Handball-WM Abgeblockt

Der Respekt vor den Brasilianern war groß, doch Deutschland hat auch sein zweites Spiel bei der Handball-WM deutlich gewonnen. Das hatte viel mit der Defensive zu tun.


Szene des Spiels: Es lief die 25. Minute, als Hendrik Pekeler beide Hände in die Höhe riss und einen Wurf blockte. Und weil die Situation damit noch nicht bereinigt war, sprang Pekeler noch einmal energisch ab, für einen Moment schien er in der Luft zu stehen, dann schnappte er sich den Ball mit der linken Hand. Die Brasilianer um Henrique Teixeira und Thiagos dos Santos staunten. Womöglich waren sie auch einfach nur froh, dass in diesem Moment nicht auch noch der 2,10-Meter-Mann Finn Lemke auf der Platte stand.

Das Ergebnis: Zweites Spiel, zweiter Sieg - gegen Brasilien hat die deutsche Handball-Nationalmannschaft deutlich 34:21 (15:8) gewonnen. Hier geht es zur Meldung.

Erste Halbzeit: Begann mit einem Andreas Wolff in Topform. Es waren gerade einmal drei Minuten gespielt, da hatte Wolff schon gegen José Toledo und Thiagos dos Santos, auch Petrus genannt, gerettet. Als dann Steffen Weinhold traf, war das der Startschuss für eine beeindruckende erste Halbzeit der deutschen Mannschaft, die in einer 15:8-Pausenführung gipfelte.

Defensive ist Trumpf: Abgesehen von den gut 180 Sekunden zwischen der 26. und 29. Spielminute, in denen Deutschland drei Gegentore kassierte, verfestigte sich gegen die Brasilianer ein Eindruck, den schon das Korea-Spiel hinterlassen hatte: Defensive ist Trumpf beim Team von Bundestrainer Christian Prokop. Immer wieder verendeten Brasiliens Angriffsbemühungen im deutschen Block.

Zweite Hälfte: War phasenweise nicht mehr ganz so rasant wie die erste, aber immer noch sehenswert. Prokop schickte wie schon im ersten Spiel alle Mann aufs Feld, und Fabian Wiede, Matthias Musche oder Paul Drux nutzten ihre Chance. Überragend war nun Uwe Gensheimer, der am Ende bei zehn Treffern stand. Einige Siebenmeter waren darunter, aber auch trickreiche Würfe - Gensheimer, der Zauberer mit dem Gummiarm, zeigte, warum Experten ihn auf seiner Position zu den besten Spielern der Welt zählen.

Großes Taktik-Kino: Wer die Brasilianer gegen Frankreich hatte spielen sehen, dem dürfte ein Muster aufgefallen sein: Geduldiger Spielaufbau, kein Risiko, dafür im richtigen Moment der Pass in den Rückraum, oft zu José Toledo - und das war dann meist ein Treffer. Bundestrainer Prokop und seine Spieler hatten offenbar nicht nur genau hingeschaut, sondern auch die richtigen Schlüsse gezogen.

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Deutschland bei der Handball-WM: Das ist der DHB-Kader

Oft agierte die Mannschaft in einer klassischen 6:0-Abwehr, die viel Laufarbeit gegen den Ball verrichtete. Pekeler, Lemke und Patrick Wiencek bildeten ein mächtiges Defensivbollwerk, und die eigenen Angriff spielte die DHB-Auswahl clever aus. Steffen Fäth zeigte in den Umschaltsituationen, dass er rechtzeitig zur WM-Endrunde sein Bundesligatief überwunden hat. Wenn er mit schnellen Schritten kreuzte und dann trocken warf, war Brasiliens Defensive oft machtlos.

Spielplan-Glück: Erst Korea, dann Brasilien - zur Geschichte des gelungenen Auftakts in diese WM gehört auch, dass der Spielplan es wirklich gut gemeint hat mit der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Während Brasilien am Freitagabend noch gegen Frankreich spielte, hatte Deutschland einen ganzen Tag länger Pause. Auch deshalb stehen nach zwei Spielen gegen schwächere Teams zwei ungefährdete Sieg in der Statistik.

Erfolge, aus denen die Mannschaft mit viel Rückenwind in die nächsten Tage gehen wird. "Das war für mich bisher das schönste Spiel, seitdem ich Bundestrainer bin", sagte Prokop im ZDF. Man kann ihn verstehen, doch klar ist auch: Erst gegen Russland, Frankreich und Serbien wird sich zeigen, wie stark diese Auswahl wirklich ist.



insgesamt 2 Beiträge
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butch_triathlet 12.01.2019
1. erwünschte Nachhaltigkeit
Ich kann nur hoffen und wünschen, dass die DT. HNM mit genau diesem Selbstvertrauen, Elan, Konzentration und Engagement in die nächsten Spiele geht. Dann wirds auch weiter gehen.
il_phenomeno 12.01.2019
2. stark
freue mich jedes mal Handball zu verfolgen. etwas harte Entscheidungen der Schiris. Und wieder mal freue ich mich, dass da noch Männer hart aber fair miteinander umgehen. sollten sich andere besser bezahlte Sportler was abschauen
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