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Handball-EM: Geopfert für die Mannschaft

Aus Breslau berichtet Michael Wilkening

Teuerer Sieg: Verletzungsschock für DHB-Auswahl Fotos
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Dieser Sieg der Deutschen war teuer erkauft: Beim 30:29 gegen Russland haben sich Steffen Weinhold und Christian Dissinger verletzt. In der entscheidenden Phase der Handball-EM könnten sie nun ausfallen.

Steffen Weinhold tat, was ein guter Kapitän tun muss. Der Mann vom THW Kiel hatte sich 15 Sekunden vor dem Ende für seine Mannschaft geopfert. Bei einem Gegenstoß der Russen warf sich Weinhold in den Weg von Dmitri Schitnikow, verhinderte dadurch den drohenden Ausgleich zum 30:30 - zog sich dabei aber eine Muskelverletzung zu.

Nach dem Spiel humpelte er in den Kreis seiner Kollegen und feierte auf einem Bein den 30:29 (17:16)-Sieg über Russland. Danach verschwand der Linkshänder aus dem Blickfeld. Interviews - wie sonst üblich - gab er nicht, denn es begann ein Wettlauf gegen die Zeit. Bereits in der Kabine startete die Behandlung von Weinhold und Christian Dissinger. Bis Mittwochmorgen, neun Uhr, müssen die Deutschen entscheiden, ob sie einen personellen Wechsel vornehmen.

"Julius Kühn und Kai Häfner sollen auf jeden Fall nach Breslau kommen", sagte Bundestrainer Dagur Sigurdsson mit Blick auf den angeschlagenen Kapitän und seinen Teamkollegen Dissinger nach Spielschluss. Der hatte erst sein bestes Turnierspiel gezeigt, sieben Treffer aus dem Rückraum zum Sieg beigesteuert, nahm in der Schlussphase aber auf der Bank Platz, weil die Hüftmuskulatur streikte.

Führungsfigur: Kapitän Weinhold nicht zu ersetzen

Kühn (VfL Gummersbach) und Häfner (TSV Hannover-Burgdorf) müssten gegen die Dänen (Mittwoch, 18.15 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) einspringen, was die Chancen im Duell gegen den Vizeeuropameister deutlich schmälern würde. Vor allem Weinhold ist nicht zu ersetzen.

"Das war ein teuer erkaufter Sieg", urteilte Bob Hanning deshalb. Der Vizepräsident des deutschen Handballbunds wirkte in diesem Moment niedergeschlagen, denn natürlich weiß er, dass sich die DHB-Auswahl ohne zwei Stammkräfte im Rückraum nicht auf Augenhöhe mit den Dänen messen kann. Deutschlands kommendem Gegner gelang am Abend ein 27:23 (11:14)-Sieg gegen Spanien nach einer beeindruckenden Aufholjagd.

Rückraumspieler Dissinger: Erfolgreichster Werfer gegen Russland (sieben Tore) Zur Großansicht
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Rückraumspieler Dissinger: Erfolgreichster Werfer gegen Russland (sieben Tore)

Hanning war aber schon unmittelbar danach bemüht, die Bedeutung des Erfolgs gegen eine gute russische Mannschaft noch einmal nach vorne zu stellen und einzuordnen. "Wir waren vor zwei Jahren sportlich weder für eine EM noch für eine WM qualifiziert und gehören jetzt wieder zu den besten sechs Teams der Welt", erklärte der starke Mann im deutschen Handball. "Vielleicht sollten wir heute Abend ein Glas Rotwein trinken und das einfach mal genießen."

Spiel um Platz fünf vorzeitig erreicht

Der dritte Rang ist dem Team von Sigurdsson in der Hauptrundengruppe nicht mehr zu nehmen, zumindest das Spiel um den fünften Platz ist vorzeitig erreicht. Ob mehr möglich ist, wird davon abhängen, ob Dissinger und vor allem Weinhold ihre Blessuren innerhalb von zwei Tagen kurieren können. In der Schlussphase gegen die Russen stellte der Kapitän seinen Wert für die junge Mannschaft nachdrücklich unter Beweis.

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EM-Chancen des DHB

Wie weit können die deutschen Handballer kommen?

Als die Begegnung trotz einer zwischenzeitlichen Fünf-Tore-Führung zu kippen drohte, stellte sich Weinhold den Russen nach dem 26:26-Ausgleich unerschrocken in den Weg. Zwei der letzten vier Tore warf Weinhold selbst, an den anderen beiden war er durch gewonnene Eins-gegen-eins-Duelle entscheidend beteiligt.

Und das sorgte bei Sigurdsson für einen ungeahnten Emotionsausbruch. Der Trainer ballte am Spielfeldrand die Fäuste, nachdem die Russen den letzten Wurf übers Tor geworfen hatten. Und Carsten Lichtlein rannte zur Seitenlinie und seinem Coach um den Hals. "Als ich gesehen habe, wie der isländische Eisblock da draußen jubelt, musste ich doch zu ihm", sagte Lichtlein später. In diesem Moment war den Feiernden die Schwere der Verletzungen von Weinhold und Dissinger noch nicht bewusst.

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Die russische Mannschaft...
brd3@gmx.de 24.01.2016
war gut, konnte von der deutschen knapp geschlagen werden. Ich habe allerdings heute Abend bärenstarke Dänen gegen Spanien gesehen. Unter normalen Umständen ist da Mittwoch nichts zu holen. Aber was bedeutet bei dieser EM aus deutscher Sicht schon "normal"? Ich war davon überzeugt, dass nach der Vorrunde Schluss ist. Tolle Überraschung!
2.
jakopp.auckstayn 25.01.2016
Fantastisches Spiel beider Mannschaften.Leider waren die Schiedsrichter sehr schwach.Es gab einige Entscheidungen gegen das deutsche Team,ungerecht und deswegen sehr ärgerlich,inklusive der nichtgegebenen 2 Tore.Hoffentlich können Weinhold und Dissinger wieder angreifen.Viel Glück gegen Dänemark und Danke für diesen genialen Trainer Sigurdson.
3. Reglement
hibee 25.01.2016
Interessant wäre zu wissen wie die Regelung bei Punktgleichheit von drei Mannschaften nach der Hauptrunde wäre. Zählt dann die Tordifferenz aus allen Begegnungen oder nur aus den direkten Begegnungen gegeneinander? Würden nur die direkte Partien gegeneinander gezählt wird es fast unmöglich die Halbfinale noch zu schaffen. Bei einem erforderlichen Sieg gegen Dänemark hätten alle im direkten Duell 2:2 Punkte. Spanien hätte -1 Tordifferenz. Um besser zu sein müsste Deutschland Dänemark mit 3 Toren Differenz schlagen. Die Dänen hätten dann immer noch +1. 3 Tore Unterschied gegen die Dänen ist fast unmöglich. Aber vielleicht gibt es ja eine andere Regelung. Weiss da jemand was drüber?
4. Warum
wwwind 25.01.2016
schreiben Sie nicht über die unterirdisch schlechte Leistung der Schiedsrichter? Verweigerte Tore für das deutsche Team. Viele irreguläre Tore durch Bodenberührung des Werfers im Kreis. Zwei-Minuten-Strafen für Deutschland 8, für Russland 1. Unzählige nicht geahndete Fouls, vorwiegend begangen durch russische Spieler.
5.
Mähtnix 25.01.2016
Das wäre Mist, wenn beide ausfielen. Ich fürchte Weinhold wird ausfallen, so wie der gehumpelt ist. Schade. Er hat bis jetzt ein geiles Turnier gespielt. Wobei Wiede auch stark spielt. Normalerweise hätte Sigurdsson die ersten 6 am Schluss schonen können, wenn die Schiris nicht so einen Bockmist gepfiffen hätten. Zwei Tore übersehen und diverse Tore der Deutschen weggepfiffen und dabei auf Freiwurf statt auf 7-Meter (jedesmal Abwehr durch den Kreis) entschieden. Mindestens drei Tore der Russen waren so frech und plump abgestanden, dass ich geneigt bin, den Schiris hier aktives Weggucken zu unterstellen. Noch eine Frage an die aktiven Handballer (ich bin schon lange raus): Früher musste der Standfuß beim 7-Meter stehen bleiben, der Russe hat den bewegt wie doof (ohne allerdings überzutreten). Ist das heute erlaubt?
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