Zeichen gegen Homophobie Schweden-Kapitän Karlsson sorgt für Aufregung

Der Schwede Tobias Karlsson will bei der Handball-EM im erzkonservativen Polen mit einer regenbogenfarbenen Kapitänsbinde auflaufen. Dies entfacht Diskussionen - die Fahne gilt als Symbol der Homosexuellen-Bewegung.

Schweden-Kapitän Karlsson: "Trage die Binde, bis mich jemand aufhält"
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Schweden-Kapitän Karlsson: "Trage die Binde, bis mich jemand aufhält"


Rechtsruck, diplomatische Verwerfungen, politischer Druck auf kritische Medien: Die jüngsten Entwicklungen in Polen sind besorgniserregend. In diesem Spannungsfeld wird kurz vor der Handball-Europameisterschaft eine Aktion des schwedischen Kapitäns Tobias Karlsson heiß diskutiert.

Der Abwehrchef von Deutschlands Gruppengegner Schweden will ein "starkes Zeichen für Toleranz und Gleichbehandlung aller Menschen" setzen und wird bei den Spielen in Polen (15. bis 31. Januar, Liveticker SPIEGEL ONLINE) mit einer regenbogenfarbenen Kapitänsbinde auflaufen. Die Fahne gilt als internationales Symbol der Homosexuellen-Bewegung.

"Ich trage die Binde so lange, bis mich jemand aufhält", sagte Karlsson und betonte im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst und der dänisch-deutschen Tageszeitung "Flensborg Avis": "Meine Bühne ist nicht Polen, sondern die schwedische Nationalmannschaft. Ich hätte sie auch in Norwegen oder Frankreich getragen."

Während das Thema in den polnischen Medien hohe Wellen schlägt, kommt die Aktion des aktuellen Kapitäns der SG Flensburg-Handewitt bei vielen Handballern gut an - auch in der deutschen Mannschaft.

Karlsson äußerte bereits Kritik an der Handball-WM in Katar

"Ich finde es gut, dass er das macht, und unterstütze ihn in seiner Meinung", sagte DHB-Kapitän Steffen Weinhold. Auch Polens deutscher Nationaltrainer Michael Biegler unterstützt Karlsson. "Grundsätzlich schätze ich Menschen sehr, die ein klares und offenes Weltbild haben und sich dafür auch einsetzen", sagte Biegler.

Homophobie ist in Polen noch immer ein gesellschaftliches Problem. Und so wird mit Spannung die Reaktion der polnischen Zuschauer erwartet, wenn Karlsson am Samstagabend in der Jahrhunderthalle in Breslau zum schwedischen EM-Auftakt gegen Slowenien aufläuft.

Karlsson macht sich um solche Dinge keine Gedanken. Er sagt, was er denkt - und äußert sich auch politisch. Mit Kritik an der Weltmeisterschaft in Katar sorgte der 34-Jährige für Aufsehen, als er die Praxis der gekauften Fans mit scharfen Worten ("Das ist ja krank") öffentlich anprangerte.

Sorgen macht sich der Schwede nur um sein Team. "Ich habe die Nationalmannschafts-Leitung gebeten, zu prüfen, ob es Regularien für Strafen wie Punktabzüge in dieser Sache gibt", sagte Karlsson. Inzwischen gab der europäische Handballverband EHF grünes Licht.

Die Idee zu Karlssons aktueller Initiative stammt übrigens von Johan Jepson. Der Spielführer des schwedischen Erstligisten Kristianstad läuft bereits seit Saisonbeginn mit einer bunten Kapitänsbinde auf. "Er hat mich im Herbst gefragt, ob ich sie auch in der Nationalmannschaft tragen würde - und das mache ich sehr gerne", sagte Karlsson. Es sei eine "findige und kluge Art und Weise, die Werte des schwedischen Handballs zu vermitteln".

jan/sid



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