Handballbundestrainer Prokop Nur noch weg hier

Nach dem EM-Aus der deutschen Handballer richten sich die Blicke auf Nationaltrainer Christian Prokop: Der Coach hat mit dazu beigetragen, das Team zu verunsichern.

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Aus Varazdin berichtet Michael Wilkening


Es ist im Rückblick schwer zu sagen, wann genau die Entfremdung zwischen Christian Prokop und den Spielern der deutschen Handball-Nationalmannschaft begonnen hat. Vieles spricht aber dafür, dass sie Anfang Januar in der Kabine der Ratiopharm-Arena in Neu-Ulm eine nicht mehr zu kontrollierende Dynamik bekommen hat.

Mit dem Verzicht auf Abwehrchef Finn Lemke, einem der Anführer der "Bad Boys", den der Bundestrainer in Neu-Ulm nach dem finalen Testspiel vor der Europameisterschaft aus dem Kader strich, bildeten sich Risse zwischen Trainer und Team. Die sind mittlerweile so tief, dass es schwierig erscheint, sie wieder zu kitten. Das Scheitern bei der EM ist auch darin begründet.

Am Donnerstag saß Prokop ein letztes Mal bei diesem Turnier im Besprechungsraum des Teamhotels in der Nähe von Varazdin. Neben ihm hatten rechts Bob Hanning und links Andreas Michelmann Platz genommen. Der Trainer wurde vom Vizepräsidenten und Präsidenten des Deutschen Handballbundes förmlich in die Zange genommen. Dabei handelte es sich nicht um eine bewusste Botschaft, aber die Formation hatte symbolischen Charakter.

Der Handballlehrer fühlte sich denn auch sichtlich unwohl, von Minute zu Minute des Gesprächs zeichnete sich die Verunsicherung deutlicher in seinen Gesichtszügen ab. Als die Runde offiziell beendet war, suchte der 39-Jährige fluchtartig den Ausgang. Der Trainer wollte nur noch weg.

Hanning sagt, es gebe "kein Weiter-so"

Das 27:31 gegen Spanien im letzten Hauptrundenspiel und die katastrophale Vorstellung in der zweiten Halbzeit am Vorabend hatten den Druck auf den Bundestrainer noch einmal deutlich erhöht. Ein "Weiter so" werde es nicht geben, hatte Hanning ein paar Stunden vorher angekündigt. Und es war klar, dass es auch darum gehen wird, ob Prokop der richtige Mann ist, um die ehrgeizigen Ziele des Verbandes umzusetzen.

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"Die gleichen Zeitungen, die jetzt hier sitzen, haben mich vor ein paar Monaten als Messias bezeichnet, als Julian Nagelsmann des Handballs", sagte Prokop, als er darauf angesprochen wurde, ob er einen Rücktritt aus freien Stücken ausschließen könne. Der Trainer war gereizt, gleichzeitig aber nicht bereit, Fehler wie den der Nichtnominierung Lemkes einzugestehen. "Ihn vor dem Mazedonien-Spiel zu holen, war wegen des Gegners eine richtige Korrektur", sagte Prokop - eine vorherige Fehleinschätzung wollte er damit nicht zugeben.

Der Bundestrainer hat in den zurückliegenden zwei Wochen viele Themen nicht richtig gelöst. So etwas muss man einem Novizen auf internationalem Niveau wohl zugestehen, doch der Umgang mit Fehlern sorgte intern für Ärger. Der Trainer wolle immer das letzte Wort haben, immer die Entscheidungshoheit behalten und alles vorschreiben, ist aus dem Kreis der Spieler zu hören. Im Moment äußert diese Kritik niemand öffentlich, die Mannschaft befeuert die Debatte noch nicht - doch das kann sich ändern.

Prokop hat sich auch als lernfähig gezeigt

Der Trainer, mit einem Vertrag bis 2022 ausgestattet und für eine Ablöse von etwa 500.000 Euro vom SC DHfK Leipzig losgeeist, hat nicht alles falsch gemacht. Er war bereit, Fehleinschätzungen zu korrigieren. Prokop holte Lemke in den Kreis der Mannschaft zurück, er rückte nach einer kleinen Meuterei von seinem Abwehrkonzept ab und entschied sich für weniger personelle Wechsel während der Spiele. Das ist grundsätzlich positiv. Bezeichnend ist, dass die Auftritte der Deutschen mit jeder kleinen Abkehr von seiner Herangehensweise stabiler und besser wurden.

Bei einem aufstrebenden Verein wie Leipzig hat Prokops Arbeitsweise funktioniert, weil er dort Strukturen aufbaute und es für die Spieler und die Mannschaft eine klare Entwicklung gab. Sein Stil, möglichst jedes Detail bestimmen zu wollen, zog weniger Missmut nach sich. Die Nationalmannschaft hingegen war vor ihm bereits erfolgreich, sodass er mit seinem Hang, vieles neu machen zu wollen, erst auf Verwunderung, später auf Unverständnis und irgendwann in Teilen auf Ablehnung stieß.

"Das Ziel ist, mit dem Trainer weiterzuarbeiten", sagte Hanning, aber der DHB-Vize erklärte auch: "Es gibt unverhandelbare Visionen." Im kommenden Jahr bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land und ein Jahr später bei den Olympischen Spielen sind Medaillen das Mindestziel, möglichst sollen es goldene werden. Hanning klang nicht so, als sei er fest davon überzeugt, an den Zielen festhalten zu können, um die Visionen nicht zu gefährden.



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Lankoron 25.01.2018
1. Die Auftritte der Mannschaft
wurden stabiler und besser? Darf ich fragen, was sie gesehen haben? Der Auftritt im ersten Spiel war über weite Strecken gut, danach ging es deutlich bergab. Was sich im Spiel gegen die Spanier richtig zeigte und das Aus bedeutete. Hier sollten sich ganz andere fragen, die den Trainer bereits vor dem Turnier demontierten, und ihn durch mediale Kritk und heimliche ANgriffe durch Spieler und Offizielle des DHB unterminierten und ihn jetzt zur Disposition stellen. Aber anscheinend hat der DHB genug Geld. Neben einer Ablöse an den DHFK jetzt auch noch eine Ablöse für einen noch 4 Jahre laufenden vertrag zu zahlen...viel Spass.
patschel 25.01.2018
2. Trainer?
Ja, es ist richtig, dass Prokop lernfähig ist. Das reichte jedoch nicht, um die in jedem Spiel nervös auftretende Mannschaft zu beruhigen. Durch alle Spiele zog sich eine riesige Unsicherheit, insbesondere nicht im Angriffspiel, wenn der Gegner mit einer aktiveren, offenstehenden Deckung agierte. Hier hat der Trainer kein Rezept gefunden, welches die verunsicherte Mannschaft sicherer hätte machen können.
heulerhund 25.01.2018
3.
Kann nicht sagen,dass ich über das Ausscheiden Deutschlands traurig bin. Im Gegenteil! Die ganze hektische Berichterstattung, die deutsche Brille, durch die alles gesehen wurde, z.B. nicht zuzugeben, dass Slowenien gegen uns regelrecht verschaukelt wurde (nicht nur in den letzten 2 Sekunden). Der Einfluss Deutschlands in der IHK muss gewaltig sein (Wildcarte). Man stelle das sich doch mal in der ach so korrupten Fifa vor: Statt Australien fahren Italien oder die Niederlande (sind wahrscheinlich stärker als die Aussies) zur WM! Oder die selbstverständliche Sendezeit des "Endspiels" Ger - Spanien! War eigentlich als 2.Spiel angesetzt. Mit welcher Hype wurde die Frauen-Heimwm angekündigt, die nach dem Ausscheiden unserer Mannschaft gar nicht mehr stattfand. Die Tagesschau hatte am Tag des Endspiels keine Sekunde Sendeplan übrig. So ist es auch diesmal, kein Interesse mehr. Ist das Objektivität oder ist meine Schadenfreude gerechtfertigt?
dulefan 25.01.2018
4. Hektik
Erschreckend fand ich die Ansprache in der Auszeit des Spanien-Spiels nach ca. 40 Minuten, als die deutsche Mannschaft erstmals mit vier Toren hinten lag. Statt beruhigend einzuwirken und das Team zu stabilisieren, hat Prokop Panik verbreitet, indem er den siebten Feldspieler brachte. Man muss so einen Rückstand ja nicht sofort aufholen, aber vermeiden, dass der negative Lauf fortgesetzt wird. Und das ging sowas von in die Hose. Prokop wirkte nie als Gleichberechtigter, sondern fast als Bittsteller innerhalb der Mannschaft. Wenn sich das nicht ändern lässt, kann er den Job nicht weitermachen.
Karl Nörgeler 25.01.2018
5. Wie kann
ein Trainer, dessen Mannschaft sich in einem Abschnitt viele technische Ballverluste leistet, da noch den Torwart rausnehmen? Eine bessere Einladung für die Spanier gab es gar nicht. Von diesen schnellen drei Toren haben wir uns nicht mehr erholt. @heulerhund: wo bitte, wurde Slowenien gegen uns verschaukelt? Sie haben schon das richtige Spiel gesehen? Und natürlich soll bei einer EM auch durch die deutsche Brille geschaut werden, durch welche denn sonst? Glauben Sie wirklich, die Kroaten z. B. würden nicht durch die kroatische Brille schauen? Aufwachen.
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