DHB-Sieg gegen Tschechien Nur nicht nach dem Wie fragen

Das deutsche Handballteam quälte sich zum Sieg über Tschechien - bedanken konnte es sich bei den Torleuten und einem treffsicheren Angreifer. Alles wichtige zum Hauptrundenauftakt der EM.

Irgendwie den Sieg reingemurmelt
Bongarts/Getty Images

Irgendwie den Sieg reingemurmelt

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Ausgangslage des Spiels: Ein Rückraumspieler der deutschen Auswahl heißt bekanntlich Drux, doch das Wort vor dem Spiel hieß Druck. Nach zwei Unentschieden aus der Vorrunde im Gepäck ging es in die Hauptrunde - noch ein Ausrutscher, und das war es mit dem angepeilten Halbfinalziel. Und die Stimmung im deutschen Team unter Trainer Christian Prokop war, so hörte man, in der Geschichte des DHB auch schon mal besser.

Ergebnis des Spiels: 22:19 für die DHB-Auswahl. Nach Pausenrückstand von 9:10. Erleichterung ist ein verharmlosendes Wort. Zum Spielbericht geht es hier.

Die erste Hälfte: Zäh, sehr zäh. Wie schon gegen Slowenien und Mazedonien kam die DHB-Sechs nicht ins Spiel. Prokop versuchte es in seinem steten Rotationsprinzip diesmal mit Kai Häfner anstelle des zuletzt starken Steffen Weinhold von Anfang an. Gebracht hat das wenig. Mitte der ersten Hälfte blieb das Team elf Minuten ohne jeden Treffer. Der Rückstand zur Pause war logisch.

Die zweite Hälfte: Auch nicht viel besser. Aber dank einer diesmal zupackenden Defensive und zwei guten Torleuten kippte das Spiel allmählich zugunsten der Deutschen. Den allenfalls biederen Tschechen ging am Ende zudem die Puste aus. Erst in den letzten fünf Minuten setzte sich die höhere Qualität des deutschen Kaders durch. Endlich. Und sehr spät.

Duell des Spiels: Der schmächtige Ondrej Zdrahala spielte vor nicht allzu langer Zeit noch für den Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen. Bei allem Respekt und trotz der Tatsache, dass Reinhard Mey der Stadt Hamm sogar mal ein sehr schönes Lied gewidmet hat: Es ist nicht die allererste Adresse im europäischen Handball. Nach der Vorrunde war er unvermittelt der Torschützenkönig dieser EM. Gegen die Deutschen nahm er die Herausforderung gegen die zwei Abwehr-Panzerschränke Finn Lemke und Patrick Wiencek an. Der Zweikampf der Gewichtsklassen machte das Spiel dann doch irgendwie sehenswert.

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Deutschlands Sieg gegen Tschechien: Hauptsache gewonnen

Spieler des Spiels: Füchse-Angreifer Steffen Fäth konnte bisher nicht wirklich behaupten, dass dies seine Europameisterschaft war. Gegen die Tschechen war er dann der Matchwinner. Mannschaftsteil des Spiels war die Abwehr, aber ohne die acht Treffer von Fäth, wuchtig aus dem Rückraum erzielt, hätte man diese Partie wohl verloren. Er machte die Arbeit seiner offensiven Teamkollegen mit.

Und die Torhüter? Die waren diesmal zur Stelle. Silvio Heinevetter warf sich 48 Minuten den Würfen der Tschechen entgegen und hatte am Ende eine Bilanz von mehr als 40 Prozent gehaltener Bälle aufzuweisen. Und dennoch: Erst als Andreas Wolff für die letzten zwölf Minuten aufs Parkett kam, nahm die Partie ihre Wende. Dann wurden sogar Siebenmeter gehalten.

Und die Schiedsrichter: "Die kroatischen Schiedsrichter" - das allein ist an sich eine feste Nummer auf der Empörungsskala deutscher Handballfreunde. Aber was soll man sagen: Die Herren pfiffen konsequent jedes Stürmerfoul ab und benachteiligten beide Teams gleichermaßen.

Erkenntnis des Spiels: Das Spiel, das gewonnen werden musste, wurde gewonnen. Nach dem Wie sollte niemand mehr fragen. Mit so einer Leistung gegen Olympiasieger Dänemark oder Vize-Europameister Spanien hat man allerdings wohl keine Chance. Werner Enke würde sagen: Bad Boys, das wird böse enden.



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michlauslöneberga 19.01.2018
1. Hallo?
Nicht immer alles miesepetrig klein reden. Tschechien hat Dänemark und Ungarn geschlagen, das ist keine Faschingstruppe! Mehr Konzentration im Abschluß und der Käse wäre trotzdem deutlich früher gegessen gewesen. Die Torhüter kommen immer besser in's Turnier und puschen sich gegenseitig, Fäth kommt in's Rollen, andere sind schon präsent, das stimmt alles zuversichtlich.
joe.micoud 19.01.2018
2.
Abwarten; so ein Dieg kann auch einen Schub geben. Ein klein erinnert mich der Bericht an die Fusdball-Nationalmannschaft a la "Spätestens gegen xy ist dann aber wirklich Schluss."
aliof 19.01.2018
3. Wertschätzend …
… und aufbauend geht anders. Vielleicht hilft es dem Autor, sich vorzustellen, daß auf Seite der Gegner eine ebenfalls sehr fähige Mannschaft ins Spiel ging. - Auch die wollten ganz gern gewinnen, und sind jetzt leider so ziemlich raus aus dem Rennen. Und an noch einer Stelle widerspreche ich dem überaus abwertenden Duktus des Autors dieses Artikels: es sollte im Rahmen eines solchen Artikels in dieser Turnierphase genau darum gehen: WIE gewonnen wurde. Ich habe einen sehr schlauen Trainer gesehen, der maßgeblich zur richtigen Zeit die richtigen Anpassungen getroffen hat !!! – Und absolut fähige Männer, geduldig Anschluß haltend, und zeit-punktgenau einen kleinen Rückstand in einen uneinholbaren Vorsprung wandelnd.
philipp.zuerich 19.01.2018
4.
Ist wie bei unseren Fussballerinnen. Erst gibt es einen grossen Medienhype und das ewige geheule wie unfair es doch wäre dass die (männlichen) Fussballer so viel mehr bekommen. Dann stolpert man etwas rum und scheidet früh gegen Takatukaland aus. Die anschliessende Häme geht dann leider unter weil endlich wieder Fussball kommt.
bardolino12 19.01.2018
5. Ob der Trainer schlau ist
Wird sich zeigen. Wieder hat er einen klaren Torabschluss mit seiner letzten Auszeit verhindert. Der ausgemachte Kemper zum Schluss ging furchtbar in die Hose. Klar, ich bin Optimist und freue mich über einen Sieg gegen die Dänen am Sonntag. Aber wie heißt es so schön: „ Der Drops ist noch nicht gelutscht“. Da muss schon noch was kommen im Angriff.
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