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Deutscher EM-Titel: Der fragile Boom

Aus Krakau berichtet Michael Wilkening

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Siegreiches DHB-Team: "Wir haben heute Sportgeschichte geschrieben"

Es ist die Sensation von Krakau: Ein junges deutsches Team kämpft sich bei der Handball-Europameisterschaft zum Titel. Wird auch die Bundesliga von der Euphorie profitieren?

Selbst in der Allianz-Arena in München war am Sonntagabend Handball das große Thema. Während der FC Bayern in der Bundesliga gegen die TSG Hoffenheim locker und leicht 2:0 gewann, wurden die Zuschauer über die Anzeigetafel immer wieder über die Zwischenstände in Krakau informiert. Nach dem überraschenden Finalsieg gegen Spanien (24:17) gratulierten die Bayern über ihre Social-Media-Kanäle. Genau wie die deutsche Fußballnationalmannschaft, amtierender Weltmeister in der beliebtesten Sportart der Deutschen.

Handball folgt in diesen Tagen direkt dahinter. Zum Turnierstart war das noch unvorstellbar, genau wie der Erfolg der jungen DHB-Mannschaft. Fast 13 Millionen Menschen sahen das Endspiel im Fernsehen, nur beim Gewinn der Heim-WM 2007 schauten sich noch mehr Menschen in Deutschland ein Handballspiel an. "Wir haben heute Sportgeschichte geschrieben", sagte Bob Hanning, Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes. Das ist die eine Wahrheit.

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Deutsche Handballer: Das sind die 18 Europameister
Die andere ist weniger erfreulich. Es ist gerade eine Woche her, dass der HSV Hamburg sein Team aus der Bundesliga zurückgezogen hat. Mit Hamburg verliert der Handball einen seiner wichtigsten Standorte. Die Pleite steht sinnbildlich für die massiven Probleme, die der Sport hat. Bei vielen Klubs der ersten Liga mussten die Budgets in den vergangenen Jahren gekürzt werden, selbst bei sportlich dominierenden Teams wie dem THW Kiel und den Rhein-Neckar Löwen. Es ist schwierig geworden, Spitzenhandball in Deutschland zu finanzieren.

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Europameister Deutschland: Das Wunder von Krakau
DHB-Vize Hanning, gleichzeitig Manager des Bundesligisten Füchse Berlin, kennt die Probleme seiner Sportart. Er hofft jetzt auf einen positiven Effekt durch den EM-Erfolg. Aber wie realistisch sind diese Erwartungen?

Steigende Zuschauerzahlen

Ganz sicher bietet der Titel Chancen. Die Mannschaft trat unerschrocken auf und gab sich außerhalb des Feldes unverbraucht. Spieler wie Torhüter Andreas Wolff oder Abwehrchef Finn Lemke könnten als Vorbilder das Bild des deutschen Handballs in den kommenden Jahren prägen. "Ich habe E-Mails vom fremden Menschen bekommen, die sich bei mir bedankt haben, weil wieder mehr Kinder in ihre Vereine kommen und Handball spielen wollen", sagte Hanning in den vergangenen Tagen.

Eigentlich wollte der DHB bis 2019 ein Team aufbauen, das bei der Heim-WM um den Titel mitspielen kann und ein Jahr später bei den Olympischen Spielen eine realistische Gold-Chance hat. Eine unbekümmerte Mannschaft hat diesen Zeitplan außer Kraft gesetzt - und das gibt dem Handball neue Kraft. Die Zuschauerzahlen in der Liga dürften in den kommenden Monaten steigen, das Interesse bei Sponsoren wird wachsen. Zunächst. Die Handballer brauchen jetzt vor allem Konzepte, damit dieser Effekt bleibt. Die Klubs und der Verband müssen nachweisen, dass sie die Euphorie langfristig nutzen können.

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Deutscher EM-Titel

Kann die Handball-Bundesliga von der Euphorie nach dem Erfolg der Nationalmannschaft profitieren?

Denn die Vereine haben schon nach dem WM-Triumph 2007 erlebt, dass Erfolge der Nationalmannschaft nicht gleichbedeutend mit einem dauerhaften Aufschwung der Sportart sein müssen. Die Basketballer haben das ebenfalls mehrfach erfahren, nach dem EM-Sieg 1993 genauso wie nach den Erfolgen mit Dirk Nowitzki. Und auch wenn das Eishockey-Nationalteam mal wieder überrascht: Liga und Nachwuchs haben selten nachhaltig profitiert.

Fast 13 Millionen verfolgen EM-Finale am TV

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Wenn der FC Bayern in ein paar Wochen im Achtelfinale der Champions League gegen Juventus Turin spielt, wird Handball kein Thema mehr in München sein. Die Europameisterschaft liegt dann ein paar Wochen zurück, und der Handball ist wieder in seine Nische zurückgekehrt. Die Aufgabe der Verantwortlichen in Liga und Verband ist, diese nun Stück für Stück auszubauen.

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1.
MatthiasPetersbach 01.02.2016
Handball ist schwierig zu finanzieren. Und das ist gut so. Einen zweiten Fußball als Tummelplatz von Luschen und leistungslosen Mitverdienern, Marketing und Gedöns brauct niemand. http://www.spiegel.de/sport/sonst/sieg-der-werte-werdet-handballer-a-464225.html Da gibts wenig hinzuzufügen. Alles ist gut.
2.
Laemat 01.02.2016
Den BuLI Spielplan strafen und die Anwurfzeiten nicht wie mit der Gieskanne verteilen und dafür das Angebot ein bisschen verknappen. 8 Spiele in 14 Tagen? 1. Wer soll so oft vor dem Fernseher hängen 2. der Verschleiß an Personal ist extrem hoch Nach der EM ist vor Olympia, vor der WM vor der EM und dazwischen noch CL, Final Four und und und.. Selbst wenn man mal auf ein Spiel im Fernseh stößt muss man den Spielplan suchen um zu sehen, welcher Wettbewerb das gerade ist.
3. Paradoxon
Hans Rosenstein 01.02.2016
Es ist genau umgekehrt. Seit die ausländischen Stars in der Bundesliga nicht mehr zu finanzieren sind, weil diese bei ausländischen Topclubs (Kielce, Vesprem, PSG) auf Grund der Sponsor Finanzierung mehr Geld verdienen, kommen die deutschen Spieler zu wesentlich mehr Einsatzzeiten in der Bundesliga. Den Effekt für die Nationalmannschaft kann man seit letztem Jahr sehen. Vielleicht wird es jetzt ein bisschen schwerer, die CL zu gewinnen, aber ehrlicherweise ist das zu verschmerzen im Vergleich zu dem was der deutsche Handball an sich gewinnt. Mit Zuschauerzahlen von 3.000-10.000 sind keine Millionengehälter zu finanzieren. Macht ja auch nichts. Ich keinen keinen abgestürzten Handballer, der sich im Dschungelcamp bewirbt. Die Freunde aus der Aktivenzeit (OL, RL, 2. Liga) haben es beruflich alle zu etwas gebracht.
4. Besucherzahlen
Butenkieler 01.02.2016
Die Ostseehalle, äh die Sparkassen-Arena in Kiel ist immer ausverkauft. Und das nicht nur bei den Bundesligaspielen, sondern auch den ChampionsLiga-Spielen. Auch die Kampus-Arena in Flensburg erfreut sich großer Beliebtheit. Woran das wohl liegt.
5. mehr Handball im Fernsehen
modellflieger 01.02.2016
Mit der Fernsehsteuer könnten häufiger Handballübertragungen gesendet werden. Die Übertragungen kosten nur die Hälfte, wenn nur ein Sender mit seinem ganzen Hofstaat eine Meisterschaft überträgt. Meinetwegen überträgt ZDF die EM und ARD die WM (oder umgekehrt).
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Handball-Europameister der Männer
Jahr Team (Endspiel-Ergebnis)
2016 Deutschland (24:17 vs. Spanien)
2014 Frankreich (41:32 vs. Dänemark)
2012 Dänemark (21:19 vs. Serbien)
2010 Frankreich (25:21 vs. Kroatien)
2008 Dänemark (24:20 vs. Kroatien)
2006 Frankreich (31:23 vs. Spanien)
2004 Deutschland (30:25 vs. Slowenien)
2002 Schweden (33:31 vs. Deutschland n.V.)
2000 Schweden (32:31 vs. Russland n.2V.)
1998 Schweden (25:23 vs. Spanien)
1996 Russland (23:22 vs. Spanien)
1994 Schweden (34:21 vs. Russland)


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