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Handball-Nationalmannschaft: Füchse-Coach Sigurdsson soll neuer DHB-Trainer werden

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Trainer Sigurdsson: Schon einmal erfolgreich in der Doppelfunktion

Der deutsche Handball-Bund scheint seinen neuen Nationaltrainer gefunden zu haben: Dagur Sigurdsson soll die Nachfolge von Martin Heuberger antreten. Der Isländer trainiert derzeit noch den Bundesligisten Füchse Berlin.

Der Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB) hält sich in der Öffentlichkeit weiter zurück. Nein, sagt Bernhard Bauer, man werde in der Frage des neuen Bundestrainers "erst eine Nachricht geben, wenn alle Gespräche abgeschlossen sind".

Dennoch steht der Nachfolger von Martin Heuberger, der im Juni in den WM-Playoffs an Polen gescheitert war, nach Informationen von SPIEGEL ONLINE intern bereits fest: Dagur Sigurdsson, Coach des Bundesligisten Füchse Berlin, soll die DHB-Auswahl aus der Krise führen. "Die Sache ist längst klar", sagt ein Eingeweihter.

Die Trainersuche beschäftigt den Verband nun schon über einen Monat. Beim Casting des DHB hatten es drei Kandidaten in die engere Auswahl geschafft, neben Sigurdsson noch Ljubomir Vranjes, Coach des Champions-League-Siegers SG Flensburg-Handewitt, und Noka Serdarusic, dessen grandiose Erfolge mit dem THW Kiel indes schon sechs Jahre zurückliegen.

Vranjes ist keine echte Option mehr, nachdem sein Klub erklärt hat, der Schwede werde seinen Vertrag bis 2017 erfüllen. Eine derart langfristige Doppelfunktion aber findet nicht die Zustimmung der Liga. "Eine gewisse Übergangsfrist wird man in Kauf nehmen müssen", sagt Uwe Schwenker, der Präsident der Handballbundesliga (HBL). "Langfristig aber ist eine Doppelfunktion keine Lösung. Für eine Doppelfunktion über zwei oder drei Jahre wird es keinen Konsens geben." Vranjes soll, so heißt es, ohnehin bereits eine Absage erteilt haben.

Der Nationaltrainer soll junge Talente an die Weltspitze führen

Serdarusic war von DHB-Vizepräsident Bob Hanning, der mit der Bundestrainersuche beauftragt ist, nur schwer durchzusetzen. Der 63-Jährige hat in seiner Zeit beim THW Kiel keine deutschen Talente entwickeln können (Christian Zeitz und Dominik Klein waren vorher schon Nationalspieler) - das aber ist eines der wichtigsten Kriterien für den neuen Trainer: Dass er hochtalentierte Jung-Profis wie Hendrik Pekeler, Finn Lemke (beide Lemgo) oder Tim Suton (Rhein Neckar Löwen), der gerade in Österreich um die U20-Europameisterschaft kämpft, in der Nationalmannschaft an die Weltspitze führt.

Der Isländer Sigurdsson bewies in den vergangenen Jahren in der Bundesliga mit Nachdruck, dass er es durchaus versteht, junge Profis wie Paul Drux und Fabian Wiede nachhaltig weiterzuentwickeln. Beide spielten im April eine wichtige Rolle, als die Füchse den DHB-Pokal gewannen. Der 215-malige Nationalspieler, als Spieler wie als Trainer ein Heißsporn, ist in dieser Hinsicht mit Vranjes der geeignetste Kandidat. Das Fernziel des deutschen Handballs, die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio, ist jedenfalls für Sigurdsson enorm reizvoll.

Sigurdsson bewältigte Doppelfunktion schon einmal erfolgreich

Auch erfüllt der 41-Jährige das Kriterium, nach einer kurzen Übergangsfrist als hauptamtlicher Bundestrainer zu arbeiten: Sein Vertrag bei den Füchsen Berlin läuft bis Sommer 2015. Eine derartige Doppelfunktion erledigte er schon einmal mit Bravour, als er die österreichische Nationalmannschaft bei der EM 2010 in die Hauptrunde führte.

Das Rätsel, warum die Bundestrainersuche sich so dehnt, ist handballpolitisch zu erklären. Bob Hanning, der neben seinem DHB-Amt auch Manager der Füchse Berlin ist, will unbedingt den Eindruck vermeiden, er wolle den DHB mit Sigurdsson "berlinerisieren". Hannings Forderung, alle deutschen Vorrundenspiele bei der Heim-WM 2019 müssten in Berlin stattfinden, war auf heftige Kritik im Verband gestoßen. Deswegen verhandelt der Funktionär nun so lange, bis die Bundesliga und auch die Landesfürsten die Lösung Sigurdsson als logisch empfinden.

Sigurdsson selbst sagte der "B.Z.", er werde das auch nicht kommentieren", der DHB "soll in Ruhe einen Nachfolger suchen und finden". Auch sein Manager Wolfgang Gütschow hält sich bedeckt. "Kein Kommentar", sagt er, will aber die Personalie auch nicht dementieren.

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insgesamt 4 Beiträge
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1. schummler
xcountzerox 01.08.2014
diese schummler sollte man schlicht boykottieren. die schande mit dem betrug an den australiern und unverdiente teilnahme an den meisterschaften, trotz 2-malligem verlust gegen polen wird nicht vergessen. mit würde hat das alles nichts zu tun.
2. Armutszeugnis
micwil 01.08.2014
Deutschland mit seiner großen Handballtradition sollte für seine NATIONALmannschaft keinen Trainer deutscher Nationalität finden können? Traurig.
3.
moeski 01.08.2014
"Auch erfüllt der 41-Jährige das Kriterium, nach einer kurzen Übergangsfrist als hauptamtlicher Bundestrainer zu arbeiten: Sein Vertrag bei den Füchsen Berlin läuft bis Sommer 2015." nö, sigurdssons vertrag bei den füchsen läuft ebenfalls bis 2017.
4. @micwil
hors-ansgar 01.08.2014
Zitat von micwilDeutschland mit seiner großen Handballtradition sollte für seine NATIONALmannschaft keinen Trainer deutscher Nationalität finden können? Traurig.
Die beste deutsche Mannschaft hatte mit Vlado Stenzel einen Jugoslawen als Trainer. Die Dänen (aktueller Vize-WM und Vize-EM) haben ebenso einen Isländer verpflichtet. Die Basketballer haben unter dem Serben Pesic ihren einzigen Titel geholt. Und Deutschland ist im Handball nunmal momentan hintendran. Auch in der BuLi-Spitze oder bei ausländischen Spitzenclub trainiert kein Deutscher. Was soll also das kleinkarierte Getue. Da muss ein internationaler Klassemann ran, der Deutsch spricht. Und davon gibt es genug!
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Jahr Team
2015 Frankreich (25:22 gegen Katar)
2013 Spanien (31:19 gegen Dänemark)
2011 Frankreich (37:35 n.V. gegen Dänemark)
2009 Frankreich (24:19 gegen Kroatien)
2007 Deutschland (29:24 gegen Polen)
2005 Spanien (40:34 gegen Kroatien)
2003 Kroatien (34:31 gegen Deutschland)
2001 Frankreich (28:25 n.V. gegen Schweden)
1999 Schweden (25:24 gegen Russland)
1997 Russland (23:21 gegen Schweden)
1995 Frankreich (23:19 gegen Kroatien)
1993 Russland (28:19 gegen Frankreich)
1990 Schweden (27:23 gegen die UdSSR)
1986 Jugoslawien (24:22 gegen Ungarn)
1982 UdSSR (30:27 n.V. gegen Jugoslawien)
1978 Deutschland (20:19 gegen die UdSSR)
1974 Rumänien (14:12 gegen die DDR)
1970 Rumänien (13:12 n.V. gegen die DDR)
1967 CSSR (14:11 gegen Dänemark)
1964 Rumänien (25:22 gegen Schweden)
1961 Rumänien (9:8 n.V. gegen die CSSR)
1958 Schweden (22:12 gegen die CSSR)
1954 Schweden (17:14 gegen Ges.-Deutschland)


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