Handball-Skandal Verdacht gegen THW Kiel erhärtet sich

Der Druck auf den THW Kiel wächst: Nach SPIEGEL-Informationen gibt es weitere Indizien, dass es bei Champions-League-Spielen des Handball-Rekordmeisters zu Schiedsrichterbestechung gekommen ist. Ein Gesellschafter des Clubs soll bereits 2008 von angeblichen Manipulationen gewusst haben.


Hamburg - Wenige Tage vor dem Rückspiel des Champions- League-Finales zwischen dem THW und Flensburg am 29. April 2007 hatten die Kieler dem kroatischen Geschäftsmann Nenad Volarevic 56.400 Euro auf dessen Konto in Zagreb überwiesen.

Kieler nach Champions-League-Finale 2007: Verdacht der Bestechung erhärtet sich
DPA

Kieler nach Champions-League-Finale 2007: Verdacht der Bestechung erhärtet sich

Nach Recherchen des SPIEGEL reiste Volarevic, ein enger Freund des damaligen THW-Trainers Zvonimir Serdarusic, unmittelbar darauf mit der Lufthansa über München nach Warschau. Dort lebt Miroslaw Baum, einer der beiden Schiedsrichter, die das Finalrückspiel in Kiel pfiffen.

Der THW, der die Füchse Berlin am Freitag 34:25 bezwang und damit den 26. Ligasieg in Folge feierte, steht unter dem Verdacht, mindestens zehn Spiele durch Schiedsrichterbestechung manipuliert zu haben. Die Staatsanwaltschaft in Kiel ermittelt gegen den Club, der 2007 die Champions League gewonnen hatte. Nach einem 28:28 in Flensburg gewann der THW das Rückspiel 29:27 und damit den bedeutendsten Titel im europäischen Vereinshandball.

Wie der SPIEGEL erfuhr, flog Volarevic Ende April 2007 anschließend von Warschau weiter nach Hamburg, um sich das Spiel in Kiel anzuschauen. Nach dem Sieg des THW feierten Schiedsrichter Baum und der Kroate gemeinsam mit Spielern und Vereinsbossen des THW in einem italienischen Restaurant.

Baum beteuert, er habe Volarevic in Warschau nicht getroffen und auch kein Geld von ihm erhalten. "Ich bin ein Ehrenmann und habe mir meine Reputation erarbeitet, ich war bei zwei Olympischen Spielen", sagte Baum. Volarevics Anwalt wollte die Reise seines Mandanten nach Polen nicht kommentieren.

Inzwischen nimmt auch der Druck auf den THW-Gesellschafter Georg Wegner zu. Der Kieler Anwalt hatte sich am vergangenen Dienstag bei der Pressekonferenz zum Rücktritt des THW-Managers Uwe Schwenker bei der Frage gewunden, wann er zum ersten Mal davon gehört habe, dass der THW Kiel Schiedsrichter gekauft haben soll.

"Das habe ich der Staatsanwaltschaft mitgeteilt, genauer werde ich das hier nicht sagen", sagte Wegner. Nach SPIEGEL-Informationen war Wegner bereits im Sommer 2008 von Serdarusics Ehefrau über angebliche Manipulationen informiert worden.

Mehr zum Thema


Forum - Handball- Siege nur noch gegen Geld?
insgesamt 44 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
BillBrook 14.03.2009
1.
Zitat von sysopDer THW Kiel soll in zehn Champions-League-Partien bestochen haben, ein deutsches Schiedsrichtergespann mit 50.000 Dollar geschmiert worden sein. Einzelfälle, oder ist der Handball korrupt?
"Der THW Kiel *}soll*" Einzelfälle? Bevor man diese Frage stellt, sollte man abwarten, ob es diese "Einzelfälle" überhaupt gibt.
Josef Ritter, 14.03.2009
2.
Zitat von sysopDer THW Kiel soll in zehn Champions-League-Partien bestochen haben, ein deutsches Schiedsrichtergespann mit 50.000 Dollar geschmiert worden sein. Einzelfälle, oder ist der Handball korrupt?
Ja klar. Deutschland ist längst eine Bananenrepublik. Da geht offensichtlich alles. Herr Zumwinkel bekommt seine Pensionsansprüche ausbezahlt. Am Montag stelle ich auch so einen Antrag. Wenn das Geld da ist bin ich binnen 1 Monat weg. Darauf gebe ich mein persönliches Ehrenwort (Spruch ist geklaut, ich weiss).
Anton 100 14.03.2009
3. Was und wem nützt "Sportgerichtsbarkeit"?
Es ist ein Jammer zu sehen, wie viele Sportarten korrupt sind. Handball ist ja nur ein Beispiel - unter zahllosen anderen. Besonders traurig für alle, die Kinder haben, denen Sport ein Vorbild sein könnte. Bei den gewaltigen Umsätzen, die in sog. Zuschauersportarten über Fernsehen und Merchandising heute verdient werden, ist die Korruptionsanfälligkeit auch gar kein Wunder: Zuerst "Leistungsaufbau" durch Doping, dann "Leistungsabsicherung" durch Schmiergeld. Und dies bei Sportunternehmen, die inzwischen die ausgefuchstesten juristischen Gesellschaftsformen nutzten wie die GmbH & Co KG oder Mischformen davon mit Aktiengesellschaften. Bei solchen Delikten, bei derart hohen Geldbeträgen und geldähnlichen Werten, die da umgewälzt werden, ist es ein Hohn, vom Sport wirksame Selbstkontrolle zu erwarten und zu glauben, die staatsferne Sportgerichtsbarkeit, d.h. der Selbstrichterverein der zumindest indirekt Betroffenen, könne das lösen. Wer ist wie ich für eine lückenlose Verlagerung der Sportdelikte in die ordentliche Gerichtsbarkeit? Es ist verantwortungslos vom Staat, da noch länger wegzuschauen. Und die Kosten, die dabei entstehen, sind durch Abschöpfen der "Sportgewinne" leicht hereinzuholen.
ebbeflut 14.03.2009
4.
Da kommt man doch vor Lachen heute Abend kaum in den Schlaf..natürlich hätten die Herren, wären sie denn mit dem Geld durch den Zoll gekommen, letzteres dem DRK oder der Kindernothilfe oder.oder...gespendet. Bitte: diese Herren bitte auf Lebenszeit disqualifizieren
Koltschak 14.03.2009
5. Klar nee!!!
50.000$ in der Tasche! Und keiner weiß wo die herkommen. Erinnert mich an einen Uraltwitz! Der Wilderer streift durch die Gegend, ein Reh auf der Schulter! Plötzlich kommt der Jäger: "Was haben Sie denn da auf der Schulter?" Der Wilderer guckt sich überrascht um: "Igitt!!!!! Ein Reh!!!"
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.