Zeichen gegen Homophobie Handball-Verband verbietet Regenbogenbinde nun doch

Es sollte ein Zeichen für Toleranz werden: Schwedens Kapitän Tobias Karlsson wollte bei der Handball-EM in Polen mit einer regenbogenfarbenen Kapitänsbinde auflaufen. Die Erlaubnis dazu wurde ihm nun jedoch wieder entzogen.

Schwedens Kapitän Karlsson: "Trage die Binde, bis mich jemand aufhält"
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Schwedens Kapitän Karlsson: "Trage die Binde, bis mich jemand aufhält"


Schwedens Kapitän Tobias Karlsson wollte bei der Handball-Europameisterschaft im erzkonservativen Polen ein Zeichen für Toleranz setzen - mit einer regenbogenfarbenen Kapitänsbinde. Doch daraus wird nichts: Die Turnierleitung entzog Karlsson einen Tag vor dem Turnierstart die Erlaubnis, die Binde zu tragen.

Das Gremium des Europäischen Handballverbands (EHF) teilte am Donnerstagabend mit, dass die Spielführerbinde "als Teil des Trikotsatzes anzusehen" sei und deswegen "eine Farbe oder mehrere Farben der jeweiligen Nation" enthalten müsse. Gleiches gelte auch für Socken, Leggings und Longsleeves. "Unabhängig von unseren eigenen Ansichten zu diesem und anderen Themen ist die EHF nicht in der Position, solche Statements während der Spiele und Veranstaltungen wie der Euro zuzulassen", sagte EHF-Präsident Jean Brihault am Freitag. Er verwies darauf, dass die Gleichheit aller Menschen unabhängig von Rasse, Religion oder sexueller Orientierung in den Statuten verankert sind.

Zunächst hatte die EHF das Tragen der Binde noch erlaubt. Die Regenbogenfahne gilt als internationales Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung.

"Ich trage die Binde so lange, bis mich jemand aufhält", hatte Karlsson, Abwehrchef von Deutschlands zweitem Gruppengegner, dem Sport-Informations-Dienst und der dänisch-deutschen Tageszeitung "Flensborg Avis" gesagt: "Meine Bühne ist nicht Polen, sondern die schwedische Nationalmannschaft. Ich hätte sie auch in Norwegen oder Frankreich getragen."

Das Thema schlug in den polnischen Medien hohe Wellen, Homophobie ist in Polen noch immer ein gesellschaftliches Problem. Bei zahlreichen Handballer-Kollegen kam die Aktion hingegen sehr gut an. Nach Karlssons Vorbild wollten auch der Isländer Gudjon Valur Sigurdsson und der Norweger Bjarte Myrhol bei der EM mit der Regenbogenbinde auflaufen. DHB-Kapitän Steffen Weinhold sagte: "Ich finde es gut, dass er das macht, und unterstütze ihn in seiner Meinung". Auf das jüngste Verbot reagierte Weinholds Nationalmannschaftskollege Patrick Groetzki mit Unverständnis:

Karlsson selbst, der in der Bundesliga bei der SG Flensburg-Handewitt spielt, sagte: "Ich denke, es ist traurig, dass die EHF uns daran hindert zu zeigen, wofür wir in Bezug auf Offenheit, Mitmenschlichkeit und gleiche Werte stehen".

mon/dpa/sid

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