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Deutsche Handballer in der EM-Hauptrunde: Noch nicht satt

Aus Breslau berichtet Michael Wilkening

Feierstimmung bei den deutschen Handballern: 25:21-Sieg gegen Slowenien - und noch viel vor Zur Großansicht
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Feierstimmung bei den deutschen Handballern: 25:21-Sieg gegen Slowenien - und noch viel vor

"Jetzt ist auf jeden Fall alles möglich": Nach ihrem Sieg gegen Slowenien könnte die deutsche Handball-Nationalmannschaft das EM-Halbfinale erreichen. Spieler und Trainer geben sich optimistisch wie selten - und das gleich aus mehreren Gründen.

Dagur Sigurdsson wirkt gelöst wie selten. Der Trainer steht in den Katakomben der Jahrhunderthalle in Breslau und hat allen Grund, entspannt zu sein. Seine Spieler haben auf dem Feld genau das gezeigt, was der Isländer schon seit längerer Zeit voraussagt: Das Team bewies im entscheidenden Gruppenmatch gegen die Slowenen nicht nur ihr großes Talent, sondern auch mentale Stärke. Am Ende siegte es 25:21.

Deshalb wagte sich Sigurdsson, seit September 2014 Bundestrainer, auch erstmals aus der Deckung. "Wir werden noch hungriger", begann er seine Kampfansage und machte aus einem vermeintlichen Nach- plötzlich einen Vorteil: "Wir haben eine junge Truppe. Mal sehen, wie die älteren Mannschaften die hohen Belastungen wegstecken." Vor dem Turnier wurde den Deutschen wenig zugetraut, weil sie nach den Ausfällen von Leistungsträgern wie Kapitän Uwe Gensheimer, Patrick Groetzki und Patrick Wiencek jung und unerfahren wie nie zuvor in eine Europameisterschaft gestartet sind.

In Breslau zeigte das Team, dass es zwar wenige Länderspiele absolviert hat, dafür aber in der Lage ist, in atemberaubendem Tempo hinzuzulernen. Die Leistung gegen Slowenien war die beste der Vorrunde, vor allem mit der aggressiven Deckung hievten sich die Deutschen auf ein neues Leistungsniveau. Dieses Wissen macht selbstbewusst. "Wir haben eine realistische Chance, ins Halbfinale zu kommen", sagte Hendrik Pekeler. Der Kreisläufer von den Rhein-Neckar-Löwen sprach diesen Satz mit einem Selbstverständnis aus, das den Anspruch des Teams an sich selbst verdeutlicht.

Streben nach dem Maximalen

Spieler wie der Magdeburger Finn Lemke (23 Jahre), der Kieler Rune Dahmke (22) oder der Wetzlarer Jannik Kohlbacher (20) sind dabei, den Status eines Talents schneller abzulegen, als zuvor für möglich gehalten. Steffen Fäth wirkt mit 25 Jahren schon wie ein erfahrener Haudegen, dabei spielt der Rückraumspieler der HSG Wetzlar wie 13 seiner Teamkollegen zum ersten Mal eine Europameisterschaft.

Torhüter Andreas Wolff, mit starken Leistungen in allen Begegnungen der größte Gewinner der Vorrunde, schraubte die eigene Erwartungshaltung weit nach oben. "Jetzt ist auf jeden Fall alles möglich", sagte der Mann von der HSG Wetzlar, der im kommenden Sommer zum THW Kiel wechselt. Das maximale Ziel verfolgen, um das maximal Machbare zu erreichen - diesem Credo haben sich Wolff und seine Mitstreiter verschrieben.

"Die deutsche Mannschaft hat eine große Zukunft vor sich"

Bei der Konkurrenz erarbeiten sich die Sigurdsson-Schützlinge auf diesem Weg mehr und mehr Respekt. "Die deutsche Mannschaft hat eine große Zukunft vor sich. Sie hat mit Dagur einen tollen Trainer, ich verfolge die Entwicklung schon seit längerer Zeit", sagte der slowenische Trainer Veselin Vujovic in Richtung der DHB-Auswahl. Der Gelobte hielt wenig von Understatement. "Ich teile seine Meinung, unsere Mannschaft ist sehr, sehr spannend", sagte Sigurdsson.

Neben dem unverhofft schnellen Qualitätssprung hat Deutschland einen weiteren Vorteil: den ungewöhnlichen Spielplan. An diesem Freitag startet die DHB-Auswahl gegen Ungarn in die Hauptrunde, Sonntag kommt es zum Duell mit Russland, dann folgen zwei Tage Pause bis zum dann wohl entscheidenden Spiel um den Halbfinaleinzug gegen Dänemark am Mittwoch.

Die Dänen müssen hingegen am Vorabend der Partie gegen die Deutschen noch gegen das schwedische Team spielen. Vor diesem Hintergrund bekommt die Kampfansage von Sigurdsson zusätzliches Gewicht. Die deutschen Handballer sind noch nicht satt.

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insgesamt 4 Beiträge
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1. ,,,
jujo 21.01.2016
Optimismus ist gut und motivierend. Nur das Fell des Bären sollte nicht verteilt werden bevor er erlegt ist. Alle Träume können schon nach dem Spiel gegen Ungarn zerplatzen.
2. Glückwunsch!
vinyl 21.01.2016
Glückwunsch an die deutsche Mannschaft. Und viel Erfolg für die Hauptrunde. Macht richtig Spaß, euch zuzugucken! Das mit dem Endspiel gegen Dänemark stimmt leider, ich glaube nicht, dass die gegen Schweden und Spanien auch nur einen Punkt liegen lassen. Ist aber auch egal, zum Weiterkommen müssen eigentlich in fast jedem realistischen Szenario drei Siege her. Aber auch Favoriten können fallen, sieht man daran, wie die Franzosen von Polen zerlegt worden sind. Wenn Polen diese Euphorie halten kann, werden sie Europameister. Ein Vize-EM Deutschland wäre doch was! Hätte ein schöne Symmetrie. Deutschland 2007 im eigenen Land WM, Polen Vize, dieses Jahr bei der EM halt umgekehrt. Sollte Deutschland tatsächlich ins Halbfinale einziehen (das wäre sensationell), ist tatsächlich alles möglich. Der Punkt mit der körperlichen Fitness kann in der Tat entscheidend werden. Bei allen großen Turnieren gehen die erfahrenen Altstars spätestens zur K.O.-Runde auf dem Zahnfleisch.
3. EM ohne Ton
mare56 21.01.2016
Ich war begeistert von dem Spiel gegen Slowenien, wenn ich es auch leider ohne Ton im ZDF anschauen musste. Weil dieser völlig ahnungslose wie 100% talentfreie "Reporter" Christoph Hamm einen aggressiv macht.
4. ...
jujo 21.01.2016
Zitat von mare56Ich war begeistert von dem Spiel gegen Slowenien, wenn ich es auch leider ohne Ton im ZDF anschauen musste. Weil dieser völlig ahnungslose wie 100% talentfreie "Reporter" Christoph Hamm einen aggressiv macht.
Ich schaue die meisten Sportsendungen ohne Ton, weil ich das Geschwätzt nicht ertrage, meist wird das erzählt was auf dem Schirm sichtbar ist, Fersehen für Blinde. Ton nur für die infos vor dem Start, nach dem Beginn Ton aus.
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