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DHB-Sieg gegen Ungarn: "Wir wollen ins Halbfinale"

Aus Breslau berichtet Michael Wilkening

Handball-EM: Deutschlands Traum vom Halbfinale lebt Fotos
Getty Images

Schon wieder ein Sieg: Die deutschen Handballer haben bei der EM in Polen die Zwischenrunde mit einem Erfolg begonnen. Weil der Olympia-Vierte Ungarn ohne jede Chance war, stellt sich immer dringender die Frage: Wie weit kann dieses Team kommen?

Im August 2020 soll der Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Tokio eine Entwicklung im deutschen Männer-Handball abschließen, die im Sommer 2014 mit der Inthronisierung von Bundestrainer Dagur Sigurdsson begann. Diese Vorgabe wiederholt Bob Hanning dieser Tage gerne. Doch inzwischen ist dem Vizepräsidenten des deutschen Handballbundes bewusst geworden, dass schon die Gegenwart eine Chance bietet, bleibende Erfolge zu landen.

"Die Dramaturgie ist jetzt wie für uns gemacht", sagte Hanning nach dem deutlichen 29:19-Sieg gegen Ungarn im ersten Spiel der Hauptrunde der Europameisterschaft. Der starke Mann im deutschen Handball wagte unmittelbar nach dem Sieg den Ausblick auf die beiden ausstehenden Partien der Hauptrunde gegen Russland am Sonntag und Dänemark am Mittwoch. Es ging Hanning nicht mehr um eine Entwicklung, es ging ihm um die Chance, ins Halbfinale einzuziehen. Siege in diesen Partien würden den größten Erfolg seit der EM 2008 bedeuten. Hanning geht davon aus, dass es der Mannschaft entgegen kommt, dass sich das Niveau ihrer Kontrahenten nun kontinuierlich steigert. Seine Begründung: "Wir werden ja auch immer besser."

Und dieses Wissen macht selbstbewusst. Die Frage nach den Grenzen für die deutsche Mannschaft konnte nach dem Sieg gegen Ungarn, immerhin Vierter bei den Olympischen Spielen vor dreieinhalb Jahren, trotzdem nicht geklärt werden. "Das ist im Moment nicht absehbar", entgegnete Schmidt auf die Frage, wo er den Scheitelpunkt der Leistungskurve erwartet. Auf die Frage nach den Zielen der deutschen Mannschaft gab er hingegen ein deutliches Statement ab: "Wir wollen alle ins Halbfinale, ganz klar. Es wäre gelogen, wenn jemand was anderes behauptet."

Eine gute Leistung aller

Beim zu keinem Zeitpunkt gefährdeten Erfolg gegen die Ungarn stützten die Spieler diese These, denn sie zeigten die beste Leistung im Turnierverlauf, weil sie wiederholt eine bewegliche und dennoch körperlich starke Abwehr stellten, und zusätzlich im Angriff beeindruckend abgeklärt agierten. Diese perfekte Symbiose war bei den Spielen von Breslau noch nicht geglückt. Kein Einzelner musste über sich hinauswachsen, eine gute Leistung aller reichte, um einen Gegner zu dominieren, der von Sigurdsson im Vorfeld als "Team auf Augenhöhe" deklariert worden war. Genau das zeichnet Spitzenmannschaften aus.

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EM-Chancen des DHB

Wie weit können die deutschen Handballer kommen?

Talant Duschebajew überrascht diese Entwicklung nicht. "Deutschland, Dänemark und Spanien befinden sich auf Augenhöhe", sagte der ungarische Coach mit Blick auf die besten Teams der Hauptrundengruppe B. Einer der erfolgreichsten Trainer der vergangenen zehn Jahre stufte die DHB-Auswahl damit in den Kreis der Medaillenanwärter bei dieser Europameisterschaft. Für den Spanier mit kirgisischen Wurzeln hat Deutschland kein Team, das in ein paar Jahren "sexy" sein kann, sondern das schon jetzt bereit für einen Vergleich mit den besten Mannschaften in Europa ist. Dimitri Torgowanow sieht es ganz ähnlich. "Diese Mannschaft ist hungrig und will der ganzen Welt zeigen, was sie kann", sagt der Trainer der Russen, am Sonntag nächster Gegner der DHB-Auswahl.

Andreas Wolff, der inzwischen wie selbstverständlich als Nummer eins im deutschen Tor steht, keine Ansprüche auf einen Posten im diplomatischen Dienst stellt und deshalb sinnbildlich für das deutsche Team steht, trägt die Gelassenheit eines Siegers vor sich her. Auf die Frage, wie sein Bauchgefühl für den weiteren Turnierverlauf sei, sagte Wolff: "Dass wir alles gewinnen." Entschlossen wirkte der Mann von der HSG Wetzlar in diesem Moment. Natürlich.

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