Dänemarks Handball-Keeper Landin Der Mann, für den sogar Wolff auf die Bank musste

Bei der Handball-WM gehört Niklas Landin wieder mal zu den besten Torhütern. Er hält Bälle, die unmöglich scheinen. Sogar Andreas Wolff, Landins Konkurrent beim THW Kiel, schwärmt von dessen Spiel.

Niklas Landin
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Niklas Landin


Am Freitagabend war in Hamburg etwas Bemerkenswertes zu beobachten. Der dänische Keeper Niklas Landin hielt im WM-Halbfinale gegen Frankreich den ersten Wurf - und auch den zweiten. Soweit nichts Neues, doch was folgte, war es schon: Landin parierte keinen weiteren Ball mehr und wurde irgendwann durch Jannick Green ersetzt. Obwohl Landin gegen Frankreich nicht sein bestes Spiel machte, zog Dänemark ungefährdet ins Finale ein (Sonntag, 17.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ZDF).

Landin ist einer der Stars dieser WM-Endrunde, man wird dieses Turnier noch lange mit ihm verbinden. Der 30-Jährige hat vor dem Finale 38 Prozent aller Würfe auf sein Tor gehalten. Ein herausragender Wert - trotz seiner unterdurchschnittlichen Leistung gegen Frankreich. Landin kommt bisher auf 72 Paraden. Und dass gegen Frankreich nicht noch deutlich mehr hinzukamen, könnte auch daran gelegen haben, dass es dem Keeper angesichts der frühen Führung seiner Mannschaft etwas an Spannung fehlte.

Was aber macht sein Spiel aus? Oft wartet Landin den gegnerischen Angriff beinahe teilnahmslos ab, die große Show ist nicht seins. Manchmal macht er einen Schritt zur Seite und bietet eine Ecke an, oft ist es die kurze, nur um dann ein Bein oder einen Arm in die Höhe zu reißen. Blitzschnell geht das, schon viele Spieler sind daran verzweifelt.

Einmal, während Dänemarks Vorrundenspiels gegen Norwegen, parierte er innerhalb von fünf Minuten vier Würfe, die nur wenige andere gehalten hätten. Es war ein Lehrstück für Torhüter. Sander Sagosen, Norwegens bester Spieler, scheiterte erst mit einem präzisen Wurf aus dem linken Rückraum und dann mit einem wuchtigen Siebenmeter. Landin ballte nur kurz die Faust, als wäre nichts Außergewöhnliches passiert. Wenige Meter entfernt sah man Sagosen, wie er ungläubig den Kopf schüttelte.

Wolffs Widersacher

Landin hält seit Jahren so gut, dass man schon sehr lange suchen muss, um einen besseren Handball-Torhüter zu finden. Mit der Nationalmannschaft wurde der Däne Europameister 2012 und Olympiasieger 2016, zweimal WM-Zweiter und einmal Vize-Europameister. Zweimal wurde er nach einer Endrunde in das Allstar-Team berufen.

In den ersten Monaten dieser Saison spielte Landin sogar so gut, dass man sich in Deutschland große Sorgen machte. Denn wenn es wichtig wird und die großen Spiele anstehen, schickt Kiels Trainer Alfred Gislason meist Landin auf die Platte und nicht den zweiten Torhüter: Andreas Wolff, Deutschlands Nummer eins. Auch er ist gut, es gibt viele Experten, die Wolff Weltklasseformat bescheinigen. Warum, das konnte man auch bei der laufenden WM immer wieder beobachten.

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"Das perfekte Torhüterspiel"

Als Wolff im Sommer 2016 nach Kiel wechselte, hatte er ein halbes Jahr zuvor mit Deutschland die Europameisterschaft gewonnen und dabei mit starken Leistungen überzeugt. Diesmal wurde Wolff am Ende des Turniers ins Allstar-Team gewählt. Er war der Mann der Stunde.

Beim THW erhielt er dann jedoch nur die Nummer 33, Landin behielt das Trikot mit der Eins - ein erstes Anzeichen für das, was Wolff in Kiel erwarten sollte. Es heißt, Wolff habe sich nie wirklich mit seiner Rolle im Schatten von Landin abfinden können. Im Sommer verlässt er Kiel, er wird dann für den polnischen Serienmeister KS Kielce spielen.

Ende Dezember haben Landin und Wolff der "Welt" ein gemeinsames Interview gegeben. Es ging darin um die Ziele bei der WM-Endrunde und natürlich auch um das Verhältnis der beiden Spitzentorhüter. Als Wolff gefragt wurde, was Landin als Torhüter ausmache, sagte er: "Wer ein Buch über das perfekte Torhüterspiel schreiben will, muss nur ein Spiel von Niklas durchknipsen, mit einem Text versehen und veröffentlichen."



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