Terminchaos im Handball Rhein-Neckar Löwen schicken Amateurteam in die Champions League

Die Rhein-Neckar Löwen lassen ihre Zweitvertretung in der Handball-Champions-League antreten, während das erste Team parallel in der Bundesliga spielt. Damit eskaliert der Streit zwischen Liga und europäischem Verband.

Nikolaj Jacobsen
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Nikolaj Jacobsen


In einem Terminstreit mit der Europäischen Handball-Föderation (EHF) haben die Rhein-Neckar-Löwen der Bundesliga den Vorzug vor der Champions League gegeben. Im Viertelfinale der Königsklasse am 24. März werden die Amateure des Klubs beim polnischen Verein KS Vive Kielce antreten, während die erste Mannschaft zum THW Kiel reist.

Die Löwen hatten zuvor den EHF-Vorschlag abgelehnt, das Heimrecht für die Champions-League-Begegnung mit Kielce zu tauschen, um eine Terminkollision zu vermeiden. Hintergrund ist, dass für den 24. März ebenfalls das Bundesliga-Topspiel zwischen Kiel und den Löwen angesetzt wurde. Dieses wird live in der ARD übertragen und verspricht wegen der fehlenden Konkurrenz durch die spielfreie Fußball-Bundesliga eine hohe TV-Quote.

Im Gegensatz zum Fußball ist es im Handball üblich, dass Spiele der Champions League am Wochenende stattfinden. Bereits im November hatten die Löwen zwei Spiele in Champions League und Bundesliga innerhalb von 25 Stunden absolvieren müssen. Bei der aktuellen Terminkollision habe man "sowohl der EHF wie auch der HBL viele Lösungsvorschläge angeboten und bedauern es sehr, dass hier ein Machtkampf auf dem Rücken der Clubs und Spieler ausgetragen wird", sagte Löwen-Geschäftsführerin Jennifer Kettemann.

"Emotionaler und wirtschaftlicher Schlag"

"Das ist ein Armutszeugnis für unsere Sportart und ein noch nicht abzusehender Schaden", sagte Kettemann. Man sei sich "darüber bewusst, dass es damit leider zu keinem sportlich fairen Vergleich mehr kommen wird". Die Geschäftsführerin übte direkte Kritik an den Verbänden: "Der Schaden, der hier, und ich sage ausdrücklich durch zwei Verbände, an unserer Sportart verursacht wird, ist enorm."

Der THW Kiel hingegen vermied die Eskalation und willigte ein, sein Heimrecht an den ungarischen Meister Pick Széged abzutreten. Kiel spielt nun am 21. März zunächst vor heimischer Kulisse und tritt am 1. April in Ungarn an. Aber auch in Kiel ist die Verärgerung über die EHF groß. THW-Sportchef Viktor Szilágyi sagte, der Tausch sei "nicht nur ein sportlicher, sondern auch ein emotionaler und wirtschaftlicher Schlag."

tip/sid



insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
007er 08.03.2018
1.
Einmal mehr zeigt sich, dass die Löwen Mangerin Kettemann mehr Rückrad und "Eier in der Hose hat, als ihre männlichen Kollegen, bei anderen Vereinen. Die Löwen sind ein zutiefst sympathische Mannschaft, ob die 1 oder die 2. Am 24.3. sind die Daumen und Zehen gedrückt. Der ganzen deutschen Sportlandschaft würden Jennifer Kettmanns gut tun!!
mimikryansamorphe 08.03.2018
2. Kurzer Hinweis
Es heißt Szeged, nicht Széged.
crazy_swayze 08.03.2018
3.
Man merkt: Mit solchen Verbänden wird man immer eine Randsportart in Deutschland bleiben.
websmile33 08.03.2018
4. Solidaritaet
scheint man von Kiel nicht erwarten zu koennen, die knicken natuerlich wieder ein und beten dass sie dafuer, dass sie das Heimrecht tauschen und der EHF hinterher rennen, eine wildcard kriegen fuer das naechste Jahr in der CL. Ziemlich muede Nummer vom angeblichen Vorzeigeclub...
south73 08.03.2018
5. Inwieweit das ein Einknicken sein soll,
Zitat von websmile33scheint man von Kiel nicht erwarten zu koennen, die knicken natuerlich wieder ein und beten dass sie dafuer, dass sie das Heimrecht tauschen und der EHF hinterher rennen, eine wildcard kriegen fuer das naechste Jahr in der CL. Ziemlich muede Nummer vom angeblichen Vorzeigeclub...
...ist mir nicht ganz klar. Zum einen sieht es mir eher nach einem Machtkampf beider Verbände aus, den sowohl HBL als auch EHF auf dem Rücken der Vereine austragen. Ich sehe da angesichts der absoluten Kompromisslosigkeit zwar die EHF als größeren Buhmann, aber auch die HBL ist an der Situation sicher nicht unschuldig, schließlich war der CL-Rahmenspielplan lange vor der Ansetzung des Ligaspiels bekannt. Zum anderen ist es ja wohl ein Witz zu behaupten, der THW spekuliere auf eine CL-Wildcard in der nächsten Saison. Dazu wäre ja erstmal der dritte Tabellenplatz nötig und der scheint im Moment doch recht weit weg. Darüber hinaus hat die EHF die HBL im Termin-/Belastungsmachtkampf ja bereits abgestraft durch die Reduktion der CL-Startplätze auf 2. Da dürfte es noch längst nicht sicher sein, dass die HBL überhaupt eine Wildcard für den Tabellendritten bekommt.
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