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Nationalspieler Fäth: Der Musterschüler des Genies

Aus Breslau berichtet Michael Wilkening

Nationalspieler Fäth (r., gegen Dänemark): "Einfach nur zugeschaut" Zur Großansicht
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Nationalspieler Fäth (r., gegen Dänemark): "Einfach nur zugeschaut"

Die Handball-EM ist ein Märchen für das junge deutsche Team, oft sind überragende Einzelleistungen zu sehen. Besonders Steffen Fäth glänzt bei diesem Turnier. Er lernte von einer kroatischen Legende - im Endspiel könnten sich beide wiedersehen.

Wenn Steffen Fäth über Ivano Balic spricht, weiten sich die Augen des Mannes von der HSG Wetzlar. "Der Ivano hat mich irgendwie gemocht", sagt Fäth. Der Kroate Balic gilt als genialster Spieler seiner Generation, und als der Olympiasieger und Weltmeister im vergangenen Sommer seine aktive Karriere ausgerechnet beim Klub von Steffen Fäth beendete, verneigte sich die Handballwelt. Der Mann verkörperte die Schönheit des Spiels, wie es sonst nur dem Isländer Ólafur Stefánsson gelungen war.

Balic hatte es auf seiner letzten Station überraschend zum deutschen Mittelklasseverein nach Wetzlar verschlagen - doch die Auswirkungen sind bis zu dieser für die deutsche Mannschaft so positiv verlaufenden Handball-EM spürbar. Für Fäth nämlich, bei dieser Euro einer der Überraschungsstars und beim Sieg gegen Dänemark bester Werfer, bedeutete die Zusammenarbeit mit Balic pures Glück. Der Rückraumspieler, durchaus mit Talent gesegnet, aber auf dem Level eines bloßen Werfers stehengeblieben, lernte viel vom Besten. Er sog wissbegierig auf, was der Kroate zu sagen und zu zeigen hatte. Und wurde in kurzer Zeit zu einem kompletten und variablen Führungsspieler.

Handball-Genie Balic (2009): Wiedersehen im Finale Zur Großansicht
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Handball-Genie Balic (2009): Wiedersehen im Finale

"Ich habe ganz viel gelernt, indem ich einfach nur zugeschaut habe, was Ivano macht", sagt Fäth. Doch dabei blieb es nicht: "Er hat mich oft zur Seite genommen, mir Situationen im Spiel erklärt und aufgezeigt, welche Möglichkeiten sich daraus ergeben." Es sagt viel über den Charakter von Balic aus, dass er sich im Spätherbst seiner Karriere eines unreifen Jungen annahm, in dem er offenbar viel Potenzial erkannt hatte. Und es sagt auch viel über Fäth, der bereit war zuzuhören. Aus einem in einigen Bereichen unfertigen Talent, das außerhalb des Handballfelds auch mal unprofessionelle Auftritte hingelegt hatte, wurde ein stabiler Handballprofi.

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"Steffen hat sich zuletzt unheimlich in seiner Persönlichkeit entwickelt, er ist viel erwachsener geworden", sagt Bob Hanning. Der Vizepräsident des deutschen Handballbundes ist gleichzeitig Manager der Berliner Füchse und hat Fäth ab der kommenden Saison in der Hauptstadt unter Vertrag genommen. "Ich bin sehr froh, dass er nach Berlin kommt", sagt Hanning. Er war schneller als viele andere, inzwischen sind auch Europas Top-Vereine an dem ehemaligen Junioren-Weltmeister interessiert.

Vor zwei Jahren war der Rechtshänder noch ein eindimensionaler Spieler, der in gute Wurfpositionen gebracht werden musste, damit seine bis dahin einzige richtig gute Waffe, der Torschuss, zur Geltung kam.

Das ist nun anders: In den Partien von Breslau sorgte er mit traumhaften Anspielen an den Kreis für Aufsehen. Gegen Dänemark, als den Deutschen der Sprung ins Halbfinale gelang, erzielte er sechs Tore mit beeindruckender Dynamik. Für Zuschauer, die im Handball auch eine Kunst sehen, sind zwei Kreisanspiele, eines davon ohne Blickkontakt zu Erik Schmidt, hängen geblieben. Fäth ist ein kompletter Spieler geworden.

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Und einer, der sich nur mit dem maximalen Erfolg zufrieden gibt. "Wenn man ein Halbfinale erreicht hat, will man noch zwei Spiele gewinnen. Alles andere würde keinen Sinn machen", sagt Fäth vor dem Spiel am Freitag (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ZDF) gegen Norwegen. Die gesamte Mannschaft will jetzt den Titel, und der Mann von der HSG Wetzlar ist einer ihrer auffälligsten Protagonisten.

Ivano Balic wird die Partie entspannt und mit ein wenig Genugtuung verfolgen. Das Genie des Handballs ist ebenfalls in Krakau, er ist inzwischen Koordinator der kroatischen Männer. Einem möglichen deutschen Gegner im EM-Finale.

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insgesamt 18 Beiträge
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1. Breslau
suncilein 28.01.2016
Warum Schreiben sie Breslau???Es heißt schon lange Wroclaw!!
2. Immer schön der Reihe nach
aha-aha 28.01.2016
"Einem möglichen deutschen Gegner im EM-Finale." Davor gibt es noch einen feststehenden Gegner im Halbfinale. Norwegen. Als einzige Mannschaft noch ungeschlagen.
3.
_gimli_ 28.01.2016
Zitat von suncileinWarum Schreiben sie Breslau???Es heißt schon lange Wroclaw!!
Nein, es heißt beides. http://www.welt.de/reise/staedtereisen/article148050832/Breslau-oder-Wroclaw-man-darf-beides-sagen.html Fragen Sie einfach mal einen Polen. Ich bin an der Grenze aufgewachsen und selbst die Polen haben die Stadt Breslau genannt.
4.
j. riesz 28.01.2016
Zitat von suncileinWarum Schreiben sie Breslau???Es heißt schon lange Wroclaw!!
Warum schreiben Sie Mailand? Es heißt schon lange Milano. Viele ausländische Städte haben traditioneller Weise auch deutsche Namen.
5.
_gimli_ 28.01.2016
Zitat von aha-aha"Einem möglichen deutschen Gegner im EM-Finale." Davor gibt es noch einen feststehenden Gegner im Halbfinale. Norwegen. Als einzige Mannschaft noch ungeschlagen.
Nicht wirklich: Island - Norwegen 26:25 (10:11)
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