Siege von Kerber und den Handballern Sie haben es geschafft

Angelique Kerber gewinnt die Australian Open, die deutschen Handballer siegen bei der EM: Der Sport hat an diesem Wochenende gezeigt, wozu er in der Lage ist. Er könnte ein Beispiel geben.

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Jubelnde Handballer: Teamgeist keine hohle Phrase
AP/dpa

Jubelnde Handballer: Teamgeist keine hohle Phrase


An diesem Wochenende haben zwei Sportereignisse so geendet, wie sie eigentlich gar nicht hätten ausgehen dürfen. Angelique Kerber hat gegen die als unbesiegbar geltende Weltranglistenerste Serena Williams die Australian Open im Tennis gewonnen. Und noch ein Stück wundersamer: Die deutschen Handballer haben gegen alle Erwartungen den EM-Titel geholt. Sie haben im Endspiel Spanien besiegt, den Weltmeister von 2013.

Die Spanier sind eine Truppe gespickt mit Routiniers, sie haben schon jede Handballschlacht geschlagen, und die meisten auch für sich entschieden. Die deutsche Mannschaft dagegen reiste zum Turnier nach Polen ohne große Erwartungen der Öffentlichkeit. Geplagt davon, dass einige der Besten schon vor dem Turnier verletzungsbedingt absagen mussten. Ohne den Kapitän Uwe Gensheimer, ohne den erfahrenen Patrick Groetzki, in der Hauptrunde verletzten sich dann noch Ersatzkapitän Steffen Weinhold und Rückraum-Ass Christian Dissinger. Wie sollte das gut gehen?

Und diese Mannschaft, beraubt ihrer Leistungsträger, steigerte sich von Spiel zu Spiel bis hin zum Finale, wo sie ihr Meisterstück abliefert und die Spanier so mürbe machte, dass sich die Favoriten schon Mitte der zweiten Halbzeit demoralisiert in ihre Niederlage ergaben. Und mit dem Torwart Andreas Wolff, der im Finale das Spiel seines Lebens abliefert, wird ein neuer deutscher Sportheld aus der Taufe gehoben.

Die Faszination, die Kraft des Sports, sie hat sich in den Erfolgen von Kerber und den Handballern gezeigt. Dieser Spitzensport, er ist diskreditiert bis ins Mark. Durch Doping, durch Korruption, durch Machtbesessenheit, durch die hohen Herren Funktionäre, die an wenig anderem interessiert waren, als sich die eigenen Taschen zu füllen. Aber selbst Joseph Blatter, Michel Platini, der korrupte Leichtathletik-Boss Lamine Diack, Lance Armstrong und all die anderen Trickser, Doper und Betrüger, sie schaffen es nicht, die Wirkungsmacht solcher magischer Momente wie den Endspielen von Melbourne und Krakau zu zerstören.

Wenn dem vermeintlichen Außenseiter Dinge gelingen, die er sich vielleicht selbst nicht zugetraut hat. Wenn Menschen über sich hinauswachsen. Wenn Teamgeist keine hohle Phrase ist. Und "Die Mannschaft" kein gelackter Marketing-Brand, sondern gelebtes Zusammenspiel.

Man muss das überhaupt nicht überhöhen, man muss das nicht mit Pathos, schon gar nicht mit nationalem Pathos, zukleistern. Aber vielleicht ist der Sport dieses Wochenendes, sind Angelique Kerber und die deutschen Handballer, ja gar kein schlechtes Beispiel dafür, dass aus "Wir schaffen das" ein "Wir haben es geschafft" werden kann.

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Peter Ahrens ist Redakteur im Sportressort von SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Peter.Ahrens@spiegel.de

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Seite 1
tubolix 31.01.2016
1.
Das war jetzt hoffentlich kein Versuch den Sport zu politisieren ? Glückwunsch den Gewinnern.
j.schiffmann 31.01.2016
2.
Man kann nicht mal ein Tennisturnier und eine Handball-EM gewinnen, ohne das einer den Erfolg für die Flüchtlingskrise ausschlachtet! Echt arm...
peter.paechnatz 31.01.2016
3. Der Sieg eines positiv denkenden Team
Ich selber habe 18 Jahre Handball gespielt und mehrere Auftstiege und Meisterschaften gewonnen. Ich kenne die unglaublichen Glücksmomente, die unsere Mannschaft jetzt erlebt. Aber noch viel wichtiger ist etwas, was das ganze Leben bleibt: Lernen und Leben im Team, das an jeden glaubt uns sich gegenseitig unterstützt, entfaltet in dir das grösste Potential. Wann kommt das mal in den Führungsetagen von Politik und Wirtschaft an?!!!
tobih 31.01.2016
4. Den letzten Satz...
...hätte man sich sparen können: Der Vergleich hinkt gewaltig: hier haben Sportler gewonnen, die wissen, was sie können (ABER: auch was sie eben nicht können), die einen Plan hatten und haben, die fokusiert sind. Trifft das auf die Flüchtlingspolitik zu?? Wäre mir neu... Ein Sportler, der chaotisch-emotional ein wichtiges Spiel angeht und sich dazu noch überheblich überschätzt, raten sie mal, was mit dem passiert? genau: der wird verlieren. So sicher wie das Amen in der Kirche
herrmüllermeierschmitz 31.01.2016
5.
Genau!
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