Handball-Meister THW Kiel: "Wir haben noch viel vor"

Sie sind Meister, strotzen vor Selbstbewusstsein und haben noch nicht genug: Die Handballer des THW Kiel wollen die perfekte Saison - und noch zwei weitere Wettbewerbe gewinnen. Die Konkurrenz ist beeindruckt, Bundestrainer Martin Heuberger sieht in Kiels Überlegenheit eine Gefahr.

Handball-Bundesliga: Ruhige Meisterfeier beim THW Kiel Fotos
DPA

Hamburg - Wenn Mannschaften Meisterschaften gewinnen, feiern sie oftmals die ganze Nacht. Es gibt Banketts, Reden und zahlreiche Getränke. Der Morgen danach wird dann zumeist im Bett zugebracht. Doch beim THW Kiel ist das anders. Gerade einmal zwölf Stunden nachdem der Handball-Bundesligist durch einen 33:27 (15:13)-Sieg gegen den SC Magdeburg seinen 17. Titel gesichert hatte, standen die Spieler schon wieder auf dem Parkett. Trainer Alfred Gislason hatte um 10 Uhr zur Vormittagseinheit gebeten.

"Wir können nicht mit Vollgas feiern. Bei uns ist es ja nicht wie beim Fußball, wo man eine ganze Woche Zeit hat bis zum nächsten Spiel", sagte Linksaußen Dominik Klein nach dem 13. Kieler Titel innerhalb von 18 Jahren. Und auch THW-Profi Filip Jicha blickte schon wieder auf die kommenden Aufgaben: "Ich glaube, wir werden genauso weiterspielen, da ändert sich nichts - ob wir Meister sind oder nicht."

Die Aufgaben, für die sich die THW-Profis sogar am Morgen nach dem Meisterschafts-Gewinn wieder aus dem Bett quälen, sind reizvoll - und teilweise sogar historisch: Kiel ist auf der Jagd nach der perfekten Saison. 58:0 Punkte haben die Kieler in dieser Saison eingefahren, bislang gab es keine Niederlagen, noch nicht einmal ein Untenschieden. In 29 Spielen hieß der Sieger stets: THW. Zudem locken im nationalen Pokal und in der Champions League zwei weitere Titel.

"Unglaublich souverän und unglaublich dominant"

"Unsere restlichen Gegner werden sich unglaublich anstrengen, um uns ein Bein zu stellen. Das ist eine reizvolle Aufgabe für uns", sagte Jicha nach dem Gewinn der Meisterschaft. Magdeburgs Trainer Frank Carstens, der Kiels Triumph am späten Dienstagabend aus nächster Nähe bewundern durfte, war vom Auftritt der Norddeutschen schwer beeindruckt: "Der THW ist unglaublich souverän und hat eine unglaubliche Dominanz." Diese Stärke soll nun als nächstes im Pokalwettbewerb ausgeübt werden. Am kommenden Samstag trifft der THW beim Final Four im Halbfinale auf Vorjahresmeister HSV Hamburg. "Wir haben noch viel vor", droht Trainer Gislason.

Doch sogar im Falle eines Double-Gewinns will der Coach noch nicht feiern. Denn dann würde sogar das Triple winken: Bei der Champions-League-Finalrunde am 26. Mai in Köln soll Titel Nummer drei her. Dort trifft der THW auf Bundesliga-Kontrahent Füchse Berlin.

"Es schadet der Attraktivität der Liga"

"Nie hat ein Verein den anderen Teams so die Grenzen aufgezeigt wie der THW in dieser Saison. Jetzt erwarte ich von Kiel, dass sie zu Null durchgehen, schon wegen der sportlichen Fairness", sagte der Manager des Kieler Halbfinalgegners, Bob Hanning. Der 44-Jährige glaubt nicht an ein baldiges Ende der schwarz-weißen Vorherrschaft: "Kiel kann so eine ähnliche Saison noch mal hinlegen. Die anderen Teams werden Jahre brauchen, um sich ihnen anzunähern."

Bundestrainer Martin Heuberger sieht in der Überlegenheit des THW eine Gefahr. "Für die kommende Saison wünsche ich mir wieder mehr Konkurrenz und mehr Spannung", sagte Heuberger: "Es schadet der Attraktivität der Liga, wenn eine Mannschaft praktisch schon nach der Hinrunde als Meister feststeht."

bka/sid/dpa

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1.
januskiel 02.05.2012
In den Worten von Herrn Heuberger schwingt für meinen Geschmack die Frustration über die vergeigten Chancen der Nationalmannschaft mit. Herr Heuberger hätte vielleicht recht, wenn wie vor 20 Jahren sich kaum jemand für Handball interessiert hätte, oder wenn man Deutschland mit Spanien vergleicht in dem Madrid und Barcelona den Titel vor leeren Rängen ausspielen. Inzwischen ist Handball einer der populären Sportarten in Deutschland, nicht zuletzt wegen Heiner Brands Arbeit, die die deutsche Handballnationalmannschaft zum Weltmeistertitel geführt hat und der Klasse Kiels im europäischen Handball. Der THW hat die meisten Fernsehübertragen und immer volles Haus die Popularität dieses Sportes ist so hoch wie nie. Die Frage ist, wie die anderen Teams in Deutschland oder die Nationalmannschaft einen besseren Handball spielen können. Von Kiel lernen! Kiel ist ein Tradionsverein und nicht so eine Retorte wie der HSV Hamburg oder Berlin. Ja Kiel hat viel Geld aber z.B nur die Hälfte vom Etat von Barcelona, trotzdem können wir mit denen mithalten. Ich Zweifel auch an der Voraussicht von Herrn Heuberger. Wo liegt also der Grund für den Erfolg der Kieler? Herausragende Spieler wie Jicha und Palmerson sicherlich. Jicha von Magdeburg nach Kiel geholt. In Magdeburg war er schon ein sehr guter Spieler in Kiel ist er zur Weltklasse gereift. Palmerson wird in den nächsten Jahren einer der komplettesten Spieler der Welt sein nicht zuletzt, weil er in Kiel spielt. Ich bin der festen Überzeugung, dass es eine Menge deutscher Spieler gibt, die ähnliche Anlagen haben. Nur brauchen die einen Verein in dem sie sich entwickeln können. Es gibt einen Begriff aus dem Management Lokomotivfunktion und das trifft auf den THW zu. Wo wäre die deutsche Handballbundesliga heute ohne den THW? Die nächste Mannschaft, die Kiel in Deutschland schlagen will muss sich eine Menge einfallen lassen. Taktik, Kondition & individuelle Klasse Trainieren. Noch nie war Handball so schnell wie heute. Wir haben eine rasende Entwicklung. Jede Mannschaft will Kiel schlagen und arbeitet hart daran, deswegen ist die HBL auch die stärkste Liga der Welt. Dieser Sport ist so wunderbar und mitreißend, weil er schnell, spannend und emotional ist und nicht weil am Ende der Saison ein Titel für die eigene Mannschaft steht. Fragen sie mal die Fans von Lemgo, Magdeburg oder Hannover, ob sie nächstes Jahr nicht mehr zu einen Spiel ihrer Mannschaft gehen, wenn sie gegen Kiel spielen, weil sie ja sowieso verlieren werden. Für jeden Spieler und für jeden Zuschauer ist es der Termin des Jahres, wenn ihre Mannschaft gegen Kiel spielt. Ich denke Kiel ist einzig und allein für das Sportwettenkartell ein Dorn im Auge. Für den deutschen Handball kann Kiel nur gut sein. Nächste Saison wird es vermutlich um einiges Härter für den THW auch in der CL. Also keine Angst Herr Heuberger
2.
msondern 02.05.2012
Zitat von januskielJa Kiel hat viel Geld aber z.B nur die Hälfte vom Etat von Barcelona, trotzdem können wir mit denen mithalten.
Wo nehmen Sie diese Zahlen her? Etat Barcelona ~ 9. Mio, Etat THW ~9.5 Mio. Abweichungen nach oben und unten sind selbstverständlich möglich, bei 9 Mio. werden sie aber wohl nicht liegen. Nagy nun Spanier, aber Abschied aus Barcelona? (http://www.handball-world.com/o.red.c/news-1-1-3-38653.html) THW Kiel / News: Saisoneröffnungs-Pressekonferenz: THW Kiel geht optimistisch in die Saison (26.08.2011) (http://www.thw-provinzial.de/thw/11082431.htm)
3. optional
januskiel 02.05.2012
Bitte entschuldigen Sie die Polemisierung meiner Aussage, das Barcelona einen doppelt so hohen Etat hat wie der THW Kiel. Tätsächlich war es Ciudad Real die einen wesendlich höheren Etat als jede andere Mannschaft. Dies ist keine belegbare Information aber ich meine es war mal doppelt so viel
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