WM-Aus für deutsche Handballer: Bittere Enttäuschung, stolzer Erfolg

Aus Saragossa berichtet

Handball-WM-Viertelfinale: Gescheitert am Gastgeber Fotos
AP

Die deutschen Handballer haben für Furore gesorgt, jetzt ist die WM für sie vorbei. Gastgeber Spanien ließ den Traum von der Sensation im Viertelfinale platzen. Bitter sei das, sagt Spielmacher Michael Haaß. Das Turnier ist dennoch ein Erfolg.

Silvio Heinevetter irrte mit leerem Blick durch die Mixed Zone, Patrick Groetzki kritisierte sich selbst hart, und Dominik Klein musste erstmal alles sacken lassen, fand dann aber doch noch lobende Worte: Die deutschen Handballer schwankten am Mittwochabend zwischen Enttäuschung und Stolz. "Das ist bitter. Wir haben lange träumen dürfen", sagte Michael Haaß.

24:28 (14:12) hatte die DHB-Auswahl ihr WM-Viertelfinale gegen Spanien verloren. Das Ergebnis gibt den Spielverlauf nur ungenügend wieder, lange war die Partie ausgeglichen gewesen. Die harte Realität ist dennoch: Deutschland darf nicht mehr mitspielen bei dieser Weltmeisterschaft. Am Donnerstag fliegt die Mannschaft von Madrid zurück in die Heimat.

Für das Turnier ist das ein echter Verlust. Es hat Spaß gemacht, der deutschen Mannschaft zuzusehen. Das hat man schon lange nicht mehr über die DHB-Auswahl sagen können. Auch am Mittwoch zeigte Deutschland, warum Spaniens Trainer nach der Partie anerkennend davon sprach, wie deutlich man die Fortschritte im deutschen Team sehen könne.

Die erste Halbzeit der Deutschen war überragend. Wieder stand die vielgelobte Abwehr um Oliver Roggisch und Michael Haaß sicher. Der Spielmacher übernahm zudem im Abschluss Verantwortung, traf bis zur Pause dreimal. Spanien war beeindruckt, musste für seine Tore meist hart arbeiten. Von Nervosität war bei der jungen deutschen Mannschaft nichts zu spüren. Die 11.000 Zuschauer in der ausverkauften Halle in Saragossa pfiffen schon bei der Begrüßung jeden DHB-Spieler aus. "Die erste Halbzeit war top. In der zweiten Halbzeit waren wir nicht mehr so konsequent", sagte Haaß.

Groetzkis vergebene Chancen als Schlüsselmoment

In doppelter Unterzahl kassierte Deutschland erst den 14:14-Ausgleich, danach schwächelte die DHB-Auswahl in den entscheidenden Momenten. Patrick Groetzki scheiterte in der 39. mit einem Tempogegenstoß, es wäre das mögliche 19:17 gewesen. Vier Minuten später vergab er frei das mögliche 20:18. "Es war vielleicht ein kleiner Schlüsselmoment. Danach ziehen wir nicht weg, und Spanien zieht davon", sagte der Rechtsaußen sichtlich konsterniert.

Die Spanier, von denen sich einige am Mittwochmittag noch in einer Bar in der Innenstadt von Saragossa vergnügt hatten, waren cleverer. Allen voran Julen Aguinagalde. Über den Kreisläufer lief nahezu jeder Angriff der Gastgeber. "Den haben wir 60 Minuten lang nicht in den Griff bekommen", sagte Torwart Silvio Heinevetter, trotz der Warnungen von Bundestrainer Martin Heuberger.

Aguinagaldes Tor zum 23:21 in der 51. Minute war die Vorentscheidung, seine Treffer zum 24:21 und 25:21 machten alles klar. "Wir haben den ein oder anderen Fehler zu viel gehabt", sagte Heuberger, der anders als Heinevetter keine Probleme damit hatte, seiner Mannschaft zu einem starken Turnier zu gratulieren. "Von dicht dran können wir uns nichts kaufen", sagte sein enttäuschter Keeper.

Doch auch, wenn ein zweites WM-Wintermärchen nach 2007 ausblieb, endet für Deutschland ein Turnier, das mehr große Momente bereitgehalten hatte als gedacht. Die nach Ausfällen und Absagen stark veränderte deutsche Mannschaft hat in den vergangenen eineinhalb Wochen für beste Unterhaltung gesorgt. Sie sind Erster in der Gruppe A geworden, sie haben sensationell Frankreich besiegt und das Achtelfinale gegen Mazedonien im Stile einer Spitzenmannschaft runtergespult.

"Wir haben immer gekämpft und an uns geglaubt", sagte Linksaußen Dominik Klein. Die DHB-Auswahl hat in Spanien mit einer Mannschaft ohne große Namen wieder großen Sport gezeigt. Deutschland weiß jetzt, wer Stefan Kneer ist. Oder Kevin Schmidt. Oder Patrick Wiencek. Die Nationalmannschaft hat ein neues, sympathisches Gesicht gezeigt. Und dieses Team ist so jung, dass in Zukunft noch einiges zu erwarten ist. Irgendwann fand auch Michael Haaß dafür wieder den Blick: "Wir können stolz sein darauf, wie wir hier aufgetreten sind. Wir haben in Deutschland wieder Lust auf Handball gemacht."

Deutschland - Spanien 24:28 (14:12)
Deutschland:
Heinevetter - Kneer, Wiencek (1), Schmidt (1/1), Weinhold (2), Pfahl (1), Haaß (3), Klein (4), Strobel, Roggisch, Reichmann, Groetzki (2), Theuerkauf (4), Christophersen (6/1), Fäth
Spanien: Aguinagalde (7), Tomas (7/1), Entrerrios (6), Rivera (3), Maqueda (3), Rocas (1), Sarmiento (1)
Schiedsrichter: Gubica/Milosevic (Kroatien)
Zeitstrafen: 6:5
Siebenmeter: 3/2:1/1
Zuschauer in Saragossa: 10.801 (ausverkauft)

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insgesamt 32 Beiträge
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1. Danke für tolle Spiele!
sappelkopp 23.01.2013
Zitat von sysopDie deutschen Handballer haben für Furore gesorgt, jetzt ist die WM für sie vorbei. Gastgeber Spanien ließ den Traum von der Sensation im Viertelfinale platzen. Bitter sei das, sagt Spielmacher Michael Haaß. Das Turnier ist dennoch ein Erfolg. [url]http://www.spiegel.de/sport/sonst/handball-wm-aus-fuer-deutschland-im-viertelfinale-gege
Enttäuschung im ersten Moment ist OK. Aber der Stolz wird bleiben.
2.
jujo 23.01.2013
Zitat von sysopDie deutschen Handballer haben für Furore gesorgt, jetzt ist die WM für sie vorbei. Gastgeber Spanien ließ den Traum von der Sensation im Viertelfinale platzen. Bitter sei das, sagt Spielmacher Michael Haaß. Das Turnier ist dennoch ein Erfolg. [url]http://www.spiegel.de/sport/sonst/handball-wm-aus-fuer-deutschland-im-viertelfinale-gege
Kompliment an die Mannschaft, sie hat Spanien alles abverlangt, leider fehlte in entscheidenden Momenten das Abgezockte und ein wenig Glück!
3. Teams...
vater von w 23.01.2013
Zitat von sysopDie deutschen Handballer haben für Furore gesorgt, jetzt ist die WM für sie vorbei. Gastgeber Spanien ließ den Traum von der Sensation im Viertelfinale platzen. Bitter sei das, sagt Spielmacher Michael Haaß. Das Turnier ist dennoch ein Erfolg. [url]http://www.spiegel.de/sport/sonst/handball-wm-aus-fuer-deutschland-im-viertelfinale-gege
... a la THW Kiel sind die Ursache. Wer Spieler im Ausland kauft schiebt die Basis für die Nationalmannschaft in die zweite Reihe. Siehe DFB- Auswahl.
4. Bitter, bitter, bitter...
eapc 23.01.2013
Seit ca 8 Jahre lebe ich in Deutschland und sehe ich wirklich Sensationelle deutsche Manschaften z.B beim Fußball und jetzt in Handball... Heute eine harte Kritik an der Trainer, weil er drei gute Spielern draußen gelassen hat... und schon wieder gegen die Spanier in einer viertel FInale verlieren... Die Basis eine MAnschaft ist nicht nur Disziplin und gute Spiel, dazu gehört auch Coraje und Mut zu gewinnen. Gelobt sind Alle Jungs meiner Seite von das deutsche Team... Ihr sei die erste Manschaft die eure Nationalhymmne laut und Stolz gesungen habt... Schade sei Ihr nicht ins Finale dabei.. aber die Erfahrung ist ein Punkt auf eure Seite... LG
5. Kopf hoch,
bloßmolwassage 23.01.2013
Zitat von sysopDie deutschen Handballer haben für Furore gesorgt, jetzt ist die WM für sie vorbei. Gastgeber Spanien ließ den Traum von der Sensation im Viertelfinale platzen. Bitter sei das, sagt Spielmacher Michael Haaß. Das Turnier ist dennoch ein Erfolg. [url]http://www.spiegel.de/sport/sonst/handball-wm-aus-fuer-deutschland-im-viertelfinale-gege
ihr habt eine Klasse-Leistung gezeigt.
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Hallenhandball-Weltmeister der Männer
Jahr Team
2013 Spanien (31:19 gegen Dänemark)
2011 Frankreich (37:35 n.V. gegen Dänemark)
2009 Frankreich (24:19 gegen Kroatien)
2007 Deutschland (29:24 gegen Polen)
2005 Spanien (40:34 gegen Kroatien)
2003 Kroatien (34:31 gegen Deutschland)
2001 Frankreich (28:25 n.V. gegen Schweden)
1999 Schweden (25:24 gegen Russland)
1997 Russland (23:21 gegen Schweden)
1995 Frankreich (23:19 gegen Kroatien)
1993 Russland (28:19 gegen Frankreich)
1990 Schweden (27:23 gegen die UdSSR)
1986 Jugoslawien (24:22 gegen Ungarn)
1982 UdSSR (30:27 n.V. gegen Jugoslawien)
1978 Deutschland (20:19 gegen die UdSSR)
1974 Rumänien (14:12 gegen die DDR)
1970 Rumänien (13:12 n.V. gegen die DDR)
1967 CSSR (14:11 gegen Dänemark)
1964 Rumänien (25:22 gegen Schweden)
1961 Rumänien (9:8 n.V. gegen die CSSR)
1958 Schweden (22:12 gegen die CSSR)
1954 Schweden (17:14 gegen Ges.-Deutschland)
DHB-Kader
Tor Silvio Heinevetter (Füchse Berlin), Carsten Lichtlein (TBV Lemgo)

Rückraum Mitte Michael Haaß (Frisch Auf Göppingen), Martin Strobel (TBV Lemgo)

Rückraum links Sven-Sören Christophersen (Füchse Berlin), Stefan Kneer (SC Magdeburg), Steffen Fäth (HSG Wetzlar)

Rückraum rechts Steffen Weinhold (SG Flensburg-Handewitt), Adrian Pfahl (VfL Gummersbach)

Linksaußen Dominik Klein (THW Kiel), Kevin Schmidt (HSG Wetzlar)

Rechtsaußen Patrick Groetzki (Rhein-Neckar Löwen), Tobias Reichmann (HSG Wetzlar)

Kreis Oliver Roggisch (Rhein-Neckar Löwen), Patrick Wiencek (THW Kiel), Christoph Theuerkauf (HBW Balingen-Weilstetten)