HSV-Handballer Hens: "Es ist schwierig, wenn alle ihren Senf dazugeben wollen"
Für den HSV Handball ist es eine Saison zum Vergessen: Der Meister legte einen Katastrophen-Start hin und musste zusehen, wie Kiel den Titel holte. Im Interview mit dem "Handball-Magazin" spricht Star-Spieler Pascal Hens über die schwierige Lage, die Last des Alters und seine künftige Rolle.
Frage: Herr Hens, ist der HSV eine Martin-Schwalb-Mannschaft?
Hens: Wir haben jahrelang unter "Schwalbe" trainiert. Wir wussten, wie er tickt, und wurden mit ihm Deutscher Meister. Natürlich sind das positive Erlebnisse, die nahelegen, dass er wieder auf der Bank sitzt und versucht uns zu helfen. Aber wir wissen noch nicht, was kommendes Jahr ist. Dann kommt wieder ein neuer Trainer - und wir müssen schauen, dass es dann passt.
Frage: War es ein Fehler, nach der Entlassung von Per Carlén erst Jens Häusler zum Chef zu machen, der mit der Situation überfordert war?
Hens: Man kann niemanden aus dem Hut zaubern.
Frage: Schwalb hätte es direkt machen können.
Hens: Er hat auch noch ein andere Funktion in diesem Verein (Schwalb ist auch Geschäftsführer und Präsident des HSV, d. Red.). Er kann sich ja nicht in hundert Schwalbes verwandeln. Jens Häusler war die ganze Zeit dabei, kannte die Mannschaft. Wir respektieren uns gegenseitig. Das war die Lösung, die wir für richtig gehalten haben. Er hat von vornherein gesagt, dass er unsere Hilfe braucht. Vielleicht haben auch wir das falsch eingeschätzt. Es ist schwierig, wenn im Training auf einmal alle Spieler etwas sagen können und ihren Senf dazugeben wollen.
Frage: Wer wird neuer Trainer?
Hens: Damit beschäftige ich mich nicht. Wir müssen gucken, dass wir die Saison irgendwie retten. Nur darauf schauen wir Spieler.
Frage: Ex-Präsident Andreas Rudolph sitzt inzwischen auf der Bank. Empfinden Sie das als Einmischung?
Hens: Er will zeigen, dass wir alle zusammenhalten, aber er ist keiner, der coacht.
Frage: Zuletzt sind viele kritische Analysen über den HSV Hamburg geschrieben worden. In der vergangenen Saison war es ein Vorteil, mit einer routinierten Mannschaft zu spielen - jetzt ist diese zu alt.
Hens: Fakt ist: Wir waren 2011 Deutscher Meister. Natürlich waren wir da alle noch ein Jahr jünger, aber es war dieselbe Mannschaft. Das einzige, wo sich das Alter bemerkbar macht, ist der Körper. Das merke ich an mir: Mit 32 Jahren kann man nicht mehr alles so gut kompensieren wie mit 22. Wenn ich früher etwas hatte, war es am nächsten Tag wieder gut. Jetzt tut's mir halt drei Tage weh.
Frage: Waren die vielen Verletzungen ausschlaggebend für die schwache Saison?
Hens: Wir kommen aus dem Scheiß nicht mehr raus. Egal, wo du hinschaust. Die Kreuzbandrisse bei Jogi oder Oscar oder Bobos Schulter (Torwart Bitter und Linkshänder Carlén sowie Kreisläufer Bertrand Gille, Anm.d.Red.) - das alles ist keine Frage des Alters.
Frage: Zur neuen Saison werden einige Kritiker besänftigt werden, denn mit den Gilles verlassen zwei Uralt-Hamburger den Verein.
Hens: Man kennt den HSV nicht ohne die beiden. Da kommt bei mir Wehmut auf. Ich bin 2003 nur ein Jahr nach den beiden hierher gekommen. Irgendwann kommt die Zeit, die Jungs wollen wieder in die Heimat und haben in Chambery noch einmal gute Angebote bekommen. Mich stimmt das sehr traurig. Und falls für Bobo die Saison vorbei sein sollte, wäre das umso bitterer. Aber irgendwann muss ein Umbruch kommen, der hat bei uns auch schon begonnen. Wir haben ja schon Dule (Domagoj Duvnjak, Anm.d.Red.) und Oscar geholt. Und es werden weitere junge Leute dazustoßen.
Frage: Werden Sie mit Hamburg in den kommenden Jahren im Schatten des THW Kiel stehen?
Hens: So wie Kiel momentan spielt, müssen wir uns daran nicht messen. Diese Ist-Situation müssen wir ändern. Aber auch Kiel hatte vergangenes Jahr Verletzte und gemerkt, dass es dann schwierig wird. Wir haben das Ziel, wieder einen Champions-League-Platz zu ergattern.
Frage: Was machen die Kollegen des THW in dieser Saison so besonders? Haben die ein anderes Spiel erfunden?
Hens: Das nicht. Aber sie haben einen Lauf und konstant ohne Verletzte und durch die Erfolge mit einem Selbstverständnis gespielt. Auch sie wissen, dass sie Gegentore bekommen - aber sie beschäftigen sich nicht damit. Dann geht es buff, buff, buff, und sie stellen sich wieder in die Abwehr. So macht das eine Top-Mannschaft. Kiel ist aktuell unerreichbar. Da müssen wir realistisch sein.
Frage: Sie spielen nicht nur am 13. Mai in der Bundesliga, sondern auch am kommenden Samstag im Halbfinale des DHB-Pokals gegeneinander. Der Pokal ist Ihre letzte Titelchance.
Hens: Richtig, bis dahin müssen wir uns steigern, wenn wir eine Chance haben wollen.
Frage: Bis 2015 stehen Sie noch beim HSV unter Vertrag. Wie sehen Sie Ihre künftige Rolle?
Hens: So wie jetzt auch. Natürlich werden noch ein paar ältere Stützen der Mannschaft wegfallen. Ich werde mehr Verantwortung übernehmen, die Jungen unterstützen und hier einführen.
Lesen Sie die ungekürzte Fassung des Interviews in der aktuellen Ausgabe des "Handball-Magazins".
Die Fragen stellte Tim Oliver Kalle
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- HM
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- handballmagazin.com
- Pascal Hens, Jahrgang 1980, ist ein deutscher Handballspieler. Seit 2003 geht der 2,03 Meter große Rückraumspieler für den HSV auf Torjagd - und gewann mit dem Team 2011 den ersten Bundesliga-Titel. Mit der Nationalmannschaft, aus der er 2012 als Kapitän zurücktrat, holte er 2007 die Weltmeisterschaft im eigenen Land.
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