Handball-Weltmeister Schwarzer "Anscheinend wussten einige nicht, worum es ging"

Für die Handball-Nationalmannschaft warf er unzählige Tore vom Kreis, heute koordiniert Christian Schwarzer die Jugendarbeit beim Verband. Im Interview spricht der netzathleten-Kolumnist über seine Ambitionen auf den Bundestrainerposten und die ernüchternden Ergebnisse des DHB-Teams.

Kreisläufer Schwarzer: "Wir haben mit Heiner Brand den besten Bundestrainer"
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Kreisläufer Schwarzer: "Wir haben mit Heiner Brand den besten Bundestrainer"


Frage: Christian Schwarzer, Sie werden derzeit als neuer Handball-Nationaltrainer gehandelt. DHB-Präsident Ullrich Strombach hat Sie ins Gespräch gebracht. Werden Sie der Nachfolger von Heiner Brand?

Schwarzer: Da weiß die Presse mehr als ich. Insofern habe ich da momentan keine Meinung dazu. Heiner hat mich engagiert, damit ich mich um den Nachwuchs kümmere. Das ist meine Aufgabe, und die will ich erfüllen.

Frage: Wären Sie denn prinzipiell bereit, die Nationalmannschaft zu übernehmen?

Schwarzer: Im Moment stellt sich die Frage nicht, denn wir haben mit Heiner Brand den besten Bundestrainer. Allerdings habe ich schon mal gesagt, dass es für jeden Trainer reizvoll sein sollte, die Nationalmannschaft zu trainieren. Aber mein momentaner Job als Jugendkoordinator macht mir viel Spaß. Im Moment plane ich nicht, etwas anderes zu machen.

Frage: Heiner Brand wirkte nach den beiden Pleiten gegen Ungarn und Norwegen rat- und auch kraftlos. Glauben Sie wirklich, dass er seinen bis 2013 laufenden Vertrag erfüllt?

Schwarzer: Ich hoffe sehr, dass er das macht. Alles andere wäre eine Katastrophe.

Frage: Obwohl Sie als potentieller Nachfolger im Gespräch sind?

Schwarzer: Das sagt die Presse, ich bleibe dabei. Wenn da etwas dran wäre, wüsste ich das. Ich gehe davon aus, dass man zuerst mit mir spricht, bevor das an die Presse geht. Aber ich habe nach dem Spiel gegen Norwegen noch mit Horst Bredemeier (Leistungssportchef im DHB, Anm. d. Red.) gesprochen, da war davon keine Rede.

Frage: Kommen wir zur Leistung des DHB-Teams bei der WM in Schweden. Wie fällt Ihr Fazit vor dem Spiel um Platz elf gegen Argentinien (18 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) aus?

Schwarzer: Ernüchternd. Man hat die große Chance vergeben, doch noch das Qualifikationsturnier zu erreichen - und das mehr oder weniger fahrlässig. Ich will da keinem etwas unterstellen, aber anscheinend wussten einige nicht, worum es in Schweden ging.

Frage: Kann man sich als Spieler solche Leistungsschwankungen erklären?

Schwarzer: Man sieht ja, dass die Mannschaft funktioniert, wenn alle an einem Strang ziehen und hundertprozentig motiviert sind. Das ist wohl eine reine Kopfsache. Wenn es doch in mir drin ist, muss ich es doch abrufen können. Doch der Kopf spielt manchmal einfach nicht mit. Die wichtigen Fragen sind aber: Was will ich als Spieler bei einem WM-Turnier erreichen? Möchte ich da überhaupt hin? Bin ich bereit, dann alles zu geben? Olympia findet ja auch nur alle vier Jahre statt, dort treffen sich die besten Sportler der Welt. Ein Privileg, für das man alles investieren sollte. In Schweden wirkte es leider teilweise so, als ob man kein Interesse an den Olympischen Spielen 2012 in London hat.

Frage: Hat die Mannschaft ihren Trainer Heiner Brand im Stich gelassen?

Schwarzer: Das zu unterstellen wäre fahrlässig. Dennoch frage ich mich, warum nur die beiden Torhüter jederzeit ihre Bestleistungen abrufen konnten. Es gab Vorgaben, alles wurde im Training besprochen - bei uns wurde das früher auch nicht anders gemacht. Ich frage mich, wie sich die einzelnen Spieler damit auseinandersetzen, was in solch einem Turnier auf sie zukommen kann. Für mich war es immer das größte, zu Olympia oder zur WM zu fahren, darauf habe ich hingefiebert. Da konnte man sich mit den Besten dieses Sports messen, und etwas Schöneres gibt es ja für einen Sportler eigentlich nicht.

Frage: Wie geht es nun weiter mit dem deutschen Handball? Braucht es einen Schulterschluss zwischen Liga und Verband, um den Anschluss an die Weltspitze nicht vollends zu verlieren?

Schwarzer: Es geht ja hier um unseren Sport, und ohne ein gemeinsames Ziel wird es noch weiter bergab gehen, wenn das überhaupt noch geht. Wenn man nicht so schnell wie möglich einen gemeinsamen Nenner findet, wird es wirklich problematisch. Heiner Brand mahnt schon seit Jahren an, dass die deutschen Talente mehr Einsatzzeiten brauchen - mit dem Spiel um Platz elf bei der WM ernten wir nun das Resultat der Personalpolitik in der Liga. Und das, obwohl wir mit unserer Jugendarbeit auf einem sehr guten Weg sind. Wir sind Junioren-Weltmeister 2009, davor waren wir Jugend-Europameister. Die Erfolge, Talente und Möglichkeiten sind also da. Nur müssen die Talente auch in die Erstligateams integriert werden. Ansonsten fahren wir, wenn wir uns überhaupt qualifizieren, nur noch als Außenseiter zu den Turnieren.

Das Interview führte Derk Hoberg, netzathleten.de

insgesamt 2 Beiträge
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FTAASO 27.01.2011
1. -
Ich würde noch weiter gehen wollen: ANSCHEINEND wussten einige nicht, worum es ging. Vielleicht sogar "offenkudig"? "Scheinbar" scheint mir schon von Fakten wiederlegt zu sein.
langenscheidt 27.01.2011
2. Weicheier - Schauspieler
Es fehlten ein-zwei Spielerpersönlichkeiten, die nicht nur auf dem Platz das Sagen haben. Das was da derzeit rumläuft sind Weicheier. Aber alle täuschen Selbstbewußtsein vor. Schlechte Schauspielerleistung! Torwarte bilden aus ihrer Position heraus eine Ausnahme. Die müssen Bälle halten oder ins Gesicht geworfen bekommen. Damit sind sie auch gefordert ständig mit dem Kopf im Spiel zu sein... schliesslich können sie nicht weglaufen oder untertauchen, wenn sie keine Lust haben.
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