HSV-Handball-Geschäftsführer Rost: Zurück zu den Wurzeln

Von Erik Eggers

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Frank Rost war jahrelang Fußball-Torhüter, doch auch dem Handball ist er eng verbunden. Vater und Mutter waren Weltmeister und Olympiasieger, Stefan Kretzschmar kennt Rost seit Kindesbeinen. Beim HSV will er nun als Geschäftsführer Großes aufbauen, das Vorbild heißt: Bayern München.

Hamburg - Erholt sieht er aus. Das Gesicht gebräunt, die Krawatte perfekt gebunden. Im akkuraten blauen Anzug betritt Frank Rost seine neue Bühne: den Handball. Eine Bühne, die kleiner ist als die, die Rost bisher gewohnt war als Fußballtorhüter von Schalke, des Hamburger SV und Werder Bremens.

Die "Sportsbar" im Trainingszentrum der HSV-Handballer im Volkspark misst vielleicht 80 Quadratmeter. Kuschelig ist es hier, nicht so ein riesiger Saal wie auf der anderen Seite, bei den Fußballprofis vom HSV. Und doch, die mediale Aufmerksamkeit ist fast so groß wie im Fußball. Zehn TV-Kameras verfolgen jeden Schritt des 39-Jährigen, der ab 1. Juni den HSV Handball als Geschäftsführer lenken wird, eine Menge Fotografen sind da, insgesamt 50 Medienvertreter. Das sind mehr, als zur Präsentation eines neuen Spielers gekommen wären - selbst wenn es der beste Handballer der Welt wäre.

"Nun ist auch gut", sagt Rost, als die Fotografen nicht aufhören wollen, ihre Bilder aus einem Meter Distanz zu schießen, "lasst uns anfangen". Die Bühne des Handballs ist ja in Wirklichkeit nicht neu für ihn. Seine Eltern zählten zu den Eliten des DDR-Handballs, Mutter Christa war Weltmeisterin, Vater Peter 1980 Olympiasieger, und Onkel Karlheinz gilt unter Handballhistorikern als einer der besten Spieler der DDR-Geschichte, wurde aber vor München 1972 "ausdelegiert", wie es im DDR-Jargon hieß; die Funktionäre sorgten sich, Rost würde im Westen bleiben.

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Ex-Profi Rost: Vom Fußball zum Handball
Als Kind jedenfalls verbrachte er die Wochenenden mit Stefan Kretzschmar, dessen Mutter ebenfalls Nationalspielerin war, in den Handballhallen. "Stefan wollte unbedingt Fußballprofi werden", berichtet Rost. Nun werden sich die Jugendfreunde und Kumpels im Handball öfter über den Weg laufen, Rost als HSV-Geschäftsführer, Kretzschmar als TV-Experte.

Vor wenigen Wochen hat der HSV Handball die Champions League gewonnen, der Goldpokal steht rechts neben Rost auf einem Podest. Die Frage lautet: Warum holt einer besten Handballclubs der Welt einen Ex-Fußballprofi in diese Verantwortung?

Weil HSV-Mehrheitsgesellschafter Andreas Rudolph, ein schwerreicher Medizinunternehmer, Rost vor einigen Monaten zufällig auf dem Münchener Flughafen traf. "Wieso versuchst Du nicht bei uns was?" habe Rudolph ihn gefragt. "Das war Zufall", sagt Rost und lächelt. Und ihm ist klar: "Wenn hier im Verein alles super wäre, dann säße ich jetzt nicht hier."

Rudolph hat seit 2004, als er den HSV Handball vor der Insolvenz rettete, weit über 20 Millionen Euro in den Verein gesteckt und ihn zu einer Top-Adresse des deutschen Handballs gemacht. Doch Rudolphs "große Verdienste", sagt Rost, würden nicht hinreichend gewürdigt. "Mir ist es lieber, wenn jemand sein Geld in den Sport steckt als in die Kunst", sagt er, "da bin ich ganz egoistisch".

Rudolph habe eine sehr direkte und schroffe Art an sich, so Rost: "Sehr geradeaus." Das entspreche seinem eigenen Naturell. "Damit kann ich sehr gut umgehen. Da wissen alle, woran man ist."

"Man muss Wege gehen, die noch niemand gegangen ist"

"Wir wollen den Club neu ausrichten", sagt Matthias Rudolph, Bruder des Mäzens und HSV-Präsident, etwas schwammig. Rost, erfahrener Medienprofi, lehnt sich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn es um seinen neuen Job geht. Der studierte Betriebswirt will sich "erst einmal einen Überblick verschaffen".

Klar aber sei, dass man Handball und Fußball nicht vergleichen dürfe, dieser Fehler sei schon nach dem WM-Titel 2007 gemacht worden. "Damals gab es einige Leute, die dachten, der Handball steht auf einer Stufe mit Fußball, das war mehr Wahnsinn als Genie."

Rost glaubt, dass das klassische Sponsoring wie im Fußball - also Geld gegen Platz auf Werbebanden oder Trikots - im Handball nicht zielführend ist. "Fußball vermarktet sich von selbst", sagt er. "Im Handball muss man Wege gehen, die vielleicht noch keiner gegangen ist." Das erste Ziel müsse sein, dem Handball in der Hansestadt noch mehr Präsenz zu verleihen: "Dass hier mehr als 9000 Fans zu jedem Spiel kommen, weiß ja fast niemand".

Und vor allem müsse man entwickeln, für was der HSV auch außerhalb des Handballfeldes stehen solle. Das brauche Zeit, lange Jahre. "Der FC Bayern München", sagt Rost, "ist im Fußball auch nicht in einem Jahr erschaffen worden". Rost hat sich vorgenommen, länger im Handball zu bleiben.

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insgesamt 8 Beiträge
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1.
tfghhhf 19.06.2013
aber warum fängt er nicht bei den Fußballern an?
2. Zuviele Redbulls getrunken in New York?
stranzjoseffrauss 19.06.2013
Denn vom Handball selbst hat er ja eigentlich keine Ahnung. Als DDR-Kind, wie im Artikel länglich erwähnt, ist ihm das marktorientierte Denken womöglich auch sehr fremd. Oder geht es ihm hauptsächlich um die Damen beim Handball?
3.
quadratkopf 19.06.2013
Zitat von stranzjoseffraussDenn vom Handball selbst hat er ja eigentlich keine Ahnung. Als DDR-Kind, wie im Artikel länglich erwähnt, ist ihm das marktorientierte Denken womöglich auch sehr fremd. Oder geht es ihm hauptsächlich um die Damen beim Handball?
Klar, aus einer Familie von Klassehandballern stammend, hat er keine Ahnung von diesem Sport. Zonenkinder, die Betriebswirtschaft und Management studiert haben, sind natürlich zu blöd für marktorientiertes Denken. Und richtig große Augen macht er, wenn er erfährt, dass der HSV sogar ne Männermannschaft hat. Unter welchem Stein hat man Sie denn gefunden? *Kopfschüttel*
4.
Stäffelesrutscher 19.06.2013
Zitat von stranzjoseffraussZuviele Redbulls getrunken in New York? Denn vom Handball selbst hat er ja eigentlich keine Ahnung. Als DDR-Kind, wie im Artikel länglich erwähnt, ist ihm das marktorientierte Denken womöglich auch sehr fremd. Oder geht es ihm hauptsächlich um die Damen beim Handball?
Ich will ja lieber nicht fragen, was Sie getrunken haben.
5.
Andr.e 19.06.2013
Zitat von stranzjoseffraussDenn vom Handball selbst hat er ja eigentlich keine Ahnung. Als DDR-Kind, wie im Artikel länglich erwähnt, ist ihm das marktorientierte Denken womöglich auch sehr fremd. Oder geht es ihm hauptsächlich um die Damen beim Handball?
Die Wahl Ihrer Überschrift über einem solchen Beitrag ist zumindest... mutig.
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