Deutschland: Diesen Jungs gehört die Zukunft

cte/dpa

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insgesamt 20 Beiträge
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countrushmore 29.01.2016
1.
Bei der medialen Omnipräsenz des Fußballs ist es ziemlich schwierig diesen zu vergessen.
einervondenen 29.01.2016
2. HSV Handball
Tja, trotz guter Vereine im Norden (THW Kiel, HSV Europapokal usw.) kamen gerade mal 7.000 Zuschauer pro Spiel. Da reichen auch keine Sponsoren. Schön, dass jetzt so gut gespielt wird, letztlich bleibt es eine Randsportart.
citi2010 29.01.2016
3.
Ich schaue mir Handball vor allem nicht an weil es zu nervenaufreibend ist das ewige Hin- und Her, zumindest wenn man für ein Team ist. Was mich aber auch stört ist, dass es wie beim Basketball eigentlich meisst reicht die letzte Viertelstunde zu schauen. Bis dahin entscheidet sich eigentlich nichts. Man ist wegen nichts angespannt.
Kalle Bond 29.01.2016
4. #3 Unterirdisch
Wenn du selbst mal gespielt hättest, würdest du nicht so einen unterirdischen Kommentar abgeben. Sollte man die Spielzeit vielleicht auf 15 min verkürzen? Es gibt übrigens durchaus Spiele, wo schon zur Halbzeit alles klar ist. Nur sind hier bei der EU Meisterschaft (kleine WM) eh die stärksten Mannschaften versammelt und spielen auf Augenhöhe (1.95 ++ :)).
Alfr. Tetzlaff 29.01.2016
5. Korbball ist kein Vergleich.
Zitat von citi2010Ich schaue mir Handball vor allem nicht an weil es zu nervenaufreibend ist das ewige Hin- und Her, zumindest wenn man für ein Team ist. Was mich aber auch stört ist, dass es wie beim Basketball eigentlich meisst reicht die letzte Viertelstunde zu schauen. Bis dahin entscheidet sich eigentlich nichts. Man ist wegen nichts angespannt.
Sie haben nie Handball gespielt und wissen somit nicht viel darüber. Eine Anfangsphase kann durchaus entscheidend sein oder ist von Taktik geprägt. Schauen Sie doch bei Krimis auch nur die letzten 15 min, da wird immer der Täter entlarvt und festgenommen oder umgenietet. So sparen Sie sich den gähnenden Vorspann.
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