DHB-Team im WM-Achtelfinale: "Das Turnier geht jetzt erst los"

Aus Granollers berichtet

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Jubelnde DHB-Spieler: Gegen Frankreich geht es um den Gruppensieg

Achtelfinale! Deutschlands Handballer haben ihr Minimalziel bei der WM erreicht. Der große Druck vor dem Duell mit Frankreich ist weg. Gelingt eine Überraschung, ist die DHB-Auswahl sogar Gruppensieger - und schickt schon mal eine Kampfansage in Richtung des Titelverteidigers.

Hamburg - La Ola mit den Zuschauern. Immer wieder abklatschen und Umarmungen mit den Teamkollegen, den Trainern, Physiotherapeuten, mit allen, die da waren. Handball-Deutschland ist erleichtert. Sehr erleichtert.

Bei der WM in Spanien hat die deutsche Nationalmannschaft am Mittwochabend durch ein 29:21 (13:11) gegen Montenegro das Achtelfinale erreicht. Das ist für eine große Handball-Nation wie Deutschland an sich kein besonderer Grund zum Feiern. Aber es sind eben auch keine normale Zeiten für die DHB-Auswahl.

Groß sei der Druck gewesen, hörte man am Mittwoch bei den einen. Sehr groß sei er gewesen, gaben andere zu. Die Blamage, das Aus in der Gruppenphase, hing drohend über der Mannschaft. Nach vier Vorrundenspielen, in denen sich Highlights und Enttäuschungen abwechselten, ist sie abgewendet. Und bei keinem im deutschen Team fällt der Druck so offensichtlich ab wie bei Bundestrainer Martin Heuberger.

Noch während des Spiels, bei einer deutlichen 25:20-Führung (54.), regte er sich lautstark über eine Zwei-Minuten-Strafe für Michael Haaß auf. Später saß er gelassen bei der Pressekonferenz: lächelnd, gelöst, scherzend. Der Trainer von Montenegro noch nicht da? Kein Problem, Heuberger wartete gern. Das war im Verlauf dieser Vorrunde auch schon einmal anders.

Heinevetter beginnt im Tor für den zuletzt starken Lichtlein

Stolz sei er auf seine Mannschaft, sagte der Bundestrainer mehrmals. Das ist er nach dem Spiel gegen Montenegro, das Deutschland vor allem dank einer starken Abwehr um Oliver Roggisch und Michael Haaß gewann, zu Recht. Aber ein wenig Stolz auf sich selbst war wohl auch dabei.

Heuberger hat anstrengende Tage hinter sich. Zusätzlich zu dem Druck, den sich der akribische Coach selbst macht, kamen Spekulationen um einen neuen DHB-Präsidenten. Auch Heubergers Name fiel in diesem Zusammenhang: als einer, der angeblich schon bald seinen Job los sei. Als dann die zweite Partie gegen Tunesien verloren ging, war bei Heuberger das Lächeln erst einmal verschwunden. Am Mittwochabend kam es wieder. Beim Trainer, aber auch bei Silvio Heinevetter, der nach Carsten Lichtleins starkem Auftritt gegen Argentinien trotzdem von Anfang an im Tor stand und es mit seiner besten Turnierleistung dankte. "Es stand für mich außer Frage, ihn in dieser Situation zu unterstützen", sagte Heuberger.

Der Torwart, der vor der Partie gegen Montenegro eine "Prügelei" befürchtet hatte, behielt nur im Ansatz recht. Zwar setzte Montenegro, das die letzte Chance auf den Einzug in die K.o.-Runde hatte, voll auf seine wuchtigen Spieler: Vladimir Osmajic (105 Kilogramm), Mladen Rakcevic (105), Nemanja Grbovic (106) und Vasko Sevaljevic (107) verteidigten zunächst geschickt; aber anders als bei der 27:31-Pleite in der EM-Qualifikation im November 2012 ging Deutschland fast 60 Minuten lang ein hohes Tempo und zermürbte den Gegner damit. Das DHB-Team zog in der zweiten Hälfte durch einen 7:0-Lauf (37. bis 43. Minute) uneinholbar davon.

Abwehrchef Roggisch stellte fest: "Das Turnier geht jetzt erst los", und meinte damit die anstehende K.o.-Runde. Vorher steht am Freitag (18.15 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) in Barcelona allerdings noch das letzte Gruppenspiel an. Gegen Weltmeister und Olympiasieger Frankreich geht es zwar nicht mehr ums Weiterkommen, aber um den Gruppensieg. Den kann sich die DHB-Auswahl mit einem Erfolg gegen den großen Favoriten sichern. "Kampflos ergeben werden wir uns nicht", stellte Heinevetter klar.

Deutschland - Montenegro 29:21 (13:11)
Deutschland:
Heinevetter, Lichtlein - Klein (4), Theuerkauf (4), Weinhold (3), Wiencek (3), Haaß (3), Reichmann (3), Schmidt (3/3), Pfahl (2), Groetzki (), Christophersen (1), Kneer (1), Strobel, Fäth, Roggisch
Montenegro: Mijatovic, Simic - Melic (7/2), Vujovic (3), Markovic (3), Sevaljevic (3), Roganovic (2), Grbovic (1), Osmajic (1), Milasevic (1).
Schiedsrichter: Badura/Ondogrecula
Zuschauer: 3700

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Handball-WM

Was schafft die deutsche Nationalmannschaft bei der Endrunde in Spanien?


Fotostrecke
Handball-Nationalmannschaft: Der deutsche WM-Kader
DHB-Kader
Tor Silvio Heinevetter (Füchse Berlin), Carsten Lichtlein (TBV Lemgo)

Rückraum Mitte Michael Haaß (Frisch Auf Göppingen), Martin Strobel (TBV Lemgo)

Rückraum links Sven-Sören Christophersen (Füchse Berlin), Stefan Kneer (SC Magdeburg), Steffen Fäth (HSG Wetzlar)

Rückraum rechts Steffen Weinhold (SG Flensburg-Handewitt), Adrian Pfahl (VfL Gummersbach)

Linksaußen Dominik Klein (THW Kiel), Kevin Schmidt (HSG Wetzlar)

Rechtsaußen Patrick Groetzki (Rhein-Neckar Löwen), Tobias Reichmann (HSG Wetzlar)

Kreis Oliver Roggisch (Rhein-Neckar Löwen), Patrick Wiencek (THW Kiel), Christoph Theuerkauf (HBW Balingen-Weilstetten)

Die deutschen Gruppengegner
Brasilien
Die Handball-WM in Spanien ist für die junge brasilianische Mannschaft nur eine Durchgangsstation, das Ziel heißt Rio de Janeiro. Bei den Olympischen Spielen 2016 im eigenen Land wollen die Spieler mit ihrem spanischen Trainer Jordi Ribera für Furore sorgen. "Wir müssen den jungen Spielern die Chance auf internationale Erfahrungen einräumen - auch auf Kosten nicht so guter Ergebnisse", sagte Ribera vor dem Auftaktspiel gegen Deutschland. Bei den Panamerikanischen Spielen verlor die Mannschaft, die in Linksaußen Felipe Borges (Leon) und Rückraumspieler Thiagus Santos (Ciudad de Logrono) lediglich über zwei Legionäre verfügt, erst im Finale gegen Argentinien (21:22). - Bilanz gegen Deutschland: 7 Spiele, 7 Niederlagen. sid
Tunesien
Afrikameister Tunesien hat sich im Welthandball zu einer festen Größe entwickelt und nimmt in Spanien zum zehnten Mal in Folge an einer WM teil. Beste Platzierung war Platz vier bei der WM 2005 im eigenen Land. Nach dem Einzug ins Viertelfinale bei den Olympischen Spielen in London traten einige erfahrene Akteure zurück. Die Mannschaft des französischen Trainers Alain Portes befindet sich im Umbruch. Die Hoffnungen ruhen auf dem künftigen Kieler Rückraumspieler Wael Jallouz. - Bilanz gegen Deutschland: 9 Spiele, kein Sieg, ein Unentschieden, acht Niederlagen. sid
Montenegro
Einst im Handball kaum von Bedeutung, ist das Selbstvertrauen von Montenegro bei der WM groß. Nachdem das Team von Trainer Zoran Kastratovic in der Qualifikation im Sommer den späteren Olympiazweiten Schweden rausgeworfen hatte, landeten sie vor zwei Monaten den nächsten Coup: Der 31:27-Erfolg zum Auftakt der EM-Qualifikation gegen Deutschland markiert eine der schwärzesten Stunden der jüngeren deutschen Handball-Vergangenheit. "Wir haben der Welt gezeigt, dass auch Montenegro Handball spielen kann", sagte Kastratovic. Bei ihrer ersten WM-Teilnahme wollen die montenigrinischen Männer nun aus dem Schatten ihrer Landsfrauen treten, die im Dezember die EM gewannen und bei den Spielen von London Silber holten. - Bilanz gegen Deutschland: 3 Spiele, 1 Sieg, 2 Niederlagen. sid
Argentinien
Panamerikameister Argentinien will bei der Handball-WM an die starken Leistungen der letzten interkontinentalen Titelkämpfe anknüpfen. Vor zwei Jahren besiegten die Gauchos in der Vorrunde zunächst Gastgeber Schweden und zwangen die deutsche Mannschaft im Spiel um Platz elf danach zweimal sensationell in die Verlängerung. "Wir wollen das letzte WM-Ergebnis bestätigen und hoffen, die Gruppenphase zu überstehen", sagte Spielmacher Sebastian Simonet. Bei den Olympischen Spielen in London verpasste Argentinien das Viertelfinale knapp durch ein 23:25 im entscheidenden Spiel gegen Tunesien. Das Turnier beendeten die Südamerikaner auf dem zehnten Platz. - Bilanz gegen Deutschland: 2 Spiele, 2 Niederlagen. sid
Frankreich
Olympiasieger Frankreich kann bei der Handball-WM Geschichte schreiben und als erste Mannschaft überhaupt zum dritten Mal in Folge Weltmeister werden. "Wir sind niemals satt. Wir wissen, was wir schon gewonnen haben und was wir gewinnen können. Das stärkt das Selbstvertrauen", sagte Torhüter Thierry Omeyer vom deutschen Meister THW Kiel. Neben Omeyer zählen der Kieler Welthandballer Daniel Narcisse, Nikola Karabatic und Luc Abalo zu den Stars der Mannschaft von Trainer Claude Onesta. Allerdings sind auch die Franzosen nicht unschlagbar. Bei der EM 2012 in Serbien belegte Frankreich nur Platz elf. - Bilanz gegen Deutschland: 68 Spiele, 26 Siege, 7 Unentschieden, 35 Niederlagen. sid