Turnier in Deutschland und Dänemark Alles Wichtige zur Handball-WM 2019 

Am Donnerstag beginnt die Handball-WM in Deutschland und Dänemark. Wie stehen die Chancen der DHB-Auswahl? Was ist mit Trainer Prokop? Warum ist Linksaußen Gensheimer wichtig? Wer gilt als Favorit? Der Überblick.

Uwe Gensheimer (Mitte) und Christian Prokop (rechts)
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Uwe Gensheimer (Mitte) und Christian Prokop (rechts)

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Um was geht es?

Das Sportjahr 2019 beginnt mit der Handballweltmeisterschaft. Vom 10. bis 27. Januar spielen 24 Mannschaften um den Titel, aktueller Champion ist Frankreich. Deutschland tritt als Gastgeber an und wird das Turnier zusammen mit Dänemark ausrichten - erstmals in der 81-jährigen WM-Geschichte tragen zwei Länder das Turnier aus. Nur der Weltmeister qualifiziert sich direkt für die Olympischen Sommerspiele 2020 in Japan.

Der deutsche Handball-Verband (DHB) hofft auf Begeisterung für seine Sportart. Die Rahmenbedingungen dafür sind gegeben, 2019 wird kein großes Fußballturnier ausgerichtet, auch Olympia ruht - Handball steht im Rampenlicht. Außerdem werden die deutschen Spiele im öffentlich-rechtlichen Fernsehen von der ARD und ZDF übertragen. Das Turnier beginnt mit dem Eröffnungsspiel zwischen Deutschland und Korea am Donnerstag (18.15 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ZDF).

Wie stehen Deutschlands WM-Chancen?

Wie groß die Begeisterung aber wird, ist vom Turnierverlauf der deutschen Mannschaft abhängig. Zur Erinnerung: Beim bisher letzten deutschen WM-Sieg im Jahr 2007 (damals ebenfalls eine Heim-WM) verfolgten über 16 Millionen TV-Zuschauer in Deutschland das Finale - selbst der in der deutschen TV-Landschaft dominierende Fußball muss sich für diese Zahlen strecken.

Von einem erneuten WM-Triumph spricht nach zwei neunten Plätzen bei den jüngsten beiden Großturnieren aber kaum jemand. Er ist nicht ausgeschlossen, der Heimeffekt hat in der Sporthistorie schon für so manche Überraschung gesorgt, aber für den Titel müssten mehrere Spieler über sich hinauswachsen. Ein Manko ist der fehlende Topspielmacher im Rückraum, ein Chefstratege, der das Team anführt und durch schwierige Phasen lenkt.

Ein weiteres Problem: Deutschland hat die schwierigere Turnierhälfte erwischt und würde beim Einzug in die Hauptrunde wohl auf Spanien und Kroatien treffen. Geht man davon aus, dass Frankreich - einer der Topfavoriten im Feld - die Hauptrunde als Erster übersteht, müsste die DHB-Auswahl Spanien und Kroatien hinter sich lassen, um als zweite Mannschaft das Halbfinale zu erreichen. Mehr zum Modus lesen Sie weiter unten.

Die Topkraft im deutschen Team ist die Defensive, sie war bereits entscheidend für den EM-Sieg 2016. Herausragend ist auch Uwe Gensheimer, der wohl beste Linksaußen der Welt - und der einzige deutsche Spieler, der im Ausland (bei Paris Saint-Germain) unter Vertrag steht und derzeit ernsthaft um den Titel in der Champions League mitspielt. Die deutsche Liga genießt nicht mehr den Ruf der internationalen Topelite wie noch vor einigen Jahren. Spannend wird, wie das Turnier für Paul Drux von den Füchsen Berlin verläuft. Der 23-Jährige ist ein hochtalentierter Rückraumspieler, war in der Vergangenheit aber immer wieder verletzt. Toptorjäger Julius Kühn fehlt wegen eines Kreuzbandrisses.

Was ist mit Trainer Christian Prokop?

Der Bundestrainer hat eine sinnvollere Kadernominierung vorgenommen als bei der EM im Vorjahr. Das WM-Aus für Tobias Reichmann überrascht zwar. Seine Nichtnominierung schafft aber Raum für einen zusätzlichen Rückraumspieler, so wird klar: Prokop will eine weitere Option für eine starke Defensive, diese hatte er vor einem Jahr noch geschwächt, aber dazu gleich mehr. Sollte nach der Vorrunde Bedarf auf Rechtsaußen sein, wo Patrick Groetzki nun der einzige Spieler ist, könnte Reichmann nachnominiert werden.

Zur Erinnerung: Vor der enttäuschenden Europameisterschaft (Aus in der Hauptrunde) warf Prokop Abwehrchef Finn Lemke überraschend aus dem Kader, zerstörte die starke Abwehr, das Teamgefüge und sorgte für Unruhe. Im Nachgang geriet auch sein Job in Gefahr, viele forderten die Ablösung Prokops. Der DHB hielt trotz Gegenstimmen im Präsidium an ihm fest. Auch, weil sich der 39-Jährige nach der gescheiterten EM sehr selbstkritisch gab.

Bei der EM ließ Prokop schnell umschalten - diese Vorgabe hatte die Mannschaft überfordert. "Ich hatte mir viel schöneren und moderneren Handball vorgestellt, als wir ihn gespielt haben", sagte Prokop dem SPIEGEL. (Lesen Sie das Interview bei SPIEGEL +.) Nun muss der 40-Jährige zeigen, dass er eine passende Spielphilosophie für das Nationalteam entwickelt hat. Die Testspieleindrücke deuten darauf hin, dass Deutschland sich auf eine starke Defensive um Lemke und Hendrik Pekeler konzentrieren wird. Erreichen Prokop und seine Auswahl das Halbfinale, wäre es ein starkes Turnier gewesen.

Das sind die deutschen Vorrundenduelle:

10. Januar, 18.15 Uhr: Korea - Deutschland
12. Januar, 18.15 Uhr: Deutschland - Brasilien
14. Januar, 18 Uhr: Russland - Deutschland
15. Januar, 20.30 Uhr: Deutschland - Frankreich
17. Januar, 18 Uhr: Deutschland - Serbien

Wer sind die Favoriten?

Die Topkandidaten auf den Titel sind der zweite WM-Gastgeber Dänemark und Frankreich. Bei den Dänen gibt noch immer der 31 Jahre alte Mikkel Hansen (Paris Saint-Germain) den Takt vor. Er ist der wohl stärkste linke Rückraumspieler der Welt, Niklas Landin und Jannick Green gelten als das beste Torwart-Duo, Linksaußen Casper Mortensen vom FC Barcelona ist ein weiterer Topstar. Dänemark ist aktueller Olympiasieger und wurde bei der EM vor einem Jahr Vierter.

Die Franzosen müssen zwar verletzungsbedingt auf ihren Superstar Nikola Karabatic verzichten, sind mit Rückraumspieler Kentin Mahé von KC Veszprém, Dika Mem vom FC Barcelona und Rechtsaußen Luc Abalo von Paris Saint-Germain aber weiter erstklassig besetzt. Zudem gilt die französische Liga mittlerweile als die beste der Welt, zuletzt standen drei französische Teams im Final Four der Champions League.

Spanien mit einem Mix aus Routiniers und Talenten, das noch entwicklungsfähige Norwegen und Kroatien haben Außenseiterchancen. Schweden spielte zuletzt bei der EM 2018 einen faszinierenden Tempohandball und hatte es damit sensationell ins Finale geschafft.

Dänemarks Topstar Mikkel Hansen
DPA

Dänemarks Topstar Mikkel Hansen

Wo kann man die Spiele verfolgen?

ARD und ZDF werden alle WM-Spiele der deutschen Mannschaft live übertragen. Das Endspiel am 27. Januar wird vom ZDF gezeigt. Zudem wird der Internetanbieter Sportdeutschland.TV alle 96 Spiele der Titelkämpfe in Deutschland und Dänemark live zeigen. Eurosport übertragt 15 Spiele ohne deutsche Beteiligung.

Wie ist der Modus?

In vier Vorrundengruppen mit jeweils sechs Teams geht es zunächst um den Einzug in die Hauptrunde. Die drei besten Nationen kommen jeweils weiter und nehmen ihre Punkte und das Torverhältnis aus den Spielen gegen die zwei ebenfalls für die Hauptrunde qualifizierten Teams mit. Statt mit K.-o.-Spielen wie noch vor zwei Jahren, als die DHB-Auswahl im Achtelfinale an Katar scheiterte, geht es in zwei Hauptrundengruppen mit je sechs Mannschaften weiter. Die zwei besten Teams jeder Gruppe erreichen das Halbfinale, die dortigen Sieger spielen im Finale um Gold.

Wo wird gespielt?

Für die vier Vorrundengruppen gibt es vier Spielorte: In Deutschland sind das München mit Europameister Spanien und Berlin mit Gastgeber Deutschland. In Dänemark wird in Herning und Kopenhagen gespielt. Die deutsche Mannschaft würde beim Einzug in die Hauptrunde nach Köln weiterreisen. Die Partien der zweiten Hauptrundengruppe werden in Herning ausgetragen. Die Halbfinals steigen in Hamburg, das Endspiel und die Platzierungsspiele bis Rang sieben in Herning.

Mit Material von dpa

insgesamt 2 Beiträge
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Kurt Viles 08.01.2019
1. Uwe Gensheimer...
...hat aus meiner Sicht bei einem wichtigen Turnier die Erwartungen noch nie erfüllt, vor allem in engen Spielen bekommt er das Nervenflattern. Unbegreiflich, dass er immer Siebenmeterschütze ist. Beim EM-Titel 2016 war er verletzt und wurde sehr gut durch Rune Dahmke ersetzt. Die Siebenmeter hat damals Reichmann verwandelt. Ich hätte Gensheimer gar nicht nominiert.
hightoy 08.01.2019
2. Handball
Handball ist geil, egal wer gewinnt. Freue mich auf die Spiele!
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