Handball-Star Karabatic "Ich will immer der Beste sein"

Nikola Karabatic gilt als stärkster Handballer der Welt, er wird mit Auszeichnungen überhäuft. Im Interview mit dem Handball-Magazin "HM" spricht der Franzose über seinen gepeinigten Körper, die Zukunft beim THW Kiel und seinen Unwillen, alt zu werden.


Frage: Wie geht es Ihrem Körper?

Karabatic: Gut. Nur mein rechter Ellbogen ist problematisch. Kurz- oder mittelfristig muss der operiert werden.

Frage: Was stimmt nicht?

Karabatic: Vor anderthalb Jahren sind freie Körperchen im Gelenk entfernt worden, aber eine knöcherne Ausziehung nicht. So konnte ich schon nach vier Wochen wieder spielen. Damals hatten wir viele Verletzte, und ich musste schnell zurück. Deshalb habe ich nun eine kleine Abrissfraktur im Ellbogen. Eine Operation nach Olympia hätte zwei Monate Pause bedeutet. Das wollten wir nicht. Wie lange ich jetzt spielen kann, eine Saison, eine halbe – das weiß ich nicht.

Frage: Heißt dass, Sie müssen auf die WM in Kroatien Anfang 2009 verzichten?

Karabatic: Entweder muss ich die Operation während der WM machen lassen oder im Urlaub 2009, was für mich auch nicht so schön wäre. Oder vor der nächsten EM. Ich habe keine Ahnung.

Frage: Aufgrund Ihrer Ellbogenprobleme haben Sie zu Beginn der Saison pausiert, nun stehen Sie wieder in der Startformation. Waren Sie vielleicht sogar ein wenig froh, kurz aussetzen zu können, um eine Pause für den Kopf zu bekommen?

Karabatic: Ja, klar. Drei Jahre in der Bundesliga plus Nationalmannschaft. Zudem hatten wir in diesem Sommer nur 20 Tage Pause. Und dann kam Peking. Das war echt viel. Die freie Zeit jetzt ist recht gut für mich – mehr für den Kopf als für den Körper, um ein bisschen atmen zu können.

Frage: Sie haben wiederholt über einen zu harten Spielrhythmus geklagt. Hoffen Sie noch, in Ihrer aktiven Zeit eine Besserung zu erleben?

Karabatic: Nein. Vielleicht habe ich noch zehn Jahre zu spielen, wenn der Rhythmus besser wird. Oder ich muss die Bundesliga verlassen, weil die Belastung sonst zu hoch ist. Oder auf die Nationalmannschaft verzichten. Die Verbände EHF und IHF haben wohl miteinander gesprochen, aber herausgekommen ist nur, dass sich vor 2012 nichts ändern wird, oder? Jede Saison gibt es noch mehr Spiele. Champions League, EM-Quali, Olympia-Quali – da wird nicht an die Gesundheit der Spieler gedacht. Klar ist es schön, dass es viel Handball gibt und die Leute viel sehen können. Aber irgendwann ist es zuviel.

Frage: Sie haben bei den Olympischen Spielen in Peking Gold mit Frankreich gewonnen. Verblasst angesichts dieser Erlebnisse das Alltagsgeschehen in der Bundesliga?

Karabatic: Nein, das ist auf keinen Fall langweilig. Ich bin auch richtig froh, wieder in Kiel zu sein, meine Mannschaftskollegen zu sehen und wieder mit ihnen zu trainieren. Das ist schon geil.

Frage: Sie sind erst 24 Jahre alt, aber in ihrer Karriere schon mit Ehrungen überhäuft worden: Welthandballer, Handballer des Jahres, Spieler der Saison: Behalten Sie noch den Überblick?

Karabatic: Das bedeutet mir jedes mal sehr viel. Jeder Preis ist eine riesige Ehre und Motivation. Spieler der Saison bin ich schon zum zweiten Mal, und dann noch von Trainern und Kapitänen gewählt. Das ist etwas Besonderes für mich. Ich bin sehr ehrgeizig und will im Training und im Spiel immer der Beste sein. Und meine Mannschaft soll die Beste sein. Noch schöner als die Ehrungen sind deshalb die Mannschaftserfolge. Momentan gibt es keinen glücklicheren Handballer auf der Welt als mich. Ich erlebe wirklich einen Traum.

Frage: Bleiben da überhaupt noch Leute, die Sie in diesem Traum bewundern können?

Karabatic: Viele. Obwohl ich solche Titel bekomme, halte ich mich nicht für den Besten. Ich muss doch nur schauen, was Stefan Lövgren mit bald 38 Jahren schafft. Oder Thierry Omeyer im Tor. Oder Marcus Ahlm am Kreis. Ich bin da noch immer ein Junge und habe die Augen weit auf, wenn ich große Spieler treffe. Ich habe noch Zeit.

Frage: Aber bald müssen Sie erwachsen werden.

Karabatic: Das wird schnell kommen, und ich will das Jungsein noch genießen. Irgendwann werde ich aufstehen, 30 Jahre alt und kein Junge mehr sein.

Frage: Schon nächstes Jahr kann sich eine Menge ändern. Der THW Kiel braucht nach Lövgrens Abschied im kommenden Sommer eine neue Führungskraft.

Karabatic: Ich weiß noch nicht, ob das eine Rolle für mich ist. In Kiel fängt alles bei null an, und ich will sehen, wie es in dieser Saison läuft. Außerdem kann jeder in der Mannschaft die Führung übernehmen – das wird kein riesiges Problem.

Frage: Haben Sie den Trainerwechsel von Noka Serdarusic zu Alfred Gislason verwunden?

Karabatic: Noka hatte gesagt, dass er nur noch ein Jahr bleiben wolle. Und dann hörten wir während des Urlaubs, dass wir einen neuen Trainer bekommen. Für mich war es ein Schock. Man lernt, wie Sport ist. Ich hätte gern unter Noka weitertrainiert. Jetzt geht es wieder bei null los, und ich hoffe, es wird gut gehen. Alfred scheint ein guter Trainer und Typ zu sein.

Frage: Ist die Enttäuschung über Serdarusics Entlassung noch da?

Karabatic: Ja, aber man lernt, solche Gefühle zu verdrängen. Es gibt einfach keinen Platz für Enttäuschungen. Du musst weiter vorangehen.

Frage: Sie sind bis 2012 vertraglich an den THW Kiel gebunden.

Karabatic: Ich will so lange wie möglich spielen und bei allen Wettbewerben dabei sein. Verträge kann man immer aufkaufen. Momentan fühle ich mich in Kiel wohl, aber ich fange wieder bei null an. Wenn alles gut läuft, gibt es keinen Grund, um zu kündigen. Der THW Kiel ist mein Verein und meine Mannschaft.

Die Fragen stellte Tim Oliver Kalle



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