Handball-EM Deutschland erstmals Europameister

Über 20 Jahre haben die deutschen Handballer auf einen großen Titel warten müssen. Bei der EM in Slowenien gelang endlich der Coup. Im Finale hatte das Team von Bundestrainer Heiner Brand gegen die Gastgeber keine Probleme.


Christian Zeitz setzt sich gegen den Slowenen Ognjen Backovic durch: Der EM-Titel ist der größte deutsche Erfolg seit 1980, als das DDR-Team Olympiasieger wurde
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Christian Zeitz setzt sich gegen den Slowenen Ognjen Backovic durch: Der EM-Titel ist der größte deutsche Erfolg seit 1980, als das DDR-Team Olympiasieger wurde

Ljubljana - Nach der Schlusssirene brach bei den deutschen Spielern unbeschreiblicher Jubel aus. Trotz der Strapazen nach acht Spielen in elf Tagen tanzten und sprangen sie ausgelassen auf dem Parkett in der mit 7000 Zuschauern ausverkauften Halle Tivoli und sangen den alten Queen-Gassenhauer "We are the champions" aus vollen Kehlen. Die Siegerehrung war der Startschuss zu einer langen Nacht. Noch am Abend sollte Bundestrainer Brand sein Markenzeichen, den Schnauzbart, opfern müssen.

"Seit 1989 kämpfe ich in der Nationalmannschaft. Jetzt bin ich endlich oben. Das ist eigentlich Wahnsinn", sagte der völlig erschöpfte Lemgoer Kreisspieler Christian Schwarzer. Die Rolle des Olympia-Favoriten nehme die Mannschaft gern an: "Damit haben wir kein Problem." - "Ich kann es nicht glauben. Beinahe wären wir in der Vorrunde ausgeschieden, und jetzt sind wir Europameister", beschrieb Schwarzers Vereinskollege Florian Kehrmann seine Gefühle, der mit neun Toren maßgeblichen Anteil am Finalerfolg hatte. Spielmacher Daniel Stephan (8/4) meinte nur: "Wir haben es einfach verdient."

Glückwunsch aus Berlin


Sogar Bundesinnenminister Otto Schily hatte mitgefiebert und gratulierte kurz nach dem Abpfiff: "Ein Riesenkompliment an die Mannschaft, die eine großartige Partie gespielt hat. Das war eine tolle Mannschaftsleistung. Glückwunsch an Heiner Brand und sein Team. Das ist ein hervorragender Auftakt für Deutschland im Olympia-Jahr 2004."

Das DHB-Team bestimmte im Finale ab der ersten Führung (3:2/4.) das Spiel mit Routine, Abgeklärtheit und Disziplin. Beim 16:10 zur Halbzeit hatte die Mannschaft erstmals einen Sechs-Tore-Vorsprung. Auch nach dem Wechsel spielte das Team hochkonzentriert weiter, so dass der Sieg nicht mehr ernsthaft in Gefahr geriet. Nur kurz nach der Pause schrumpfte der Vorsprung kurzzeitig auf drei Tore. "Wir waren einfach einmal dran", sagte Linksaußen Stefan Kretzschmar (Magdeburg), der wie auch der Anfang der Woche am Meniskus operierte Regisseur Markus Baur (Lemgo) mit dem Auto extra zum Finale angereist war.

"Ich bin stolz auf diese Mannschaft"


Neben 40.000 Euro von der Europäischen Handball-Föderation (EHF) kassierten die deutschen Spieler für den Triumph 10.000 Euro, die ein Sponsor ausgelobt hatte. Zudem ist die Nationalmannschaft, in deren EM-Vorbereitung der DHB seit Januar 100.000 Euro investierte, bereits für die WM 2005 in Tunesien und die EM 2006 qualifiziert. EM-Dritter wurde erneut Dänemark durch einen 31:27 (15:14)-Erfolg im "kleinen Finale" gegen Weltmeister Kroatien. Das Spiel um Platz fünf gewann Olympiasieger Russland mit 28:26 (14:11) gegen den WM-Dritten Frankreich.

Deutschlands Handballer feiern ihren ersten EM-Titel
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Deutschlands Handballer feiern ihren ersten EM-Titel

"Das ist eine herausragende Leistung der Mannschaft, dass sie zum dritten Mal das Finale erreicht hat. Wir sind die einzigen, die dies drei Jahre hintereinander geschafft haben, im Finale zu stehen. Das überrascht mich schon. Ich bin stolz auf die Mannschaft", lobte Brand seine Akteure. "Die deutsche Mannschaft bestimmt die Weltspitze", urteilte DHB-Präsident Ulrich Strombach über die Leistung der Auswahl. Dies drückte sich auch in der Wahl von Torhüter Henning Fritz und des Lemgoer Rückraumspielers Volker Zerbe in das Allstar-Team aus.

Sloweniens Nationaltrainer Tone Tiselj, dessen Mannschaft in der Hauptrunde eine herbe 24:31-Schlappe gegen das deutsche Team erlitten hatte, stichelte angesichts zweier verlorener Endspiele vor dem Finale gegen das Brand-Team. "Deutschland hat zwei Finals verloren. Ich kann nur sagen: Finals spielt man nicht, Finals gewinnt man", meinte er noch auf der Pressekonferenz, nachdem Slowenien im Halbfinale Weltmeister Kroatien mit 27:25 bezwungen und sich damit den letzten freien Olympia-Platz gesichert hatte. Nach dem Finale musste er den verdienten Sieg der Deutschen anerkennen.

Deutschland - Slowenien 30:25 (16:10)
Deutschland: Fritz (THW Kiel), Ramota (TBV Lemgo); Kehrmann (9), Stephan (8/4/beide TBV Lemgo), Hens (6/HSV Hamburg), Schwarzer (2), Zerbe (2/beide TBV Lemgo), Jansen (2/HSV Hamburg), Zeitz (1/THW Kiel)
Slowenien: Lapajne, Podpecan, Skof - Backovic, Vugrinec (6), Kastelic (1), Kavticnik (5), Bedekovic, Tomsic (1), Simonovic (1/1), Pajovic (3), Ficko, Zorman (4), Lubej (4)
Schiedsrichter: Hansson/Olsson (Schweden)
Zuschauer: 7000
Strafminuten: 2 / 6



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