Verletzungen bei der EM Der Handball opfert seine Stars

Zahlreiche Stars bei der Handball-EM leiden unter Verletzungen. Sie zollen den hohen Belastungen Tribut. Der Spielplan für die Profis ist viel zu eng, die ärztlichen Abteilungen sind im Dauereinsatz.

Aus Breslau berichtet Michael Wilkening

Verletzter Nationalspieler Weinhold: Keine Chance zur Erholung
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Verletzter Nationalspieler Weinhold: Keine Chance zur Erholung


Für Teamarzt Kurt Steuer ist es keine große Überraschung: Die deutschen Handballer müssen das entscheidende Spiel bei der Europameisterschaft um den Einzug ins Halbfinale morgen Abend (18.15 Uhr ARD, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gegen Dänemark ohne zwei Schlüsselspieler bestreiten.

Kapitän Steffen Weinhold und Torjäger Christian Dissinger zogen sich schwere Muskelverletzungen zu. Aus Sicht von Steuer ist das die logische Folge der "vorhersehbar viel zu hohen Belastung". Eine Entlastung für die Spieler ist nicht absehbar, dafür gibt es eine unehrliche Debatte über den Schutz der Akteure.

Kurt Steuer und die Physiotherapeuten der Nationalmannschaft sind während der Tage von Breslau beinahe ununterbrochen im Einsatz. Teilweise werden die Nationalspieler dreimal am Tag behandelt, um zu verhindern, was in der letzten Konsequenz nicht zu verhindern ist. Obwohl sie Fachleute auf ihrem Gebiet sind und von Bundestrainer Dagur Sigurdsson optimal unterstützt werden, sind die Verletzungen der deutschen Top-Spieler absehbar gewesen.

"Medizinisch betrachtet ist das nicht zu verhindern, weil die Spieler vorhersehbar viel zu hoch belastet sind", sagt Teamarzt Steuer. Den Medizinern bleibt nur die Chance, das maximal Mögliche zu tun, um die Folgen der vielen Spiele abzumildern. Schwere Verletzungen gibt es dennoch. Der Handball opfert seine Stars.

Die Dreifachbelastung hat Konsequenzen

In erster Linie sind Akteure von Verletzungen betroffen, die mit ihren Klubs in der Liga, in der Champions League und der Nationalmannschaft gefordert sind. Vor der EM mussten von den Rhein-Neckar Löwen Kapitän Uwe Gensheimer (Achillessehnenreizung) und Patrick Groetzki (Wadenbeinbruch) absagen, vom THW Kiel fehlt Patrick Wiencek (Kreuzbandriss). Jetzt kamen während des Turniers die Kieler Dissinger und Weinhold dazu. "Die deutschen Teilnehmer an der Champions League sind sicher zu hoch belastet, das ist bekannt", sagte Bob Hanning, Vizepräsident des deutschen Handballbunds.

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Teuerer Sieg: Verletzungsschock für DHB-Auswahl
Weinhold erwischte es im 46. Pflichtspiel seit Mitte August, ohne Pause musste er mehr als acht Partien im Monat bestreiten. Entscheidend für den Verschleiß sind aber nicht die Minuten auf dem Feld allein, sondern die strapaziösen Reisen durch ganz Europa dazwischen. Regeneration ist kaum möglich. "Der Biorhythmus verändert sich, die Spieler schlafen schlechter, die Regeneration leidet", sagt Steuer. Starke Schlafmittel gehören in Breslau zur Grundausstattung.

Das Problem hat jetzt die Nationalmannschaft, gemacht werden sie von der deutschen Liga und den internationalen Verbänden. Eine Reduzierung der Liga auf 16 oder 14 Klubs lehnt die deutsche Handball-Liga (HBL) vehement ab, der europäische Verband (EHF) beharrt darauf, alle zwei Jahre eine EM auszutragen und ihr Premiumprodukt Champions League aufzublähen.

Das Problem der deutschen Spitzenklubs: Sie stehen in Europa allein da, weil nur die Bundesliga ausgeglichen besetzt ist und die Top-Teams mit ihren Spielern jedes Wochenende fordert. Die besten Mannschaften in Europa schonen ihre Stars in der heimischen Liga, weshalb sie nicht annähernd so stark belastet sind.

DHB-Vizechef Hanning: Und jetzt auch noch die Weltliga
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DHB-Vizechef Hanning: Und jetzt auch noch die Weltliga

Und weil selbst die Klubs in Deutschland keine Allianz bilden, ist aktuell keine Reduzierung der Belastung absehbar. Der Kieler Manager Thorsten Storm steht gemeinsam mit Bob Hanning, der auch Manager der Berliner Füchse ist, an der Spitze einer internationalen Initiative, die im Handball eine Weltliga nach Vorbild der nordamerikanischen Profiligen etablieren will.

Damit wollen die Klubs deutlich mehr Geld verdienen, als das aktuell in der Champions League möglich ist. Noch mehr Spiele und noch mehr Reisen wären die Folge einer "Weltliga". Hanning sieht das anders: "In einer Superliga sehe ich die Chance, die Situation zu verbessern." Konkrete Lösungsansätze blieben bislang aus.

Den Vereinen ist eine Umsatzsteigerung wichtiger als die Gesundheit der Spieler. Wenn ein Spieler verschlissen ist, wird er schlicht gegen einen anderen ausgetauscht. Aus Sicht der Klub-Verantwortlichen ist das nachvollziehbar, die unterschiedlichen Interessen führen deshalb in ein klassisches Dilemma.

Die Diskussion um einen Schutz für die Spieler der Top-Klubs wird immer unehrlich bleiben, weil die Interessen von Liga und Verbänden im Vordergrund stehen und die Spieler bislang kein geeignetes Sprachrohr gefunden haben. Die Ansätze, eine starke Spielergewerkschaft zu gründen, wurden nicht weiter verfolgt.



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insgesamt 11 Beiträge
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NAL 26.01.2016
1. Sport ist Mord, sagt der Volksmund
Und Wenn es ums Geld geht, wird ohne Fragen über Leichen gegangen. Das System ist krank und wir könnten es durch Boykott der medialen Inszenierung ändern.
acroflyer 26.01.2016
2. Handball....
es ist eine der brutalsten Sportarten...! so wie Vollkontakt-Karate! ich erinnere mich noch an Eishockey-Zeiten mit der Sbornaja, die das körperlose Spiel in Vollendung beherrschten. Während Amerikaner und Kanadier nur checkten, wo sie nur konnten. Im Handball könnte es auch ein "fast" körperloses Spiel geben, dann müßten aber die Schiedsrichter dieses Killertreiben auf dem Handballfeld wirksam beenden.
spigalli 26.01.2016
3. Warum nur lassen die Spieler das mit sich machen?
...das frage ich mich wirklich. Wenn mein Arbeitgeber mich verheizt, dann nehme ich mir einen Krankenschein - und zwar nicht vom Betriebsarzt, sondern von einem unabhängigen.
irobot 26.01.2016
4.
Zitat von acroflyeres ist eine der brutalsten Sportarten...! so wie Vollkontakt-Karate! ich erinnere mich noch an Eishockey-Zeiten mit der Sbornaja, die das körperlose Spiel in Vollendung beherrschten. Während Amerikaner und Kanadier nur checkten, wo sie nur konnten. Im Handball könnte es auch ein "fast" körperloses Spiel geben, dann müßten aber die Schiedsrichter dieses Killertreiben auf dem Handballfeld wirksam beenden.
Ach, das ist heutzutage vergleichweise harmlos. Schauen Sie sich mal Spiele aus den späten 70ern und frühen 80ern an. Das war schlimm!
wetzer123 26.01.2016
5.
Zitat von acroflyeres ist eine der brutalsten Sportarten...! so wie Vollkontakt-Karate! ich erinnere mich noch an Eishockey-Zeiten mit der Sbornaja, die das körperlose Spiel in Vollendung beherrschten. Während Amerikaner und Kanadier nur checkten, wo sie nur konnten. Im Handball könnte es auch ein "fast" körperloses Spiel geben, dann müßten aber die Schiedsrichter dieses Killertreiben auf dem Handballfeld wirksam beenden.
Das wäre dann aber kein Handball mehr. Im Handball ist es durchaus das Ziel den Gegner durch Körperkontakt am Wurf zu hindern. Klar gibt es da auch massenweise diese echten Fouls wie in den Wurfarm greifen, von Hinten klammern... aber die waren in den hier beschriebenen Fällen ja gar nicht der Grund für die Verletzungen.
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