Deutschlands Handballer nach EM-Aus Sad Boys

Nach dem enttäuschenden Aus bei der Handball-EM gibt es in der deutschen Nationalmannschaft viele Verlierer.

Bongarts/Getty Images

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Plötzlich ging es Schlag auf Schlag: Ferran Solé per Siebenmeter oder David Balaguer aus dem Zentrum - immer wieder jubelte ein spanischer Handballer. Die deutsche Nationalmannschaft brach in der zweiten Halbzeit des entscheidenden Spiels um den Einzug ins Halbfinale völlig auseinander.

Nach knapp 40 Minuten lag der Titelverteidiger mit vier Toren zurück. Dann ging Bundestrainer Christian Prokop volles Risiko: Wie so oft in diesem Turnier ließ er sein Team mit einem siebten Feldspieler attackieren. Das deutsche Tor blieb beim eigenen Angriff leer. Die Taktik ist nachvollziehbar, die Folgen waren in diesem Fall verheerend.

Prokop und das leere Tor

Steffen Fäth und Philipp Weber unterliefen unnötige Ballverluste. Die Spanier verbuchten innerhalb von knapp zwei Minuten drei einfache Treffer aus der eigene Hälfte ins unbesetzte deutsche Tor - 15:22. Die EM war für den Titelverteidiger nach 42 Minuten gegen Spanien de facto beendet. Die kurze Phase steht symbolisch für das Turnier von Bundestrainer Prokop. Er hat viel probiert, und fast alles ging schief.

Der Trainer riskierte bereits vor dem Turnier viel, als er auf die Nominierung Finn Lemkes verzichtete. Sein Plan, flexibel zu verteidigen, scheiterte im zweiten Spiel gegen die robusten Slowenen (25:25), und der Coach war gezwungen, seine Entscheidung mit der Nachnominierung des Abwehrspielers zu korrigieren.

Schlechte Vorbereitung, leichte Fehler

Während des gesamten Turniers fiel die deutsche Mannschaft durch schlechte Spielvorbereitung auf. Auch gegen Spanien war das der Fall. Es ist bekannt, dass der zweimalige Weltmeister besonders über seinen Kreisläufer Julen Aguinagalde ins Spiel kommen will. Obwohl auch die DHB-Auswahl das wissen musste, wirkte sie gerade in der Verteidigung am Kreis hilflos.

Die falsche Einstellung seines Teams muss sich der Bundestrainer ankreiden lassen, für das Aus nach der Hauptrunde ist er aber nicht allein verantwortlich. Ballverluste in Überzahl, Fehlpässe über zwei Meter und freie Würfe neben das Tor - all das darf bei einem Duell um den Einzug ins Halbfinale nicht passieren. In der zweiten Hälfte gegen Spanien lieferte die deutsche Mannschaft eine miserable Leistung ab.

Nach dem Aus ist Zeit für ein Fazit: Wer sind die Enttäuschungen im deutschen EM-Kader? Und gibt es überhaupt einen Lichtblick?



insgesamt 9 Beiträge
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oliver.rockstroh 25.01.2018
1. beschämend
die Leistung des Trainers hat die Mannschaft verunsichert. die Auswahl der Startmannschaft ebenso. Man hat auch in den Auszeiten sehen können dass Herr P. absolut keinen Draht zur Mannschaft hat. sicher verlieren die Männer auf der Platte vorrangig. dennoch ist dieser Trainer für dieses Potential dieser Spieler definitiv der Falsche
Heike Friedrich 25.01.2018
2. Erschreckend die Spielweise
Man kann ausscheiden! Die Frage ist aber wie! Und das war diesesmal sehr kläglich! Aber das war im Vorfeld schon zu erkennen! Lemke zu Hause zu lassen war ein großer Fehler. Und dann die TaktikQ! Wir spielten im Prinzip mit 4 Feldspieler. Die beiden Außen wurde doch überhaupt nicht in das Spiel einbezogen. Damit hatte die gegnerische Deckung es leicht! Nur aus dem Rückraum ist kein Spiel zu gewinnen! Sie machten in der Mitte dicht und das wars! Der Trainer wurde zu leicht befunden!
carinanavis 25.01.2018
3. wie war das denn
vor einem Jahr bei der WM 2017? Da schied die Mannschaft wohl alle begeisternd im Achtelfinale gegen Katar aus und wurde am Ende 9. Offenbar war da aber alles super-super, jedenfalls mag sich niemand daran erinnern. Nur die EM vor zwei Jahren zum Maßstab zu machen (und noch die Bronzemedaille bei Olympia 2016) ist sinnlos. Auch Sigurdssons erstes Turnier, die WM 2015 war durchwachsen. Aber da sich jeder nur an diese eine EM erinnern will und alle Fehler einem etwas unerfahrenen Trainer anlasten will ...
sheffard 26.01.2018
4. Die Spieler
hatten weder Lust noch Interesse gut zu spielen und zu gewinnen. Dad war so viel tun dass man ihnen keinen Streik vorwerfen kann. Der Bundestrainer muss gehen. Merkwürdig ist aber dass vorher niemand hingeht und fragt ob es Probleme gibt.
verruca 26.01.2018
5. Überfordert
Die beiden Außen standen einfach nur dumm rum und wurden nicht mit eingebunden. Und es schien sie noch nicht mal wirklich zu stören! Die Halbspieler im Rückraum gingen mittig auf ihren jeweiligen Verteidiger und passten dann in höchster Not auf die Mitte die keine bessere Idee hatte, als das Ding zum anderen Halb zu passen. Dann ein Kreuz und der Käse begann von vorn. Grausam! In der zweiten Halbzeit gegen Spanien noch potenziert durch billigste Abspielpatzer sowie technischer Abgründe beim Fangen, Dribbeln ... Grausam! Klar war Prokop keine Hilfe indem er in seinen Timeouts wortreich irgendeinen läppischen Spielzug erklärte statt grundlegende Dinge zu richten. Bei gut eingespielten Mannschaften von Format reicht ein "Kiel 3" und alle Spieler wissen was zu tun ist. Da braucht's kein Brett mit Magnetstöpseln. Die restlichen 55 Sekunden hätte man dann über wichtigeres sprechen können. Grundlegende Ansagen wie höher/tiefer Rangehen, Passwege unterbinden vs. direkt nach dem Passfang draufgehen, Kreuzen unterbinden oder zulassen und dabei den Kreis dichtmachen ... was auch immer! Halt irgendeine sinnvolle Verfahrensanweisung statt nur blöd alle 20 Sekunden was von "volle Pulle" zu blubbern. Das war auf allen Ebenen schlimm. Angefangen vom völlig überforderten Trainer über zahnlose Rückraumgranaten bis hin zu unserem Superstar, der jeden zweiten 7m oder Tempogegenstoß sonstwohin ballerte und obendrein so manchen eklatanten Abwehrschnitzer präsentierte.
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